Black Country Communion

Black Country Communion

Wenn hochkarätige Rockstars sich zusammentun, um eine "Supergroup" zu gründen, gibt es zumeist zwei Optionen. Entweder wollen in die Tage gekommene Rockstars mit mittelmäßigen Songs an den Erfolg vergangener Tage anknüpfen, um die Altersvorsorge zu sichern. Oder die Lust am Spielen treibt eine Handvoll wirklich talentierter und alles andere als in die Tage gekommener Rocklegenden zusammen, um eine musikalische Fusion der Superlative zu begründen.

{image}Zu welcher Gruppe Black Country Communion gehört, konnte man in der Freilichtbühne auf dem Stuttgarter Killesberg am eigenen Leib erfahren. Nachdem das Konzert zunächst kurzfristig aufgrund einer Erkrankung des Sängers und Bassisten Glenn Hughes um knapp zwei Wochen verschoben wurde, durfte sich das Stuttgarter Publikum auf den Nachholtermin bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen in der Openair-Location freuen. Das knapp 4.500 Menschen fassende Amphitheater war jedoch nicht ansatzweise gefüllt. Ob es an den recht hohen Ticketpreisen oder der kurzfristigen Terminänderung lag – darüber lässt sich nur spekulieren. Fakt ist, dass BCC, deren Musikstil vom Geiste des traditionellen 70er-Jahre Hardrocks geprägt ist, auf ihrer Tour nachhaltig beweisen, dass Classic Rock sein Haltbarkeitsdatum noch lange nicht überschritten hat.

Die Geburt des Megaquartetts liegt noch nicht allzu lange zurück. Glenn Hughes, seines Zeichens ehemaliger Sänger und Bassist bei Black Sabbath und Deep Purple, und Joe Bonamassa, einer der momentan erfolgreichsten Bluesrock-Gitarristen der Welt, jammten 2009 gemeinsam im House of Blues in L.A.. Das Duo holte sich Drummer Jason Bonham (UFO, Foreigner) und Keyboarder Derek Sherinian (Billy Idol, Dream Theater) an Bord. Zwei Studioalben haben die Jungs bis dato ausgekoppelt. Grund genug, das Material bei einer ausgedehnten Europa-Tour an den Mann zu bringen.

{image}Pünktlich wie die Maurer legten Black Country Communion dann auf der Freilichtbühne los. Statt eines Vorprogramms prasselt Richard Wagners opulenter Ritt der Walküren aus den Boxen auf die Menge nieder, woraufhin das Quartett die Bühne entert. Glenn Hughes, mit blauem Samtsakko bekleidet, fegte mit seinem Viersaiter wie ein Derwisch über die Bretter, als die ersten Takte von Black Country erklangen, die Großes verheißen ließen. Joe Bonamassa, sportlich mit Basecap und Sonnenbrille, inszenierte sich in lässiger Zurückhaltung und ließ seine Gitarre zu Hughes kratzendem Gesang kreischen. Jason Bonham schwang dazu die Stöcke wie ein Berserker, Sherinian ergänzt die Arrangements mit einem Korg-Keyboard, das mit Hammond-Sounds den nötigen Groove produziert. Schnell wurde klar: Diese Truppe hat große Lust zu rocken.

Ein prall gefülltes Programm erwartete die Gäste, deren Durchschnittsalter in den 40ern und 50ern lag. Zwar wurden BCC mit Jubel und tosendem Applaus belohnt, die Stimmung hätte jedoch für eine Musikveranstaltung dieser Güte deutlich ausgelassener ausfallen müssen. Hits wie The Outsider, Beggarman oder Man in the Middle wurden von der Bühne Richtung Publikum geschrubbt, das sich leider nur mäßig mitbewegte, insgesamt stellte die Setlist eine ausbalancierte Mischung beider Auskopplungen dar. Bonamassa entlockte seiner Klampfe knackige Soli und stellte – ob an der Flying V oder einer Doppelhälsigen – sein Ausnahmetalent ausgiebig unter Beweis. Als er für The Ballad of John Henry sogar ein Theremin zückte und damit psychdelische Klangeffekte erzeugte, flippte das Publikum dann doch ein bisschen aus und feierte den heimlichen Star des Abends gebührend.

{image}Glenn Hughes, der mit seinen 58 Jahren stimmlich noch ganz weit oben mitspielt, wurde für einige Nummern von Bonamassa abgelöst, der dank einer gefühlvollen und cleanen Stimme für abwechlungsreiche Gesangparts sorgte. Hier spiegelte sich der bluesige Einfluss des US-amerikanischen Musikers wider, der bereits als Zwölfjähriger mit B.B. King auftrat. Im Anschluss an das Uptempo-Stück I can see your Spirit ließ sich Schlagzeuger Bonham nicht lumpen und trommelte ein kurzes und beeindruckendes Solo, mit dem er einmal mehr verdeutlichte, dass er sich in den großen Fußspuren seines verstorbenen Vaters (Led Zeppelin-Drummer John Bonham) nicht nur ausruht, sondern diese mit seiner druckvoll-wuchtigen Spielart gänzlich ausfüllen kann.

Der Gute-Laune-Rocker Sista Jane markierte das vorläufige Ende des Sets. Doch für zwei Zugaben kehrten die Jungs dann noch einmal auf die Bühne zurück, um mit dem Deep Purple-Klassiker Burn den Gästen das Letzte abzuverlangen. Zum ersten Mal an diesem Abend sang die Menge ausgiebig mit und siehe da, der eine oder andere betagtere Rockfan hatte plötzlich seine Hände nicht mehr unter Kontrolle und gab sich ausgelassenem Luftgitarrenspiel hin.

Black Country Communion boten eine rundum gelungene Show. Mit sichtlich erkennbarer Spielfreude und Leidenschaft lieferten sie in ihrem zweistündigen (!) Set einen soliden Kompromiss zwischen Traditionsbewusstsein und modernem Rock und überzeugten damit auf ganzer Linie. Bleibt nur zu hoffen, dass BCC auch in Zukunft trotz überquellender Terminkalender die Zeit für weitere Live-Gigs finden.

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