Lionel Richie (SAP Arena 2007)
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Lionel Richie (SAP Arena 2007) Photos: Jonathan Kloß © regioactive.de

Lionel Richie, seines Zeichens einer der erfolgreichsten, vor allem noch lebenden, Soulveteranen und Motownlegende, aber auch als Softie und glatter Schmusesänger verspottet. Sprich, man liebt oder hasst ihn.

Lionel Richie war der treibende Part der Motown-Legenden the Commodores, schrieb einen Nr. 1 Hit nach dem anderen und hält sich nun schon seit fast 30 Jahren erfolgreich auf internationalen Bühnen auf. Er hatte zwar nie eine solche Bedeutung wie James Brown, Marvin Gaye oder Stevie Wonder, aber wie groß die Wertschätzung seiner Musik innerhalb der Branche jedoch ist, zeigen etliche Coverversionen. Unvergessen das Faith No More-Cover von I’m Easy, oder die Zusammenarbeit mit Musikern wie Wyclef Jean, Diana Ross oder Jermaine Dupri. Ebenso sein Anteil an We are the World dem Charity-Hit schlechthin.

Eine Kostprobe seines riesigen Songsortiments präsentierte der mittlerweile 57-jährige am Montagabend in der ausverkauften Mannheimer SAP-Arena. Als Support für die gesamte Deutschlandtournee hat er niemand geringeres als die Mannheimer Königwerq ausgesucht. Es gibt sicherlich leichtere Aufgaben als diese.

Wie schafft man es, das Publikum mit deutschem Pop-Rock für sich zu begeistern, wenn anschließend ein Weltstar des Soul, Funk und R’n’B die Bühne betritt? Äußerst gelungen muss man sagen. Sie verzichteten darauf, sich unnötig zu profilieren, sondern brachten als Argumente eine clever gewählte Auswahl ihres musikalischen Repertoires, von Südsee über was wäre wenn bis hin zu alle Zeit der Welt, sie spielten Songs ihrer alten als auch ihrer demnächst erscheinenden LP. Mit dieser Leistung war das Publikum schnell überzeugt und wurde warm für die anschließende Lionel Richie-Show.

Nach einem kleinen Intro, das passend zu seinem neuen Album Coming Home ausgelegt war, betrat er stürmisch die Bühne. Und stürmisch war auch die Show. Er hielt sich nicht mit langen Pausen auf, sondern spielte direkt Hit auf Hit. Gedanken darüber, ob er diese zu schnell verpulvern könnte, stellt sich bei der Auswahl, die sich ihm bietet sicher nicht. Keep it rollin’ war das Motto, das er immer wieder verlautbarte. Die Angst, er würde nur neue Sachen spielen und die gute alte Zeit vernachlässigen, bestätigte sich zu meiner Freude also nicht. Highlights waren I’m Easy, Dancing On The Ceiling, Say You, Say Me und natürlich das vom Publikum lautstark geforderte Three Times A Lady.

Während der ganzen Show wurde man Zeuge des außerordentlichen Entertainertalents des erfolgreichsten Motownkünstlers der 70er Jahre. Mit viel Humor und Gefühl für das Publikum begeisterte er, nahm sich dabei auch nicht zu ernst und parodierte bei der Performance seiner Balladen sein Schmusesängerimage. Das Publikum zahlte es ihm mit ungebremster Begeisterung und ausgesprochener Tanzfreude.

Seine nächste Single All Around The World, feierte es sogar so sehr, dass er sie gleich noch mal spielte. Bemerkenswert war, dass er auf eine pompöse Show zugunsten der Musik und der Band verzichtete. Aus dieser stach vor allem der Allroundkünstler der Band, durch seinen weisroten Ringelpulli, Schlapphut und Glatze Freddy Kruger ähnelnd, mit seinen Performances an Gitarre, Saxophon, Klarinette oder auch mal an der Mundharmonika heraus.

Das absolute Highlight war die Performance der alten Dancehits der Commodres, bei der er und vor allem die Band zu absoluter Höchstleistung aufliefen und dies mit meinem persönlichen Favoriten Brick House krönten.

Nach zweieinhalb Stunden Show ohne Pause und einigen Zugaben, fand der Abend passender Weise mit All Night Long sein Ende. Jegliche Zweifel an der musikalischen Credibilität wurden zerstreut. Vielmehr wurde man Zeuge eines echten Vollblutmusikers, der immer noch liebt, was er tut und auch sichtlich dankbar ist, dies auf der Bühne vor so vielen begeisterten Fans zu zeigen.

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