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Max Prosa © Sandra Ludewig/Beck to music

Max Prosa ist mit seinem zweiten, gerade erst veröffentlichten Album "Rangoon" auf Tour, um es seinen Fans persönlich vorzustellen. Am 4. Mai gastierte der Troubadour im Freiburger Jazzhaus und begeisterte mit seinen außergewöhnlichen Texten nicht nur eingefleischte Fans.

Eigentlich sollte die Tour bereits Ende letzten Jahres im Zuge des Debüts Die Phantasie wird siegen gespielt werden, allerdings scheint der kreative Prozess bei dem jungen Künstler und seinen Bandkollegen auf Hochtouren zu laufen, sodass die Tour kurzerhand auf April verschoben wurde, um das Nachfolgealbum RANGOON gleich mitzupräsentieren.

Trio Schmetterling im Vorprogramm

Bevor das Publikum jedoch in den Hörgenuss von Prosas musikalischer Poesie kommen durfte, hieß es zunächst herauszufinden, wer oder was das Trio Schmetterling ist. Dieses hatte Prosa nämlich als Vorgruppe mit im Gepäck und stellte seine Fans damit vor nicht gerade kleine Herausforderungen.

Das Trio Schmetterling, namentlich Alexander Binder (Bass), Keisuke Matsuno (Gitarre) und Jan Roth (Schlagzeug), eröffnete den Abend mit seiner ganz eigenen Vorstellung davon, was man mit Instrumenten alles anstellen kann. Nicht unberechtigterweise sind die drei Herren daher in der Jazz-Fachpresse recht anerkannt.

Die drei Musiker entziehen sich jeder Genrediskussion. Stattdessen geben sie ihren Kommentar dazu lieber auf der Bühne ab. Nicht in Worten, denn auf Gesang wartet man vergeblich, sondern universeller durch die Sprache der intrumentalen Musik – und diese ist tatsächlich sehr interessant.

Das Freiburger Publikum, das heute aus weitestgehend jungen Bildungsbürgern bestand, war dafür aber teilweise weniger aufgeschlossen. "Die Vorgruppe war übrigens schrecklich", entgegnet mir Sarah, Abiturientin und Konzertbesucherin, auf meine Frage, wie ihr der Abend denn gefallen hat.

Max Prosa elektrifiziert!

Dass auch Max Prosa keine seichte Unterhaltung liefert, sein Publikum zum mitdenken auffordert und vermutlich insgeheim bereits eine geistige Revolution verfolgt, das beweist nicht nur die Wahl seiner Vorgruppe. Wer Max Prosa kennt weiß das.

Anders als auf den Studioeinspielungen, präsentiert er sich mit seiner Band live in einem wesentlich lauteren, will heißen "elektrifizierten" Gewand. Dies tut seinem Image jedoch keinen Abbruch. Im Gegenteil: Die Liveperformance wirkt wesentlich mitreißender, weil die Lebensfreude der Band von der Bühne unvermittelt auch das Publikum unter Strom zu setzen scheint.

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Alles, was Prosa zu bieten hat

Den Einstieg macht Max Prosa mit dem Stück Verlassene Allee, ein Song, der weder auf dem Debüt, noch auf dem aktuellen Album zu finden ist. Danach jedoch wartet er mit allem auf, was die Fans vermutlich zuhause schon in Endlosschleife rauf und runter gehört haben, da sie alle Lieder textsicher mitsingen.

Das ist vermutlich gut, denn die Texte von Songs wie Zauberer, Streunende Hunde oder Verlorene Söhne sind mehr als die übliche Vermittlung von Emotionen à la "I love you, why don’t you love me?"

"Visionen von Marie find ich gut und Flügel heißt des glaub", so nochmals Sarah. Einer meiner Favoriten im Übrigen ist der Song Café Noir – auch dieser ist für heutige Radiopopverhältnisse ungewöhnlich, allein schon durch seine Spieldauer von über sieben Minuten. Musik in guter, alter Folksongmanier.

Prosa erfordert Aufmerksamkeit und bietet Überraschungen

Ohne nun den Vergleich zu anerkannter Literatur ziehen zu wollen – denn Max Prosas Stücke sind und bleiben immer noch Songs – muss man wie bei einem anspruchsvollen Buch dem Konzert sehr aufmerksam folgen.

Das bestätigt mir auch Julian: "Ich kannte Max’ Lieder bis auf wenige Ausnahmen nicht. Bei seinen Texten muss man schon genau hinhören, dass man auch wirklich alles versteht, nicht nur wegen der Lautstärke."

Gut findet er, dass die Band dafür aber live auch sehr viel Abwechslung bietet. "Die Songs beginnen live oft ruhig, steigern sich dann zunehmend, fast wie ein Gewitter, bevor es wieder ruhiger wird und man verschnaufen kann."

Auch für "alte Haudegen" hält Max Prosa noch Überraschungen bereit: Als die ersten Noten des Klassikers Hallelujah von Leonard Cohen angezupft werden ist mein Interesse sofort geweckt. Prosas Coverversion liefert natürlich Text in deutscher Sprache und erinnert an die überaus erfolgreiche Version von Jeff Buckley. Wie dem auch sei – der Junge hat die richtigen Vorbilder.

"Bitte unterstützt auch die Totgesagte Welt"...

...haucht Max Prosa gewohnt lasziv als Ankündigung zu seinem gleichnamigen Song ins Mikrofon, meint damit aber auch die Organisation "Viva con Agua", die sich am Ausgang positioniert hat.

Diese sammelt Pfandbecher als Spenden, um damit die Trinkwasserförderung in Entwicklungsländern zu unterstützen. Somit erhält der Abend nicht nur geistig, sondern besonders auch tatkräftig einen Hauch von Weltverbesserung, was nicht nur Max Prosa für eine gute Idee hält.

Unzählige Male verlassen die Musiker die Bühne, um gleich darauf die Forderungen der Fans nach Zugaben zu erfüllen, bevor der Abend mit Mein Kind dann endgültig beschlossen wird – dem Song, mit dem für Max Prosa vor zwei Jahren alles in der Sendung "Inas Nacht" begonnen hat. 

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