Beatsteaks (live bei Rock'n'Heim, 2014) Fotostrecke starten

Beatsteaks (live bei Rock'n'Heim, 2014) © Achim Casper

Im Zuge ihrer "Club Magnet Tour" machen die Beatsteaks Halt im rappelvollen Berliner SO36. Nach knapp zwei Stunden Punkrock deluxe ist klar: Zuhause ist immer noch am schönsten.

Die Beatsteaks füllen mittlerweile die größten Hallen der Republik und stehlen jedem noch so angesagten Mega-Act auf Großfeld-Festivals problemlos die Show. "Allet schön und jut", würde sich Front-Entertainer Arnim Teutoburg-Weiß wohl zum aktuellen Ist-Zustand seiner Band äußern. Was den Artisten-Sohn und seine vier Mitstreiter, neben goldenen Schallplatten und jubelnden 10.000er-Massen, aber mindestens genauso antreibt, sind die regelmäßigen Blicke in den bandeigenen Rückspiegel.

Fernab vom Arenen-Glanz der Gegenwart

Als die Band vor knapp zwanzig Jahren ihre ersten Gehversuche machte, war an eine ausverkaufte Wuhlheide und Nummer-eins-Alben nämlich noch nicht zu denken. Damals spielten die Beatsteaks noch in süffigen 500er-Clubs, fernab vom Arenen-Glanz der Gegenwart. Und genau diesen Vibe, dieses urbane Wurzel-Gefühl holen sich die fünf Berliner auch heute noch immer wieder gerne zurück.

Dann packen die Jungs ihre sieben Sachen, steigen in den Tourbus und fallen überall dort ein, wo vor zwei Dekaden alles anfing; nämlich in kleinkalibrigen Szene-Läden wie dem Münchner Backstage-Club dem alten Schlachthof in Dresden und natürlich: dem legendären Berliner SO36. Dort machten die Hauptstädter am gestrigen Abend Halt und hinterließen am Ende jede Menge schlackernde Ohren, blaue Flecken und wackelige Knie.

Rauchige Hibbel-Klänge von AnnenMayKantereit

Bevor sich der aus allen Nähten platzende Laden aber komplett gehen lässt, lauschen die erwartungsfrohen Anwesenden erst einmal den rauchigen Hibbel-Klängen einer Kölner Newcomer-Band namens AnnenMayKantereit. Nach einer knappen halben Stunde, gespickt mit Ska-, Indie- und Rock-Einwürfen, klatschen nicht nur Rio Reiser-Anhänger begeistert in die Hände. Well done, Jungs!

Um kurz vor zehn ist es dann aber endlich soweit. Während sich an der Theke das Who Is Who der Gästeliste gemütlich zuprostete, beenden hunderte Zahlende vor der Bühne die letzten Aufwärmübungen. "Hallo Berlin! Es ist schön, wieder nach Hause zu kommen", schallt es aus der PA. Ein lächelnder Arnim Teutoburg-Weiß winkt kurz ins Publikum. Danach ist Schluss mit lustig. Mit beeindruckender Spielfreude und gewohnt souveräner Präsenz hauen die Beatsteaks ihrer Kreuzberger Gefolgschaft einen Song-Leckerbissen nach dem anderen vor den Latz.

Bereits nach zehn Minuten tropft literweise Schweiß von der Decke

"Up On The Roof", "DNA", "Milk And Honey": Bereits nach zehn Minuten tropft literweise Schweiß von der Decke. Der Sound kommt satt und die Band ist tight wie eh und je. Immer wieder animiert der charismatische Frontmann seine Jünger vor der Bühne zum Loslassen von allem.

Kein Problem: Wie eine aufgehetzte Meute tanzwütiger Duracell-Hasen hüpfen und springen sich die Fans in Ekstase: "In diesen Clubs passiert's. Hier fängt alles an. Das hier ist keine Disco. Das hier ist eine Höhle, wo Sachen passieren, die größer werden als Helene Fischer. Habt ein Auge auf das SO36!", erinnert der Sänger die Anwesenden an die unvergleichliche Historie der Location. Doch an diesem Abend macht sich keiner Sorgen um die ungewisse Zukunft des Clubs. Heute wollen alle nur feiern; und zwar so richtig.

Es zählt nur das Hier und Jetzt

Knapp zwei Stunden lang bebt der Asphalt vor dem geschichtsträchtigen Haus in der Oranienstraße: "Ick war gerade draußen eene rauchen. Sogar der Ü-Wagen von RadioEins is am Wackeln", berichtet ein Fan im Gentleman-Of-The-Year-T-Shirt. Das Konzert wird live im Radio übertragen. Balsam für all diejenigen, die kein Ticket mehr ergattern konnten. Im Herzen des Clubs interessiert sich aber niemand für die endlos langen Kabelstränge zwischen Mischpult und Ausgangstür.

Es zählt nur das Hier und Jetzt. Und das wird Vielen noch lange in Erinnerung bleiben; denn knapp zwei Stunden Beatsteaks-Energie im SO36 hinterlassen bei dem einen oder anderen an diesem Abend mehr Spuren, als alle bis dato ausverkauften Wuhlheide-Shows der Band zusammen. Kleinvieh macht auch Mist? Aber Hallo!

Alles zu den Themen:

beatsteaks annenmaykantereit

Das könnte Sie auch interessieren