Laura Marling

Laura Marling © Ribbon Music

Sie gehört zu den interessantesten Vertretern der neuen Londoner Folkszene. Wenn man ihre Songs hört, stellt man sich eine alte, erfahrene Veteranin des Musikbusiness vor. Doch Laura Marling ist erst 23 und hat schon das vierte Album „Once I Was An Eagle“ im Kasten. Dieses stellte sie am Mittwoch in intimer Atmosphäre in der Berliner Passionskirche vor.

An einem der ersten trüben, regnerischen und kühlen Herbstabende in Berlin möchte man sich am liebsten mit guter Musik zu Hause verkriechen. Oder man geht in die Kirche. So wie viele Berliner an diesem Mittwochabend.

Die Kreuzberger Passionskirche ist ausverkauft

Doch nicht etwa um zu beten, höchstens um jemanden anzubeten – und zwar die großartige Laura Marling, die an diesem Abend ein intimes Konzert in der ausverkauften Kreuzberger Passionskirche gibt. Drinnen ist es schummrig warm und so voll, als wäre bereits Weihnachten. An der Bar im hinteren Bereich stehen Kerzen und es gibt sogar Bier, doch eigentlich möchte man sich lieber eine heiße Schokolade bestellen.

Irgendwann tritt dann eine junge Frau durch die Tür neben dem Altar, durch die normalerweise Pfarrer und Gefolge kommen. Marika Hackman ist Laura Marlings Supportact an diesem Abend und tritt ähnlich bescheiden auf, wie Marling selbst.

„very polite audience“

Nur mit der Gitarre tritt die Londonerin vor die Gemeinde und trägt ihre ruhigen, melodiösen und melancholischen Folksongs vor. Damit trifft sie genau den Nerv der Zuschauer und es ist muxmäuschenstill. Eine Atmosphäre, von der die meisten Support-Acts nur träumen können.

Freundlich bedankt sich Marika Hackman schließlich bei der „very polite audience“ und räumt das Feld. Doch jeder aus dem Publikum wird bestätigen können: wer Laura Marling mag, sollte sich Marika Hackman und ihr kürzlich erschienenen erstes Album That Iron Taste merken oder am besten sofort anhören.

Die Umbaupause besteht nur darin, dass jemand eine andere Gitarre neben dem Mikrofon platziert und so kann man gerade schnell ein neues Getränk besorgen, eine Zigarette rauchen oder die Toilette besuchen, bevor Laura Marling die „Bühne“ betritt.

Unprätentiös und nachdenklich

Bescheiden, in einen gemütlichen Wollmantel gehüllt und auch sonst völlig unprätentiös eröffnet sie den Abend mit demselben Song wie ihr neuestes Album: Take The Night Off.

Es folgen viele weitere nachdenkliche Balladen, bis Marling erstmals zum Publikum spricht und charmant britisch ankündigt „I have one more sad song, then we get to the pop-hits.“. Mit Pop-Hits meint sie dann ihre älteren bekannteren Stücke wie beispielsweise Ghosts vom ersten Album Alas I Cannot Swim.

Doch alles bleibt weiter vollkommen bescheiden, wird nur mit Gitarre und alleine von Laura Marling intoniert. Alleine hierfür verdient sie Hochachtung. So lässt die unscheinbare, kleine Person manch große Rockshow albern und fast alles anderen künstlich, falsch und alt aussehen.

Das Publikum erliegt dem Charme

Die Zuschauer sind andächtig still. Niemand traut sich auch nur zu Husten. Vielleicht wegen der kirchlichen Atmosphäre, aber wohl noch eher wegen Marlings unberührbarer und dennoch charmanter Ausstrahlung.

Als sie dann schließlich gegen Ende auch noch Townes van Zandt covert, ist ihr das Publikum vollständig erlegen. So ist es auch kein Problem, dass Laura Marling mit ihrem letzten Song ankündigt, dass sie von Zugaben nichts hält und man sich deshalb einfach vorstellen so, dass sie soeben ihren letzten Song gespielt habe und der folgende nun die Zugabe sei.

Danach eine flüchtige Verbeugung und schon verschwindet sie wieder in der Tür im „Backstage Bereich“ der Kirche. Das Publikum verlässt andächtig und verzaubert die Kirche und so geht ein kurzer aber gemütlicher wie großartiger Konzertabend zuende.

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