Auch in Mannheim umjubelt: Morten Harket

Auch in Mannheim umjubelt: Morten Harket © Tom Teubner

Das Konzept der Night Of The Proms ist einfach, aber genial. Bei keiner anderen Konzertreihe verschmelzen die verschiedenen Stile der Musik derart perfekt. Es ist die ideale Mischung aus Klassik, Pop und Musikstilen, die sonst eher wenig Beachtung finden.

Pünktlich um 20 Uhr gehen die Saallichter aus und schon beim ersten Song wird klar, was die Night Of The Proms seit Jahren auszeichnet. Das Orchester Il Novecento unter der Leitung von Robert Groslot und der Chor Fine Fleur interpretieren mit Love Me Again des britischen Newcomers John Newman gleich einen der aktuellen Pophits des Jahres 2013. Als Kontrast folgt die Tritsch Tratsch Polka von Walzerkönig Johann Strauss aus dem Jahr 1858. 

Danach betritt mit der japanischen Jazz-Pianistin Hiromi der erste moderne Act die Bühne. Der kleine Wirbelwind fegt über die Tasten des Pianos zur Tom & Jerry-Show, als ob die Maus Jerry permanent den Fangversuchen von Kater Tom ausweicht. Die Vertonung ist perfekt, jedoch für den Zuschauer ohne Running Order nur schwer nachzuvollziehen. Hier wäre es cleverer gewesen, als kurzes Intro die Melodie von Vielen Dank für die Blumen von Udo Jürgens anzuspielen, damit das Publikum leichter erkennen kann, was Hiromi mit Hilfe des Orchesters vertont.

Rock und Swing

Um das an diesem Abend zunächst eher lethargische Mannheimer Publikum auf Betriebstemperatur zu bringen, rocken dann die drei Jungs von The Baseballs die SAP Arena. Doch auch sie wecken mit Umbrella und Angels nur zaghafte Regungen im Publikum. Erst als sie Born This Way singen, kommt endlich Schwung in die Halle. Die ersten Zuschauer erheben sich von den Sitzplätzen und der Lärmpegel erreicht ein konzertgerechtes Niveau. 

Auch beim anschließenden Chor Battle von Chor und Orchester dominieren Songs von Lady Gaga wie Bad Romance oder Pokerface. Ein ganz wichtiger Tipp gilt hier aber dem Moderator Markus Othmer. Die Witze über das Versagen von Waldi Hartmann als Telefonjoker bei Wer wird Millionär sind inzwischen komplett totgeritten.

Eine bessere Performance als der Moderator legt dann John Miles mit der Swingperformance von Feeling Good hin. Mr. Music startet den Song mitten im Publikum und schlendert dann im Swingschritt hoch auf die Bühne und übergibt das Zepter direkt wieder an Hiromi. Die Raubkatze, wie sie vom Dirigenten genannt wird, interpretiert die Rhapsody in Blue. Dabei haut sie mit vollem Körpereinsatz in die Tasten, springt hoch, setzt sich wieder, alles mit einer unglaublichen Intensität.

Echte Frauenpower

Zum Abschluss des ersten Teils betritt die unglaublich talentierte Amy Macdonald die Bühne. Die Sängerin mit den großen Augen und dem süßen, absolut unverwechselbaren schottischen Akzent nimmt sofort die komplette Bühne ein und fesselt das Publikum mit ihrer Präsenz. Zuerst rockt sie das Haus mit ihren Hits Mr. Rock'n'Roll und This Is The Life, bevor sie einen Gang zurückschaltet und die Zuschauer mit dem nicht wenigen intensiven Songs Dancing In The Dark und What Happiness Means To Me in die Pause schickt. 

Back To The 80's

Nach der Pause beweisen zuerst die Musiker von Il Novecento ihr komödiantisches Talent. Angeführt vom Percussionspieler Patrick De Smet spielen sie einen Teil aus La Gaza Ladra (Die diebische Elster), der berühmten Oper von Gioachino Rossini. Patrick De Smet bindet geschickt das Publikum mit ein und rennt wie ein Irrwisch durch alle Orchesterreihen.

Als dann Sänger Mark King von Level42 mit seiner bunt schimmernden Gitarre auftritt, kennt die Euphorie keine Grenzen mehr. Jeder in der Halle erkennt sofort das Intro zu Lessons In Love und alle singen oder schreien den Text voller Inbrunst mit. Nicht fehlen darf natürlich auch Running In The Family, die 1980er leben wieder auf. Auch 15 Jahre nach seinem ersten Auftritt bei der Night Of The Proms hat Mark King nichts von seiner Bühnenpräsenz verloren. Mit Bitter Moon und Love Games verabschiedet sich Mark King und Hiromi darf zwei weitere Songs präsentieren.

Die Intensität der Show steigert sich. Wie jedes Jahr performt John Miles seinen Welthit Music, inzwischen die inoffizielle Hymne der Night Of the Proms. Es folgt der letzte Soloauftritt von Orchester und Chor mit dem Gefangenenchor aus der Oper Nabucco von Giuseppe Verdi.

Umjubelt: Morten Harket

Ohne Übergang und Anmoderation erklingen plötzlich drei kurze Töne Da-Da-Dada. Das genügt. Die Fans im Innenraum rasten aus und rasen zur Bühne. Es ist das Intro zu Foot Of The Mountain und da ist er, der große Sänger von A-Ha: Morten Harket. Mit seiner immer noch glasklaren und ausdrucksvollen Stimme beherrscht er den Raum, während der ganze Saal ausflippt.

Mit Stay On These Roads bleibt er erst bei den alten A-Ha Songs, bevor er mit Did I Leave You Behind und There Is A Place zwei eigene, aber nicht weniger tolle Songs anstimmt. Um das Publikum endgültig zu beglücken, performt er dann noch den Klassiker The Sun Always Shines On TV. Zum Abschluss kommen noch einmal alle Stars des Abends auf die Bühne und singen gemeinsam den Beatlesklassiker Hey Jude

Fotostrecken von der Aida Night of the Proms

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