Jan Bang (Pressebild, 2019)

Jan Bang (Pressebild, 2019) © Luca Vitali

Das Enjoy Jazz-Festival stellt auch 2019 unter Beweis, dass es sich als internationales Festival für "Jazz und Anderes" versteht – und auch dem Anderen einen großen Stellenwert einräumt. Wir bieten euch einen Überblick über die Odballs des diesjährigen Programms.

Enjoy Jazz 2019 zeichnet sich erneut durch jede Menge aufregender Konzerte aus, die Grenzen zwischen musikalischen Genres mühelos überschreiten und gleichzeitig mit kreativen Herangehensweisen begeistern.

Mit Jan Bang als "artist in residence"

Das Vokal-Impro-Ensemble Trondheim Voices verfremdet beispielsweise improvisierte Gesangslinien mit dem eigens für sie entwickelten "Maccatrol"-Controller, der Live-Looping oder Pitch-Shifting ermöglicht. Nach dem Auftritt der Trondheim Vocies am 5. Oktober im Karlstorbahnhof Heidelberg präsentiert der norwegische Live-Sampling-Künstler Jan Bang einen Live-Remix des soeben gehörten Konzertes. 

Diese DJ-Kollaboration ist jedoch nur eine von vielen Verpflichtungen von Jan Bang, dem diesjährigen Artist in Residence von Enjoy Jazz. Bei seinem Auftritt mit dem Ensemble Modern ergänzt er den Sound eines experimentellen Jazz-Ensembles mit Live-Sampling und elektronischen Verfremdungen. Das Konzert findet am 6. Oktober ebenfalls im Karlstorbahnhof Heidelberg statt.

Im Rahmen der Dark Star Safari am 28. Oktober in der Alten Feuerwache in Mannheim schafft er gemeinsam mit seinen Mitmusikern nicht zuletzt durch seinen Gesang einen verträumten Sound, der sich zwischen Scott Walker, Talk Talk und David Sylvian bewegt. 

Modern Sounds

Ein Highlight des Enjoy Jazz-Festivals wird sicherlich der Auftritt des Avantgarde-Saxophonisten Colin Stetson am 3. November in der Alten Feuerwache in Mannheim. Stetson beeindruckt nicht nur durch seine zahlreichen Kooperationspartner, darunter Fred Frith, Tom Waits, Laurie Anderson oder Arcade Fire.

Auch sein Spielstil zieht alle Blicke auf sich: Mit einer Mischung aus circular breathing, Gesang und geschickt platzierten Kontaktmikrofonen schafft es Stetson, obwohl "nur" Soloperformer, seinem von Drone und Minimal Music inspiriertem Sound eine beeindruckende Tiefe zu verleihen, die durch seine Bühnenpräsenz nur noch intensiviert wird. 

Hit me with your rhythm stick

Während sich die bisherigen Künstlerinnen und Künstler in melodischeren Gefilden bewegen, steht mit der Live-Aufführung von Steve Reichs Stück "Drumming" am 8. November durch das Ensemble des Nationaltheaters Mannheim der pure Rhythmus im Vordergrund: Die für Reich typischen, minimalen Verschiebungen des Rhythmus werden hier von diversen Percussion-Instrumente und Sängern umgesetzt. 

Auch Sascha Ring alias Apparat legt deutlichen Fokus auf Rhythmus; so war er in den vergangen Jahren nicht umsonst unter dem Namen Moderat gerne gesehener Gast auf den Dancefloors der Welt. Das jüngste Apparat-Album "LP5" mischt four to the floor-Beats mit verträumten Autotune-Vocals und Synth-Lines; unterstützt wird Ring bei seinem Auftritt am 19. Oktober im BASF-Feierabendhaus durch Visuals der Gruppe Transforma.

Ähnlich wie Ring zu Apparat zurückkehrt, hebt auch Kevin Martin – vielen wohl mit seinem Dub-Projekt The Bug ein Begriff – mit seinem Auftritt im Heidelberger Karlstorbahnof sein King Midas Sound-Projekt wieder aus der Versenkung: Statt industriell angehauchten Beats stehen hier jedoch ominöse Soundscapes und Spoken Word-Passagen des Schriftstellers Roger Robinson im Vordergrund.

Enjoy Jazz 2019

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