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Accept (live beim Wacken Open Air, 2014) © Akis Konstantinidis

Kutten, Lederhosen und zahlreiche gepflegte Vokuhila-Frisuren: Im rappelvollen Berliner Huxleys erinnerte am gestrigen Abend so Einiges an die glorreichen Metal-Zeiten Mitte der Achtziger. Der Grund: Accept – eine der wohl größten nationalen Starkstrom-Institutionen der letzten drei Dekaden – lud zum Headbanger-Contest.

Auch nach fast vierzig Jahren Businesszugehörigkeit haben Accept nichts von ihrer Zugkraft verloren. Als im Berliner Huxleys um kurz vor neun die Saalbeleuchtung gedimmt wird, ist der Saal proppenvoll. Hunderte Berliner Hartholz-Fetischisten jenseits der Vierzig sind bereit für ein brodelndes Bad in Erinnerungen.

Doch bevor sich Menge freudestrahlend in pubertäre Memoiren-Welten verabschieden darf, gibt es von den alten Herren auf der Bühne erstmal reichlich Neues auf die Ohren. Mit "Stampede", "Stalingrad", "Hellfire" und "200 Years" verneigen sich die Metal-Veteranen zunächst vor der Gegenwart, ehe mit den beiden "Balls To The Wall"-Brechern "London Leatherboys" und "Losers And Winners" der erste Hauch von Nostalgie durch die Location schwebt. Der Sound ist druckvoll, die Band spielt auf den Punkt und die Menge schüttelt eifrig Haupt und Haar. Heavy Metal pur.

Meterhohe Nebelsäulen schießen in Richtung Decke

Während links und rechts neben dem gusseisernen Drum-Podest meterhohe Nebelsäulen in Richtung Decke schießen, posen, hüpfen und rennen die Bandmitglieder wie ewig junggebliebene Edelstahl-Liebhaber auf der Bühne umher. Vor allem das Urzeit-Trio an vorderster Front (Peter Baltes, Herman Frank, Wolf Hoffmann) präsentiert sich immer wieder im Choreografie-Modus der besonderen Art. Mit einem ständigen Lächeln auf den Lippen werden Haare und Glatzen im Takt geschwungen, breitbeinige Schunkel-Einwürfe gestartet und geballte Fäuste in die Luft gereckt.

Lediglich Frontröhre Mark Tornillo wirkt zwischen dem Breite-Hose-Getue seiner Kollegen auf der Bühne etwas hölzern. Seine Poser-Defizite macht der gebürtige Amerikaner aber mit seinem Organ wieder wett. Wie eine auf Hochtouren laufende Kreissäge schmirgelt, schreit und singt sich der kleine Mann am Mikrofon ohne Aussetzer durch den Backkatalog der Band. Respekt.

Das Huxleys bebt

Bei soviel Inbrunst bleibt für Randgeschichten nicht viel Puste übrig. Mehr als ein krächzendes "Thank You" ist zwischen den Songs nicht drin. Die Fans stört das aber nicht. Sie gröhlen, jubeln und klatschen. Große Reden will hier heute eh keiner hören. Dafür dürstet den Anhängern mit zunehmender Dauer des Abends immer mehr nach Antikem.

Gegen Ende der Veranstaltung werden die Rufe nach Klassikern endlich erhört. Songs wie "Princess Of The Dawn", "Fast As A Shark", "Metal Heart" und "Balls To The Wall" lassen das Huxleys kurz vor dem Schlussgong nochmal so richtig beben. Dann ist Schluss. Aus die Maus. Die Kutten sind nass, das Bier ist alle und die Anwesenden torkeln mit reichlich Schweiß auf den Stirnen wieder gen Heimat. Heavy Metal halt.

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