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Beatsteaks (live bei Rock'n'Heim, 2014) © Achim Casper

Liegt jetzt eigentlich Hockenheim in der Eifel, oder was? Egal - die zehntausenden Besucher bei "The Return to Rock'n'Heim" ließen sich nicht aus der Ruhe bringen, sondern feierten ihre Stars ausgelassen bis in die Nacht.

Ausgerechnet an diesem Wochenende lässt der Wettergott die sonnenverwöhnte Kurpfalz im Stich. Starke Regenfälle zuvor haben dafür gesorgt, dass vor der Evolution Stage bei Rock'n'Heim schon am Nachmittag ein beachtliches Schlammfeld entstanden ist.

Doch bis auf ein paar kurze Regenschauer bei den Beatsteaks, bleibt es erfreulicherweise relativ trocken am Hockenheimring. Wie auch schon im letzten Jahr wollen hier ca. 40.000 Fans die Festivalsaison 2014 mit einem Ausrufezeichen abschließen.

Brettharte Rockmusik mit Airbourne

Ein frühes Ausrufezeichen setzt auch Wirtz. Mit "Auf die Fresse"-Hard-Rock auf Deutsch passt der Frankfurter optimal in das diesjährige Line-Up und wärmt die Festivalmeute für die kommenden Acts auf. Mit brettharter Rockmusik im Stile von AC/DC knüpfen auch Airbourne an. Zum Auftritt der Australier stürzen sich die ersten Besucher in den Schlamm, der Rest macht einen großen Bogen um die Pfützen. Woodstock lässt grüßen.

Airbourne fegen über die Bühne und animieren immer wieder das Publikum zum Klatschen. Nur die genuschelten Ansagen von Sänger Joel O’Keeffe versteht keiner. Einer aus dem Team muss aushelfen: "Jeder nimmt sich einen auf die Schulter!" Achso! Aber O’Keeffe kann nicht nur virtuos Gitarre spielen, nein, er kann sogar eine Bierdose mit seinem Kopf öffnen! Ein echter Rocker eben.

Neue Bühnenanordnung

Wer sich danach etwas Zeit nimmt, um das Gelände zu erkunden, stellt einige Veränderungen zum Vorjahr fest. Die beiden Bühnen stehen jetzt in unmittelbarer Nähe, jedoch zu jeweils anderen Seiten ausgerichtet. So sind die Wege kürzer, wodurch das Festival kompakter wirkt. Die Befürchtung, dass der Sound sich bei überschneidenden Gigs sich vermischt, erweist sich als unbegründet. Zweifellos eine Verbesserung!

Neu dazugekommen ist eine Zeltbühne, der Gorilla Club, die ausschließlich DJ-Acts im Angebot hat und vor allem bei Regen eine Alternative darstellt, die gern angenommen wird. Aufgrund eines Sponsors aus der Tabakindustrie ist die Warnung "Rauchen kann tödlich sein" in dem Zelt und auch an anderen Stellen des Festivals dermaßen omnipräsent, dass man wahrscheinlich mit diesem Spruch in einem schwarzen Rahmen auch ein inoffizielles Festivalshirt als Kultverkaufsschlager feilbieten könnte.

Allerlei Attraktionen

Auch sonst spielt sich abseits der beiden großen Bühnen einiges ab: während ein Energy Drink-Hersteller Motocross-Freestyler per Rampe durch die Luft fliegen lässt, verlost ein Autohersteller Urlaubsreisen in einem Karaoke-Wettbewerb. Der oben genannte Tabaksponsor unterhält auch ein Hostel, das eine Art Container-Ressort mit In- und Outdoor-Bereich, Bar, Chill-out-Lounge, Disko und auch Livebühne beinhaltet.

Dort treten im Wechsel der Berliner Liedermacher Georg auf Lieder und die neue Entdeckung von dem legendären Creation-Chef Alan McGee, der Schotte Pete MacLeod auf und sorgen dafür, dass auch das Sänger/Songwriter-Genre einen Platz auf dem Festival hat. Leider nehmen viel zu wenige Besucher dieses hochkarätige Angebot wahr. Man würde sich wünschen, dass ein Künstler von der Klasse eines MacLeod einen nachmittäglichen Spot auf einer der großen Bühne hätte, wo er sicherlich eine echte Bereicherung für das Line-up des Festivals darstellen würde.

Einen ähnlich undankbaren Spot haben The Intersphere aus Mannheim auf der kleinen Bühne, die von einer großen Brauerei gesponsert wird. Sie spielen ansprechenden Indierock, der stilistisch auch im Festival-Line-up zu kurz kommt und versuchen ebenfalls tapfer die Laufkundschaft zum Bleiben zu bewegen.

Im zweiten Teil: tanzende Fotografen, Moshpits und Bands, die am Rad drehen.

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Tanzende Fotografen bei den Donots

Zu ihrem zwanzigjährigen Jubiläum lassen die Donots ihr Studio heute kalt und kehren auf die Bühne zurück. Mit "Calling" preschen sie direkt nach vorne, Sänger Ingo Knollmann springt wie ein Flummi auf und ab und wirbelt sein Mikrofon durch die Luft. Mit seiner starken Präsenz und einzelnen Kommandos reißt Knollmann die Menge mit.

Vor allem eine Gruppe wird den Auftritt der Donots nicht so schnell vergessen. "Ich hatte noch nie so viele Fotografen vor mir", erzählt der Frontmann und holt sich kurzerhand die gesamte Fotografentruppe auf die Bühne, die er bei "You got it" zum Tanzen auffordert. Rund zwanzig tanzende Fotografen? Sowas erlebt man wohl nur bei den Donots. Hoffentlich hat jemand davon ein Foto geschossen…

Billy Talent: Moshpit-Alarm

Ein sehr gern gesehener Gast sind auch Billy Talent und mindestens genauso gerne sind die Kanadier in Deutschland unterwegs. Die erste deutsche Bühnenluft durfen Billy Talent als Support der Beatsteaks schnuppern, erzählt Frontmann Benjamin Kowalewicz. Umso dankbarer ist die Rockband, heute mit ihren Berliner Freunden eine Bühne teilen zu dürfen.

Mit viel Energie – wie von Billy Talent gewohnt – feuert der Vierer ein Rockbrett nach dem anderen in die tobende Menge, denn bei Billy Talent steht keiner still. So entsteht bei "Red Flag", "Viking Death March" oder "Runnin‘ Across The Tracks" ein Moshpit nach dem anderen. Neue Songs aus dem noch geheimen, neuen Album gab es leider nicht zu hören. Songs wie "Fallen Leaves" oder "Devil On My Shoulder" gehören aber nach wie vor auf jedes gute Festival. Wir sind auf die neue Platte gespannt!

Die Beatsteaks drehen am Rad

Gegen halb 10 beginnt dann wieder der Regen. Die Fans vor der Revolution Stage, wo zuvor Parov Stelar einen überzeugenden Gig gespielt haben, bewegen sich auch allmählich zur Hauptbühne, um den ersten Headliner zu sehen: die Beatsteaks aus Berlin sind zurück und haben ihr neues, selbstbetiteltes Nummer-Eins-Album im Gepäck. "Wie geht’s, wie steht’s?!" schreit Frontmann Arnim Teutoburg-Weiß in die Menge. "Wollen wir am Rad drehen?!" Auf jeden Fall!

Als alte Festival-Hasen verzichten die Beatsteaks als einzige Band am heutigen Tag auf ein Banner und untermalen ihre groovigen Alternative-Songs mit Licht- und Schattenspielereien. Die Berliner Truppe präsentiert einen abwechslungsreichen Mix aus den neuen Songs und den älteren Klassikern. Dabei darf sowohl ein zum Springen einladendes "Hand in Hand", "Summer", Singles wie "Milk & Honey" als auch der Live-Knaller schlechthin "Let Me In" nicht fehlen. Mit der Zugabe "I Don’t Care As Long As You Sing" und unter großem Beifall und Jubel verabschiedet sich die Band. Das war ein ordentlicher Vorgeschmack auf die anstehende Clubtour.

Stau vor der Evolution-Stage

Damit endet das Programm auf der Evolution-Stage. Der Großteil zieht nun Richtung Revolution-Stage, auf der Outkast und Deadmau5, der DJ mit den markanten Mausohren, den Abschluss des ersten Festivaltags bilden. Wer allerdings zu lange überlegt, wird von denen beiden zumindest nicht viel sehen. Vor der Revolution-Bühne ist so ein Gedränge, dass sich Nachzügler hinten anstellen müssen – ganz hinten. Bildschirme sind bei der zweiten Bühne auf dem Gelände nicht montiert worden.

Der nächste Wehrmutstropfen folgt zugleich: Wer gedacht hat, dass Outkast mit kompletter Band kommen, der findet nach einem sich verzögernden Beginn ein DJ-Pult vor. Schade. Ein „Ms. Jackson“ mit Band, statt aus der Dose wäre deutlich spannender gewesen. Unterhaltsam ist das Hip-Hop-Duo aus André 3000 und Big Boi trotzdem. Wer dann immer noch nicht genug hat, zieht in den Gorilla Club mit seinen diversen DJs oder beschert sich seinen Ausklang auf dem Campingplatz. Morgen geht es schließlich weiter!

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