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Frank Turner © Gregory Nolan

Punk war seine erste Leidenschaft, dann kam der Folk - Frank Turner ist nach dem Ende seiner Punkband "Million Dead" zu einem ambitionierten Songwriter avanciert. In Berlin sprachen wir mit ihm über sein neues Werk "Tape Deck Heart", das er auf seiner aktuellen Tour vorstellt.

regioactive.de: Inwieweit ist der Titel des neue Albums eine Hommage an die altehrwürdige Kassette?

Frank Turner: Ich hatte als Jugendlicher viele Kassetten und machte Mixtapes für meine Freunde, bzw. ließ mir selbst von Freunden Mixtapes zusammenstellen, um neue Musik zu entdecken. Man hätte weniger innovative Musik kennengelernt, wenn es die nicht gegeben hätte. Den ganzen Punkrock, von dem ich beeinflusst wurde, entdeckte ich zum Beispiel größtenteils auf diesem Wege. Jetzt mache ich keine Tapes mehr, besitze aber noch voller Stolz eine Box mit den alten Kassetten von früher.

"Mit weniger Songs den gleichen Effekt erzielen"

regioactive.de: Wann hast du dein erstes Mixtape kreiiert?

Frank Turner: Ich glaube, da war ich etwa 13 oder 14 Jahre alt. Ein Freund von mir hatte sehr reiche Eltern. Wir entschieden gemeinsam, welche Platten wir hören wollten, und nachdem seine Eltern die Platten für uns gekauft hatten, machte ich mir davon eine Kopie.  

regioactive.de: Vermisst du diese Kassettenkultur heute?

Frank Turner: Man kann ja gerne mal nostalgisch sein, aber man sollte nichts zu sehr romantisieren. Was ich aber daran wirklich vermisse ist der Herstellungsprozess. Du musstest dir dafür jeden Song immer genau anhören und abwägen, wie du die Playlist mischst und zusammenstellst. Das macht man zwar auch, wenn man eine Playlist am Rechner erstellt, aber beim Mixtape konnte man im Nachinein keine Änderungen vornehmen.

regioactive.de: Warum ist dein Album "nur" 45 Minuten lang geworden – also genau eine halbe C90-Kassettenlänge?

Frank Turner: Wenn die Songs miteinander gut funktionieren, dann braucht man eine Platte in seiner Länge nicht überstrapazieren. Natürlich hätte ich wie die Beatles auch ein Doppelalbum machen können, um den Titel mit größerer Bedeutung aufzuladen. Aber wenn man mit weniger Songs den gleichen Effekt erzielen kann, dann ist das für mich auch eine Kunst.

"Soundtrack des Lebens"

regioactive.de: Was vermisst du am meisten an deiner Zeit als Punkrock-Musiker?

Frank Turner: Punkrock und Folk haben viele Dinge gemeinsam. Diese Musik prägt eine ganze Gemeinschaft und bildet einen "Soundtrack des Lebens" ab. Aus meiner Punkrock-Zeit vermisse ich zwar einige Dinge, aber ich würde Punkrock heute nicht mehr als Fulltime-Job ausüben. Das hat vor allem mit der Physis zu tun. Früher verausgabte ich mich bei den Konzerten, bis mir die letzte Pore Schweiß aus dem Körper drang – das würde mir auf Dauer heute nicht mehr guttun. Das hängt einerseits mit dem Alter, andererseits mit dem veränderten Musikgeschmack zusammen, den ich im Laufe der Zeit entwickelt habe. Als ich Johnny Cashs American-Recordings zum ersten Mal hörte, spürte ich, dass mich das genauso mitreißen kann wie ein wildes Schlagzeug-oder Gitarrensolo. Die eigene Einstellung sollte man nicht nur am Sound oder der Lautstärke der Musik festmachen. Wenn du jung bist, denkst du sehr plakativ und glaubst, durch den Punkrock alle Emotionen und Gefühle heraubrüllen zu können. Doch wenn man älter wird, merkt man, dass das auch anders funktioniert – es kommt nur darauf an, wie man sich der Welt zeigen möchte.

"Ich möchte Menschen zusammenbringen"

regioactive.de: Zumindest Punkrock impliziert meist eine politischen Aussage. Kann Musik die Welt verändern?

Frank Turner: Musik kann die Welt nicht verändern. Sie ist nur der Soundtrack zu den Ereignissen, denn gesellschaftliche Veränderungen kommen einem Songschreiber meist zuvor. Vielleicht wird meine Musik mit dem Alter auch deshalb immer unpolitischer. Heute möchte ich mit der Musik auf meinen Konzerten lieber Menschen zusammenbringen, die sich aufgrund ihres sozialen Status oder ihrer Interessen vielleicht sonst niemals begegnet wären. Politik dagegen spaltet die Menschen – schon allein dadurch, dass jeder eine andere Meinung davon hat, was gute Politik eigentlich ist. Wenn du aber verschiedene Kulturen zusamenbringst, dann zeigst du, dass jeder Mensch auf diesem Planeten die gleiche Existenzberechtigung hat.

regioactive.de: Du bist letztes Jahr im Rahmen der Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele aufgetreten. Hättest du auch gerne als Sportler teilgenommen?

Frank Turner: Viele glauben, dass das eine große Sache für mich gewesen wäre. In Wahheit denke ich gar nicht oft daran. Ich kannte Danny Boyle, den Regisseur der Show, und als er mich fragte, stimmte ich spontan zu. Ich selbst habe aber eigentlich keine sportlichen Ambitionen.

regioactive.de: Vielen Dank für dieses Interview!

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