Das Vereinsheim (Pressefoto, 2014)

Das Vereinsheim (Pressefoto, 2014) © Das Vereinsheim

Am Donnerstag Abend war es mal wieder soweit. Zum 8. Mal bereits hat das Vereinsheim Baldu einen musikalischen Abend der ganz besonderen Art abgehalten. Das Ergebnis: Ein Konzert mit Wohnzimmerflair, bei dem die Zuhörer die Künstler hautnah erleben durften.

Als "dezidiert geschmackvoll" (Mannheimer Morgen), "beeindruckend" (Wo-Stadtmagazin) und "unvergesslich" (Baden Boulevard) wurde es schon beschrieben. Am Donnerstag Abend hatten Zuschauer wieder die Möglichkeit, sich eben davon zu überzeugen: In der Alten Feuerwache in Mannheim konnte man das Vereinsheim Baldu mit einem kunterbunt zusammengewürfelten Haufen Musiker in ganz besonderer Atmosphäre genießen.

Omas alte Bude mitten in der Feuerwache

Was sich erst einmal nicht ganz so spannend anhört - bei Vereinsheim denkt man wohl nicht an ein Konzert der Extraklasse, sondern an eine eher staubige Angelegenheit - entpuppte sich als ganz besonderes Event. Schon bevor die Band die Bühne betritt, merkt man, dass es sich hier um ein Konzert der etwas anderen Art handelt. Die Bühne steht nicht erhoben am Ende der Halle, sondern direkt in der Mitte des Raumes. Die Stühle sind in einem Sitzkreis drum herum angeordnet. Alte Lampen, die stark an Omas alte Bude erinnern, tauchen den Raum in ein warmes Licht, die rustikale Dekoration verleiht dem ganzen eine charmante Atmosphäre. 

Den Einstand gibt natürlich das Vereinsheim Baldu selbst und leitet den Abend erst mit sphärischen Klängen, dann mit "Lauf, Junge, lauf" ein. Hinter dem Vereinsheim stecken Schlagzeuger Tommy Baldu und Sänger David Maier, an den Tasten sitzt Nico Schnepf. Am Bass wieder mit dabei: Paucker.

Nach der kleinen Kostprobe auf das Kommende geht es dann mit den verschiedenen Gästen weiter, die abwechselnd die Bühne betreten und eine Auswahl ihrer Songs zum Besten geben.

Singer-Songwriter oder doch Comedian?

Erster Gast ist der kanadische Singer-Songwriter Martin Gallop, an dem eindeutig auch ein guter Comedian verloren gegangen ist. Ob er nun eine Anekdote aus dem Baumarkt erzählt, oder verrät, wie er als kleiner protestantischer Junge von den gemeinen Katholiken-Kindern eins auf die Nase bekommen hat: Er versteht es sein Publikum zu unterhalten. Doch sein Talent zum Alleinunterhalter ist nicht das Einzige, was der in Deutschland lebende Kanadier drauf hat.

Nicht nur mit seiner gefühlvollen und leidenschaftlichen Musik und seiner wunderbar rauchigen Stimme kann er überzeugen, sondern gerade sein Einfallsreichtum bleiben in Erinnerung. Mit viel Kreativität erklärt er dem Publikum seinen "Zeitschlauch", der hin zu einem Grammophon führt, und Parts seiner Musik in Zwanziger-Jahre Nostalgie Welten verwandelt. Die Zuschauer sind begeistert, auch die Musiker in der Mitte haben sichtlich Spaß.

Motto des Abends: Nehmt euch Zeit...

Martin Gallop hatte es zuvor schon erwähnt, auch Desiree Klaeukens beherzigt es jetzt: das Sich-Zeit-Nehmen. Was bei Songwriter Gallop aber noch durch die ein oder andere witzige Anekdote untermalt wurde, zieht sich hier für die Zuschauer dann doch etwas in die Länge. Probleme mit der Gitarre verzögern die Auftritte der Berliner Sängerin, das Publikum, dass Gallop noch mit nett und wohlwollend anpries, wird etwas unruhig.

Letztendlich fängt das "Küken", wie sich die Sängerin im Kreise der "erfahrenen Künstler" selbst nennt, doch noch an zu spielen. Und ja, David Maier bringt auf den Punkt was wir alle denken: "erfahren" ist doch nur ein Euphemismus für alt!

Die Songwriterin brilliert mit deutschen Texten, ihre Stimme ist ruhig und dennoch durchdringend, im Glanze der anderen Sänger schafft sie es sich zu behaupten. Und obwohl die Tatsache, dass jedes Mal, wenn sie die Bühne betritt, erst an der Gitarre rumgebastelt werden muss, ihre Autritte etwas überschatten, so kann man doch nicht lange böse sein. Dazu harmoniert ihre ruhige, sanfte Musik zu sehr.

Klanggewaltig

Klanggewaltig dagegen ist der Auftritt von Roland Meyer de Voltaire. Als der zurückhaltende junge Mann die Bühne direkt nach Desiree Klaeukens betritt, flackert kurz die Befürchtung auf, jetzt komme wieder eine Pause, bis der Künstler sich eingerichtet hat - doch Fehlanzeige.

Sofort geht es laut und mit voller Energie weiter, auf Englisch präsentiert der sonst bekannte Sänger der Bonner Band Voltaire einen Song seines neues Projekts Schwarz. Dunkle Melodien, gepaart mit einer außerordentlichen Stimme, die in ungeahnte Höhen hinaufreicht, versetzen das Publikum in Staunen. Nach der eher ruhigen und angenehmen Vorgängerin jetzt so ein elektronisch-sphärisches Stück zu hören, ist ein krasser Stilbruch, der aber voll punkten kann und das Event letztendlich ausmacht. 

Nach dem kurzen elektronischen Intermezzo geht es dann weiter wie Fans es von ihm gewohnt sind, auf Deutsch präsentiert Roland Meyer de Voltaire ein Stück seiner Indie-Rock Band Voltaire. Ganz anders, aber auch schön anzuhören und eine wohlverdiente Ruhepause nach dem letzten Lied. Bei seinem späteren Auftritt wiederholt er das ganze nochmal, trägt wieder ein Lied seines neuen Projektes und ein bekanntes Voltaire-Stück vor, und kann auf ganzer Linie punkten.

Gelungener Abschluss

Der Isländer Ómar Guðjónsson überzeugte bereits mittendrin mit einer isländischen Rockhymne und beeindruckendem Gitarrenspiel. Er hätte wohl über alles Mögliche singen können, isländisch verstanden haben an diesem Abend wohl die wenigsten, doch mit Gesang und Melodie konnte er das Publikum auch ohne Storytelling in seinen Bann ziehen.

Als der Abend sich dann dem Ende neigt und das Publikum eine Zugabe verlangt, betritt das Vereinsheim samt Gästen noch mal die Bühne, und Ómar Guðjónsson spielt wieder einen Song, der nochmal an Authentizität gewinnt, da er vorher nicht im Zusammenspiel mit dem Vereinsheim geprobt wurde. Das Publikum ist also hautnah bei einer spontanen Jamsession dabei, was den Abend perfekt ausklingen lässt.

Fazit: Wenn das Vereinsheim Baldu demnächst wieder zu ihrem "Musiker-Stammtisch", wie sie es selbst nennen bitten, dann sollte man sich das nicht entgehen lassen. Das Verschwimmen der verschiedensten Genres, das Zusammenspiel der unterschiedlichen Musiker und die pure Freude, die ihnen ins Gesicht geschrieben steht, machen dieses Event tatsächlich zu einem unvergesslichen Ereignis.

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