An Nikolaus konnte man den strukturierten Wahnsinn der Battles im Bett in Frankfurt live erleben.

An Nikolaus konnte man den strukturierten Wahnsinn der Battles im Bett in Frankfurt live erleben. © Battles

Bis zu ihrem Debütalbum veröffentlichten die Battles eine ganze Reihe EPs, die 2006 unter dem Titel "EP C/B EP" zusammen re-released wurden. Die Musik lässt sich bis dato ganz gut analog zum Plattentitel darstellen. Rhythmus, Samples und Themen werden aus Bausteinen zusammengesetzt, kulminieren im Zentrum zur Summe, um dann zum Ende hin wieder in ihre Elemente zerlegt zu werden. An Nikolaus konnte man den strukturierten Wahnsinn im Bett in Frankfurt live erleben.

{image}2007 erschien das Album Mirrored, auf dem erstmals zaghafte, wenn auch vesampelte Vocals zu hören waren. Der Spiegel im Titel und auf dem Cover wird zum Kaleidoskop, wenn die Songs immer wieder in ihre Einzelteile zerfallen, die sich leicht verzerrt zu einem neuen Bild zusammensetzen. 2010 verlässt Tyondai Braxton, der für die Vocals auf Mirrored zuständig war, die Band und aus dem Quartett wird ein Trio. Dennoch erscheint ein knappes Jahr später Gloss Drop und anstelle von Braxton übernehmen illustre Gäste wie Gary Newman, Matias Aguayo und Kazu Makino den Part am Mikrophon. Natürlich konnte man auf der Tour nicht erwarten, sämtliche Gastmusiker auf der Bühne begrüßen zu dürfen. Dennoch war man gespannt, wie elegant die Sängerfrage gelöst werden würde.

{image}Zentral beim Bühnenaufbau steht das Drumset von John Stanier, Ex-Helmet-Drummer und quasi Schlagzeug-Gott. Wie immer, wenn er mit den Battles spielt, hängt das Becken voll ausgefahren in knappen zwei Meter Höhe. Links von ihm steht Ian Williams zwischen einem Sampler und zwei Keyboards, die im 45-Grad-Winkel nach hinten gekippt sind, hat eine Gitarre um und einen Schnauzer im Gesicht, mit dem er wie einer der Daltons aussieht. Rechts von Stanier hat Dave Konopka tonnenweise Pedale, Racks, Gitarren und Bässe miteinander verkabelt und wird zur Schnittstelle einer Symbiose aus digital-analogem Sampler und Mensch.

{image}Was die Drei fabrizieren gleicht den Songs auf den Alben teilweise bis aufs Haar, manchmal lassen aber auch nur einzelne Schnipsel in dem Dickicht an Sounds darauf schließen, an welchem Stück Konopka und Williams gerade rumfrickeln. Lediglich Stanier sitzt da und prügelt mit einer metronomhaften Konstanz auf sein Schlagzeug ein, als wäre das das Einzige, was die Realität noch zusammenhält. Er sorgt für das Gerüst, Williams liefert die Sounds und Konopka versampelt seine Gitarren durch tausend Effekte zu den Battles-typischen repetitiven Loops.

{image}Die Tracklist geht einmal durch das Oeuvre der Band, wobei die Songs von Mirrored etwas lieblos daherkommen, da zum Beispiel die Breaks in Atlas oder Tonto nicht in ihrer ganzen Brillanz zelebriert werden. Die Tracks von Gloss Drop dagegen sind elaboriert, bei den Vocals zu Ice Cream, My Machines und Sweetie & Shag erscheint der Sänger dazu via zwei LED-Leinwänden auf der Bühne und man darf sich über Gary Newmans herrlich herablassenden Blick freuen.

Nach einem beinahe zweistündigen Konzert und sämtlichen "Hits", sofern man bei den Battles davon sprechen kann, endet die Show mit Sundome, passenderweise auch dem letzten Track des Albums. Dass es sich bei der Band um drei geniale Musiker handelt, steht außer Frage, und dass sie ihre Genialität auch live überzeugend rüberbringen können, haben die Battles an diesem Abend erneut eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

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