© Thorsten Dirr

Der TV Noir-Konzertabend im Heidelberger Karlstorbahnhof vereint die Talente zweier junger Musiker: Jonathan Kluth und Cäthe unterhalten das Publikum mit eindrucksvollen Auftritten, bis sie zum großen Finale beide gemeinsam auf der Bühne stehen.

"Hi", sagt er und hat alle Herzen erobert, noch bevor er auch nur eine Note gespielt oder gesungen hätte. Das macht Jonathan Kluth aber auch noch in aller Ausführlichkeit und bläst das Publikum komplett weg. Der Sänger und Songwriter eröffnet den ausverkauften TV Noir-Konzertabend im Heidelberger Karlstorbahnhof, den er gemeinsam mit Cäthe bestreitet.

Wer's nicht weiß: TV Noir ist ursprünglich ein Format aus Berlin, das seit 2011 auch im Rest von Deutschland zu finden ist. Zwei Bands bestreiten zusammen einen Abend und spielen abwechselnd. Während die einen spielen, sitzen die anderen hinten auf der Bühne unter einer alten Stehlampe auf einem bestickten Omasofa.

Umwerfende Bühnenpräsenz

Das ist eine witzige Idee, die für Jonathan Kluth bestens funktioniert. Der Wahl-Berliner, der sich einst an der Mannheimer Popakademie ausbilden ließ, besitzt eine umwerfende Bühnenpräsenz und ist ein virtuoser Gitarrenspieler, dessen Spielfreude ansteckend wirkt.

Er entlockt seinem Instrument nicht nur wunderschöne, schmeichelnde Melodien – die er jedoch mit Rhythmuswechsel vor dem Rand zum Kitsch zu stoppen weiß –  sondern klopft auf ihrem Körper einfache Rhythmen, die er mit Hilfe einer Loop-Machine aufnimmt und damit seine Lieder grundiert. Wie bei "Joe's Song", dessen Version auf You Tube legendär ist.

Kongeniale Band

Der stimmgewaltige Kluth, der als Vorbilder John Mayer und Kings of Leon nennt, steht nicht allein auf der Bühne: Johann Seifert (Bass, Gesang, Percussion) und Christian Tschuggnall (Drums) sind seine kleine, aber kongeniale Band. Beide sind versierte Musiker, die aus den Vollen schöpfen in dem weiten Feld von Folk, Blues und Rock’n‘Roll, von getragenen Balladen bis Groove total.

Doch seien wir ehrlich: Jonathan Kluth ist eine Ein-Mann-Show. Er könnte auch allein auf der Bühne stehen und das Publikum rocken. Mit "Putting Out Fires" setzt er dieses in Brand, bei "Getting There" gegen Ende des Konzerts hält es die Zuschauer nicht mehr auf den Stühlen. Apropos: Diese vermaledeiten Stühle sind eine Qual! Nach zwei Stunden bricht sich die angestaute Energie Bahn und viele springen auf, tanzen auf den Stühlen oder in den Gängen.

Liebe und Intimität

Danach ist Cäthe dran. Denn nicht vergessen: Nach drei Songs von Kluth, spielt Cäthe drei akustische Versionen ihrer Lieder. Sängerin und Songwriterin Catharina Sieland hat zur Verstärkung ihre Bandkollegen Reiner "Kallas" Hubert (Drums) und Florian "Flozze" Eilers (Gitarre, Vocals) mitgebracht.

Schon in der ersten Konzerthälfte haut sie mit "Ding" einen ihrer Hits von ihrem Debütalbum "Ich muss gar nichts" (2011) raus, mit dem sie durch einen Auftritt bei "Ina's Nacht" zu beachtlicher Bekanntheit kam. "Ich glaub', ich bin ein Ding / Wenn's in Bewegung ist", singt sie, rauchig und zart zugleich. Ihre Geschichten, auch auf dem neuen, zweiten Album "Verschollenes Tier", kreisen um die Themen Liebe, Intimität, Ausbruch und enthalten häufig einen autobiografischen Kern.

Gesanglich ist Cäthe an diesem Abend am besten, wenn sie die Wut zeigt, die sie besingt. Dann performt die Wahl-Hamburgerin authentisch und mitreißend. Bei den leiseren Tönen wirkt sie indes oft ungelenk. Der Wechsel zwischen den Bands ist ihrer Bühnenperformance eher abträglich.

Grandioses Finale

Tatsächlich aber ist das Gros der Besucher hörbar wegen ihr hier. Viele singen mit, klatschen frenetisch. Obwohl die Musikerin es ihren Fans nicht leicht macht: Sie liebt harte, dynamische Wechsel in den Liedern. Ihre Texte sind oft sperrig und wollen sich einfach nicht reimen. Und die Bilder, die sie evoziert, wirken manchmal merkwürdig verschoben.

Ganz am Ende findet dann sogar ein wirkliches Zusammenspiel der beiden Bands statt, wenn die sechs Musiker für die Zugabe gemeinsam auf der Bühne stehen. Die schiere Wucht, die alle zusammen entwickeln, haut einen um und es keimt ein leiser Zweifel, ob die reduzierte Bandformation wirklich so eine gute Idee ist. Das Konzert war wunderbar. Aber das Finale grandios!

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