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Mit seinem nunmehr fünftem Album "Paradies der gefälschten Dinge" gehört Niels Frevert zum Inventar der deutschen Singer-Songwriter-Szene. Trotz dieser Arbeitserfahrung war sein Konzert in der Alten Feuerwache Mannheim eher eintönig.

Los geht der Abend mit der Singer-Songwriterin Desiree Klaeukens. Die sagt wenig und stimmt dafür oft ihre Gitarre. Lieber lässt sie ihre Lieder für sich sprechen. Aufmarksame Konzertgänger aus der Region kennen das bereits von ihrem Auftritt beim Vereinsheim Baldu. 2014 erschien ihr erstes Album "Wenn die Nacht den Tag verdeckt" bei Tapete Records, von diesem spielt der musikalische Zögling von Niels Frevert auch einige Songs in Mannheim.

Was im herzlich intimen Rahmen des Vereinsheims aber noch wunderbar funktionierte, geht diesmal in der Alten Feuerwache nicht auf: Verloren wirken die Songs auf der hohen Bühne und auch das Publikum ist mehr physisch als geistig anwesend. Als sich Desiree Klaeukens knapp verabschiedet, stehen viele schon wieder an der Bar.

Wir verlieren wenig Zeit und Worte

Ähnlich wie Desiree Klaeukens ist Niels Frevert ebenfalls kein Freund der großen Worte. Zu Beginn seines Auftritts und in der Folgezeit verliert er kaum Zeit mit Ansprachen ans Publikum und singt dafür Lieder von Ufos über dem Kirchentag, verscharrten Leichen oder Zürich.

Letzterer Song ist ein Kleinod, das Niels Frevert nach eigener Aussage wegen der dafür nötigen "seltsamen" Gitarrenstimmung bisher selten live gespielt hat. Ein Glück, dass die Titel vom neuen Album "Paradies der gefälschten Dinge" auch dieses "seltsame" Tuning benötigen und "Zürich" deswegen ins Set wandern durfte.

Nordisch

Dort strahlt es hell, aber auch seine Song-Kollegen haben eine gewisse Leuchtkraft. Das bereits erwähnte "Ufo" ist so ein Strahlemann und leuchtet mit seiner Doppeldeutigkeit zwischen Witz und einer Suche nach Sinn und Geborgenheit.

Freverts Texte durchzieht das leicht Melancholische, ohne dabei je ins Kitschige abzudriften. "Hamburger Schule" fällt einem da ein und mit dieser Einordnung lehnt man sich nicht zu weit aus dem Fenster: Das Konzert in der Feuerwache Mannheim hat diesen nordisch kargen Charakter, wenn auch nicht immer zum Vorteil.

Keine Show ohne Showmaster

Denn nach einigen Titeln wird der Auftritt von Niels Frevert eintönig. Die Songs klingen trotz toller Texte und wunderbarer Band (vor allem Keyboarder und Schlagzeuger stechen heraus) recht ähnlich. Und Frevert ist nicht der geborene Showmaster, der diesen Eindruck mit seiner Bühnenpräsenz während oder zwischen den Titeln wegwischen kann.

So plätschert der Abend hüftsteif dahin. Wie auch schon bei Desiree Klaeukens wäre ein intimerer Rahmen für Niels Frevert viel passender: Seine Song und seine Künstlerperson schreien nach der Nähe zum Beispiel eines kleinen Cafés. Die klassische Konzertsituation mit ihrer künstlichen Distanz zwischen der großen Bühne und dem Publikum macht dagegen alles so typisch "dütsch", wie man im besungenen Zürich sagen würde.

Lass die Leute näher ran

Wie es auch anders geht, zeigt sich in der Zugabe: Hier holt Niels Frevert seinen Titel "Doppelgänger" vom ersten Soloalbum "Niels Frevert", erschienen 1997, aus der Mottenkiste. Und bei diesen 90er Grooves entsteht zum ersten Mal ein echtes Konzertgefühl. Der Song hat das mitreißende Element, was den anderen Titeln des Abends fehlt.

Da man aber nicht die ganze Zeit olle Kamellen von vor bald 20 Jahren hören möchte, sollte Frevert vielleicht einfach demnächst Stühle aufstellen und von seiner Bühne herunter zum Publikum steigen. Seinen Songs würde es gefallen, und im "Paradies der gefälschten Dinge" sollte man sowieso näher hinschauen dürfen, um die wahren Perlen würdigen zu können.

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