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Rod Stewart (live in Mannheim, 2014) © Rudi Brand

Dass ausgerechnet Rod Stewart während einer Fußball-WM auf Tour ist, kann nur auf einen schrecklichen Fehler seines Managers zurückzuführen sein. Fußball spielt sowohl im Leben als auch in der Liveshow des Sängers eine wichtige Rolle. Dazu gibt es eine Menge Las Vegas-Entertainment gepaart mit englischem Humor - eine durchaus unterhaltsame Mischung.

Nach Eric Clapton trat mit Rod Stewart binnen weniger Tage die zweite Legende der 1960/70er in der SAP Arena in Mannheim auf. Während Eric Clapton wirkte, als wäre er am liebsten irgendwo anders, vermittelt Rod Stewart den Eindruck, als könne er sich gar nicht vorstellen, irgendwo anders zu sein als auf einer Bühne vor mehreren tausend Zuschauern.

Las Vegas-Style

Das aufwändig gestaltete Bühnenbild erinnert an eine Las Vegas-Showbühne aus der Swing-Era. Der männliche Teil der Band ist ganz in schwarz gekleidet, die weiblichen Backgroundsängerinnen und Musikerinnen tragen figurbetonte kurze Kleider. Rod Stewart trägt zu Beginn ein kanariengelbes Sakko, später einen silbernen Anzug und dann zum Abschluss knallrotes Hemd und Hosen.

Das zeigt: hier wird an Klamotten nicht gespart. Harte Arbeit macht nicht nur die Musik, sondern auch der zweimalige Kleidungswechsel von Rod und den Damen. Überhaupt fühlt sich Rod Stewart sichtlich wohl, wenn er von so vielen attraktiven Musikerinnen umgeben ist. An die Ladies im Publikum denkt er natürlich auch, Oh, Rod!

Mit Charme und Energie

Wenn sich etwas durch die Show zieht, dann sein schelmenhafter Charme, den er benutzt, um das Publikum zu animieren. Ständig ist er von der einen Seite der Bühne auf die andere unterwegs, er winkt, reißt die Arme hoch, sucht den Blickkontakt mit einzelnen Zuschauern, nimmt einen Schal (Celtic FC!), ein Trikot (Rod Stewart!) und eine Flagge (Schottland!) auf, die seine enthusiastischen Fans aus der ersten Reihe auf die Bühne werfen.

Mit seiner unbändigen Energie überspielt Rod Stewart kleinere Pannen wie den abgebrochenen und neugestarteten Song "Some Guys Have All The Luck", den vergessenen Text bei "Have I Told You Lately" oder den verpassten Einsatz bei "Maggie Mae". Kein Wunder, es ist hier ja auch wirklich viel los. Dauernd werden Bilder auf die Leinwänd projiziert: Rod Stewart als Neunzehnjähriger, Rod Stewart mit seinem Vater, Rod Stewart weinend beim Sieg seines Celtic FC gegen Barca, Rod Stewart als Fußballer. Und eine Auswahl lustiger Youtube-Videos gibt es auch. Vorgestellt von Rod.

Kindergeburtstag für Babyboomer

Während die knallbunte, knapp zweistündige Show etwas von Kindergeburtstag für die Generation der Babyboomer hat, orientiert sich die Songauswahl vornehmlich an den Hörgewohnheiten eines Massenpublikums. Rod Stewart spielt seine Mega-Hits, die vom Publikum teilweise enthusiastisch mitgesungen werden. Überhaupt die Stimmung ist vom ersten Lied so exzellent, dass sogar die hartnäckigen Ordner im Innenraum vor so viel Begeisterung kapitulieren.

Man kann das Konzert am besten genießen, indem man nicht all zu viel darüber nachdenkt. Sicher, Rod Stewarts Stimme ist nicht mehr so flexibel und ausdrucksstark wie früher, funktioniert aber recht gut, nachdem er einige Lieder absolviert (und/oder der Tontechniker die richtigen Knöpfe gefunden hat). Es gibt einige schöne Highlights wie die wirklich bewegende Version von "I Don't Want to Talk About It" (des 1972 verstorbenen Danny Whitten) oder das energetische "Sweet Little Rock & Roller" von Chuck Berry. Eine kleine Prise Rock'n'Roll gönnt Rod Stewart seinen Fans.

Rod, der Showman

Aus seiner frühen Karriere spielt er immerhin "Maggie Mae" und "You Wear It Well", dazu gibt es Balladen wie "The First Cut Is The Deepest" und "Tonight's The Night", unterlegt von einem lokalen Streichensemble. Als Rod Stewart das Tempo wieder anzieht, schießt er (wie üblich) zu "Hot Legs" signierte Fußbälle ins Publikum, singt mit "Baby Jane" eines seiner besten Lieder der 1980er und versammelt zum abschließenden Song alle Musiker auf der Bühne.

Nein, mit Rock'n'Roll hat das wirklich nichts mehr zu tun, stattdessen viel mit Rod, dem Showman, der selbstironisch die eigene Karriere kommentiert. Mit fünfzig wolle er "Da Ya Think I'm Sexy" nicht mehr singen und zu einer Art Selbstparodie werden, zitiert er in großen Bildern ein Rolling Stone-Interview aus ferner Vergangenheit. Jetzt ist Rod Stewart 69 Jahre und singt immer noch dieses Lied als großes Finale. Was für ein Schelm. Man kann ihm das einfach nicht übel nehmen.

Setlist

This Old Heart of Mine | Tonight' s The Night | You Wear It Well | Can't Stop Me Now | Some Guys Have All The Luck | Rhythm of My Heart | Forever Young | The First Cut Is the Deepest | Downtown Train | I Don't Want to Talk About It | Have I Told You Lately | Tom Traubert's Blues (Waltzing Matilda) | Sweet Little Rock & Roller | Proud Mary | You're in My Heart (The Final Acclaim) | Hot Legs | Maggie May | Baby Jane | Sailing | Da Ya Think I'm Sexy?

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