© Big Machine Records

Es gibt Künstler, die so berühmt sind, dass sie sich gerne mal etwas zu viel herausnehmen. So beispielsweise Taylor Swift und ihr Management mit dem Ticketsystem für ihre anstehende US-Tour. Doch Fans regelrecht abzuzocken ist noch niemandem gut bekommen.

Taylor Swift. Nach einer selbstauferlegten Pause ist die 27 jährige US-Amerikanerin wieder in aller Munde.

Die Sängerin bietet eigentlich immer nur Rekorde und klingelnde Kassen – so stellte sie jüngst mit ihrem aktuellen Video zu ihrem Song „Look What You Made Me Do“ einen neuem Streamingrekord auf. Innerhalb von 24 Stunden nach der Veröffentlichung wurde es von mehr als 35 Millionen Usern abgerufen, bisherige Spitzenreiterin war Adele mit „Hello“ und 27 Millionen Abrufen.

Werde "Fan"

Einen anderen, eher negativen Rekord stellte Taylor Swift (oder ihr Management) jetzt mit den Tickets für ihre anstehende US-Tour auf. Wer die Sängerin live sehen will, muss blechen. Wie der Spiegel Online-Ableger Bento berichtet, haben Swift und der Eventim-Konkurrent Ticketmaster eine Kooperation geschlossen. Das Ziel: Schwarzmarkteindämmung. An sich eine begrüßenswerte Aktion, wenn da nicht das große Aber wäre.

Um „echten“ Fans die Möglichkeit zu geben, Tickets zu Normalpreisen zu bekommen, muss man sich zuerst bei dem „Taylor Swift Tix“ System anmelden. An sich ja kein Problem. Doch um an Karten zu kommen, muss man nun seine Handynummer angeben, um sogenannte „Boosts“ zu bekommen. Diese sollen dafür sorgen, dass man in der digitalen Warteschlange für seine Stadt möglichst weit vorn positioniert wird, um die besten Tickets kaufen zu dürfen. Das erinnert ein wenig an die Apps, bei denen man TV-Werbung schauen muss, um Punkte für Prämien zu sammeln.

Du brauchst "Boosts"

Um zu zeigen, dass man ein echter Taylor Swift-Fan ist, muss man Videos anschauen, sich mit Werbetrucks fotografieren oder Newsletter abonnieren. Auch ein Albumkauf sorgt für „Boosts“. Der Witz: Um mehr Punkte zu bekommen, kann man die neue Platte auf insgesamt 13 (!) Plattformen kaufen. Früher sind die Managements in die Läden gerannt und haben massenhaft CD’s gekauft. Heute sollen das die „Fans“ machen. Chartmanipulation rules!

Die ganze Sache riecht gewaltig nach Ausmelken der Fans. Sie sollen Shirts für 45$ oder Schmuck für 65$ kaufen, um sich eine Chance auf ein Ticket zu ergattern. Das Stichwort ist hier „Chance“. Denn dieses ganze Vorgehen gibt dem „Fan“ keine Garantie, auch wirklich ein Konzertticket kaufen zu können.

Schlangestehen...

Ob man wirklich eine verbesserte Chance für ein Ticket hat, ist fraglich. Der Mehrwert für Swift und ihr Management ist größer. Man kann gezielter Merchandise an den Mann bzw. die Frau bringen. Personalisierte Werbung, und und und. Das gibt Cash!

Gleiches System auch in Europa?

Immer wieder ist ja auch die Rede von einer kommenden Europatour des Shootingstars. Sicher darf man auf Konzerttermine hoffen, aber ob dieses System dann auch in Deutschland Anwendung findet, ist fraglich.

Die Besucher hierzulande sind in dieser Hinsicht deutlich konservativer und hinterfragen manche Aktion mehr als in den Vereinigten Staaten. Fanabzocke hat schon so manchem Künstler das Genick gebrochen. Es bleibt abzuwarten, wie sich das Ganze entwickelt. Zumindest haben sich Taylor Swift und ihr Management durch die Ticketaktion in den USA schon einen kleinen Shitstorm eingehandelt.

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