Joe Jackson (2015)

Joe Jackson (2015) © KBK

Begleitet nur von seinen alten Gefährten Graham Maby (Bass) und Dave Houghton (Schlagzeug) spielt der Neu-Wahlberliner Joe Jackson ein begeisterndes Konzert in Mainz, bei dem das gelungene neue Album "Rain" im Mittelpunkt stand und die Gitarre mal mehr, doch meist eher weniger fehlte.

Groß war die Freude als Joe Jackson, der sich fast die ganzen 90er in mediokren und prätentiösen Werken mit großem Anspruch und kleinem Anklang verloren hatte, 2002 wieder seine alte Joe Jackson Band reformierte und so ungestüm aufspielte wie seit 1980 nicht mehr. Das Album "Volume 4" spann den Faden weiter, der nach dem 3. Album mit seiner alten Band (Beat Crazy) zugunsten von Ausflügen in jazzigere und schlaupoppigere Ausdrucksformen aufgegeben wurde.

Wieder als Trio

Während der furiosen Konzerte 2002/2003 gelangte Jackson allerdings wieder zu der Erkenntnis, dass Gitarre und Klavier miteinander konkurrierten und der Sound größer wirke, wenn man auf die Gitarre verzichtete. Während erste Einsicht zwangsläufig richtig, die zweite jedoch diskutabel bleibt, traf Jackson die Entscheidung Gitarrist Gary Sanford wieder in die Wüste zu schicken und mit der Rhythmusgruppe seiner alten Band als Trio weiterzuarbeiten.

In dieser Besetzung wurde das neue, sehr gute Album "Rain" eingespielt und auch die Tour zum Album in Angriff genommen, die Joe Jackson jetzt auch nach Mainz in die nahezu ausverkaufte Phoenixhalle führte, wo er den Beweis lieferte, dass eine Besetzung Piano/Bass/Schlagzeug durchaus rocken kann.

Die Gitarre wird nur manchmal vermisst

Nun ist das allerdings spätestens seit Ben Folds Five kein Geheimnis mehr und es wird an einigen Stellen spürbar, so wie bei dem etwas saftlos bleibenden "One more time", dass die Gitarre dem Sound eine Schärfe gegeben hatte, die ohne sie einfach fehlt. Da kann Jackson noch so sehr in die Tasten hauen, ein Klavier ist ein Klavier ist ein Klavier… und eben keine Gitarre.

Da das Set jedoch zentral um die Songs des neuen Albums gestrickt ist, fällt dies mangels Vergleichsmöglichkeit nicht so auf. Hinzu kommt, dass vor allem der Klassiker "Night and day" das Set prägt und man erinnert sich: Auch auf seinem 82er Erfolgsalbum hatte Jackson auf die Mitwirkung von Gitarren verzichtet. Full circle.

Spartanischer Bühnenaufbau

Der Bühnenaufbau besticht durch seine Klarheit. Ein Flügel, ein Drumset sowie ein Hocker und ein Bass auf seinem Stativ. Keine Verstärkerwände oder Monitorboxen, die das Bild stören bzw. an ein normales Rockkonzert erinnern würden. Als Opener spielt Jackson gleich seinen größten Hit: "Stepping out" – zunächst in einer getragenen Version, die jedoch nach der ersten Strophe auf das Originaltempo anzieht.

Eine Bühnen- oder Lichtshow findet so gut wie gar nicht statt, stattdessen 3 engagierte Musiker, die sich Sorgen um den Sound machen ("Sounds pretty weird up here, hope it’s better down there – this place just wasn’t build for music"). Eigenartig – sollte doch eigentlich das in-ear-monitoring-System, das sie verwenden, genau solche Probleme eliminieren. Seine Sorgen sind jedoch unbegründet, der Sound im Parkett ist glasklar und das Publikum von Anfang an mitgerissen.

Unterschiedliche Strömungen

Während er allein den Song Solo vom neuen Album spielt, geht das tragische Motiv des Liedes in die Mimik des Sängers ein, auf einmal wirkt er wie in der Maske des traurigen Clowns auch ohne einen einzigen Strich Schminke. Dieses melodramatische Wesen ist ein nicht unerheblicher Teil seiner Persönlichkeit, den er in diesen Momenten authentisch transportiert.

Gleich im Anschluss daran in dem steelydanesken "The Uptown Train" lächelt er wieder glücklich während er sein Klavierintro zelebriert. Und dann blickt er auf und hat das Gesicht eines kleinen Jungen, der soeben von einer Urerfahrung verzückt wurde. Die Musik schafft es diese unterschiedlichen Ströme seines Wesens zu vereinen.

Begeisterte Reaktionen

Die Zugabe "You can’t get what you want (’til you know what you want)" lässt er nur von der Rhythmusgruppe begleiten um dann effektvoll gegen Ende des Liedes in ein stürmisches Klaviersolo einzusteigen, welches dann in das Intro von Is she really going out with him überleitet und das Publikum von den Sitzen reißt.

Zum Abschluss gibt es dann noch einen weiteren Höhepunkt von "Night and day": "A slow song". Nacheinander verlassen Houghton und Maby die Bühne um einem sichtlich gerührten Joe Jackson die Standing Ovations allein zu überlassen. Im Foyer nach Ende des Auftritts nur begeisterte Stimmen voll des Lobes für diesen in der Tat gelungen Konzertabend.

Setliste: Stepping out – Another world – Too tough – Citizen Sane – Cancer – Wasted time – Stranger than fiction – On your radio – Solo/So low (solo!) – The uptown train – Chinatown – King pleasure time – It’s different for girls – Good bad boy – One more time – Blaze of glory – Don’t get around much anymore (Duke Ellington) – You can’t get what you want till you know what you want – Is she really going out with him – A slow song

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