Cris Cab (live beim SWR3 New Pop Festival, 2014) Fotostrecke starten

Cris Cab (live beim SWR3 New Pop Festival, 2014) © Joy Dana Görig

Nach dem total verregneten Freitag blieben die Himmelsschleusen am Samstag geschlossen. So herrschte auf der Partymeile vor dem Kurhaus und bei der langen Einkaufsnacht in der Innenstadt von Baden-Baden reges Treiben und beste Stimmung.

Der dritte Tag beim SWR3 New Pop Festival stand ganz im Zeichen von bester Laune und Partymusik. Superstimmung war bei den zwei letzten Shows auf jeden Fall vorhanden. Leider wurde aber das erste Konzert von Cris Cab durch eine viel zu hohe Lautstärke eher zur Quälerei als zum Genuss. Es war der einzige Minuspunkt eines ansonsten grandiosen Festivals.

Die verdorbene Party bei Cris Cab 

Es ist immer ein schlechtes Zeichen für die Stimmung im Saal, wenn schon während der ersten zwei Songs sich zahlreiche Kinder die Ohren zu halten, manche Väter ihren Sprösslingen Schutzhörer aufsetzen und erschrockene Besucher zum Eingang stürzen, um sich nachträglich mit Ohrstöpseln zu versorgen. Die Folge waren Beschwerden beim Personal über die viel zu hohe Lautstärke. Versorgt mit Ohrstöpseln war es einigermaßen erträglich und so konnten sich die Besucher endlich der Musik von Cris Cab widmen. Sie erweist sich als Mix aus Reggae und Soul, ein toller Groove, gewürzt mit Saxophonsolos.

Nach rund 30 Minuten wird die Lautstärke etwas reduziert und mit den Hits steigt auch die Stimmung. Zuerst performt Cris Cab "Loves Me Not". Dabei läuft er vor zum Bühnenrand und klatscht sich mit den Zuschauern ab. Mit "Liar Liar" flippt das Publikum dann richtig aus. Cris Cab hämmert die Faust ins Publikum und die enthusiastischen Fans werfen die Schläge gemeinsam zur Bühne zurück. Mit dem Beachpartysound geht die Party auf die Zielgerade und endet mit dem Bob Marley Cover "I Shot The Sheriff".

Die Erfolgskarriere von Cris Cab ist bei so viel musikalischer Substanz vorgezeichnet. Aber bei den Live-Auftritten muss er wie viele Musiker aus Nordamerika am Sound arbeiten. Nur mit Lautstärke und Bass das Publikum anheizen ist ein in Amerika beliebte Vorgehensweise, die hier in Europa nicht funktioniert. Das mussten selbst Bands wie die Black Eyed Peas beim letzten Konzert schmerzhaft erfahren.  

Eine Weltreise mit Larsito

Im Theater Baden-Baden ist der Sound bei Larsito dann wieder erstklassig. Nach seinem Ausstieg bei Culcha Candela ist Larsito jetzt als Solokünstler unterwegs und er beginnt sein Konzert mit "M.W.W." (Männer wie wir). Dabei lässt er alle Männer eine Faust machen und die Fäuste fliegen.

Danach startet er eine musikalische Weltreise von Baden-Baden über Kolumbien und Kuba bis nach Berlin. Bei "Krone" tanzt er mit der Backgroundsängerin und schlägt die Percussiontrommel. In Kolumbien angekommen entsteht südamerikanisches Lebensgefühl mit dem Trompetensound. Beim Gesangsduell Männer gegen Frauen gehen die Ladys überraschend total unter. Vom Beach geht es zurück zur Lebensgeschichte von Larsito, dessen Vater aus Kolumbien stammt und der als Stargast auf die Bühne kommt.

Mit Salsaschwung in den Hüften tanzt er über die Bühne und singt auf Spanisch. Dafür erntet er den größten Applaus des Konzerts. Das Vater-Sohn-Duo performt anschließend gemeinsam "Solo Tu", bevor es weitergeht nach Kuba und es endet schließlich in Berlin mit "Unter diesen Wolken". Dazu geht Larsito ins Publikum und so feiern alle gemeinsam ab.     

Vollgasparty mit Alle Farben

Das Motto des New Pop Festivals könnte auch lauten, sämtliche Genregrenzen der Musik zu sprengen. Nach Auftritten wie von Clean Bandit ist auch DJ Alle Farben dabei, sich vom klassischen DJ Sound zu lösen. Bei dem Auftritt in Baden-Baden darf zuerst eine Sängerin im weiten Kimonokleid die ersten zehn Minuten live performen. Dann gibt Alle Farben richtig Gas mit treibenden Beats und harten Schlägen. Die Mischung aus Techno und House wird vermengt mit helltönigen Synthesizerklängen ähnlich einem Glockenspiel.

Als nächster Gast kommt ein Trompeter als Liveunterstützung und so wird der Innenraum zur gefeierten Tanzfläche, der sich auch spielend in den Innenraum bewegt. Eine grandiose Kombination, ein Trompeter mit House-Sound. Wieder allein am Pult klettert Alle Farben auf das Pult, lässt alle Besucher im Innenraum sich ducken und sie kreisen die Arme. Dann jagt er die Partytänzer mit harten Schlägen hoch und die Hüpfzone Innenraum lebt und bebt. Visuell ist die Show von Alle Farben tatsächlich so, dass die Kombination aus Scheinwerferlicht und Videoanimation dafür sorgt, dass alle Farben zu sehen sind.

Der dritte Performer ist Graham Candy. Er singt zu den Beats und verabschiedet sich kurz für das Ende des Hauptblocks. Dazu kommt DJ Alle Farben zum Bühnenrand, verbeugt sich und die Arme werden hin und her geschwenkt. Natürlich warten alle Fans auf die Zugabe des großen Sommerhits "She Moves" und dazu kommen alle Künstler noch einmal gemeinsam auf die Bühne. DJ Alle Farben leitet den Song ein, Graham Candy singt, während die Sängerin und der Trompeter mit dem DJ über die Bühne tanzen. Der Innenraum tobt. Es ist das letzte kollektive Ausflippen des New Pop Festivals 2014.

Ein Festival auf höchstem Niveau

Am Ende der drei Tage New Pop Festival 2014 stehen zehn Konzerte, die zahlreiche Highlights für alle Geschmäcker und alle Altersgruppen zu bieten hatten. Mit Ausnahme kleinerer Störungen waren alle Konzerte bis auf das Lautstärkedesaster bei Cris Cab auf allerhöchstem Niveau. Die Locations sind grandios, die Stimmung in der Stadt ein Erlebnis. Wenn SWR3 dieses Niveau halten kann und nächstes Jahr auch das Wetter wieder mitspielt, dann wird das New Pop Festival 2015 sicher auch wieder fantastisch werden.   

Alles zu den Themen:

swr3 new pop festival alle farben

Das könnte Sie auch interessieren