Es ist das letzte Konzert der Jazzopen 2026 in Stuttgart. Bevor das Festival erstmals weiterzieht und im italienischen Modena fortgesetzt wird, verwandelt Moby den Ehrenhof vor dem Stuttgarter Schloss noch einmal in eine einzige große Tanzfläche.

Moby ist vieles: Sänger, DJ, Musikproduzent, Gitarrist, Nachfolger des "Moby Dick"-Autors Herman Melville und – wie seine markanten Tattoos an Hals und Armen verraten – veganer Tierrecht-Aktivist.

Als letzter Headliner der diesjährigen Stuttgarter Jazzopen sorgt er nicht nur dafür, dass es in Baden-Württembergs Landeshauptstadt einen Abend lang keine Butterbrezeln gibt, sondern auch für jede Menge gute Stimmung und einen gebührenden Abschluss des mehrtägigen Festivals.

Grenzgänger

Noch ein letztes Mal füllt sich der Stuttgarter Ehrenhof vor der großen Jazzopen-Hauptbühne. Insgesamt 7000 Musikfans haben sich heute angekündigt, um Moby live zu erleben. 

In eine Schublade einordnen, lässt sich der US-amerikanische Künstler nur ungern. Liegen seine Wurzeln in der Hardcore-Punk-Szene Connecticuts, zieht es ihn nach einem abgebrochenen Studium nach New York. Dort nimmt sein Weg als DJ seinen Lauf, der ihn nun auch nach Stuttgart führt.

Bevor Moby jedoch die Bühne betritt, sorgen gleich zwei Voracts für Programm. Den Anfang macht dabei Julian Maier-Hauff, der ganz ähnlich wie Moby eine Vorliebe dafür hat, mit verschiedenen Klängen zu experimentieren und auf der Bühne frei improvisiert. Elektrische Sounds werden dabei ergänzt durch verschiedene Instrumente wie die Querflöte oder Trompete. 

Als nächstes folgt die Waliserin Polly Louise Mackey, die unter dem Namen Art School Girlfriend auftritt und wie Maier-Hauff und Moby auch als Produzentin tätig ist. Hier begegnet dem Publikum ebenfalls elektronische Musik, wobei die Künstlerin auch gerne mal einen Ausflug ins Shoegaze-Genre unternimmt.

Ab Minute eins voll am Start

Als Moby schließlich auf der Bühne auftaucht, ist das Publikum bereits so weit aufgewärmt, dass es direkt voller Energie in den ersten Song "Bodyrock" startet. Schon in den ersten paar Minuten des Sets wird gehüpft und im Rhythmus geklatscht. Moby selbst zieht derweil an der Gitarre seine Kreise auf der Bühne und bedankt sich anschließend überschwänglich bei seinem Publikum: "Danke, danke, danke, thank you, thank you, thank you."

Derartige Dankesschwalle werden noch einige folgen. Auch sonst zeigt sich Moby den Abend über dem Publikum sehr zugewandt und gesprächig. Mit "Go" kündigt er als nächstes den ersten Song an, den er je im Rahmen seines Soloprojekts released hat – "ganz in der Nähe von hier übrigens", wie er ergänzt. 

Moby wechselt nun von der Gitarre an Percussion und Keys. Irgendwie gelingt es ihm zwischendurch dennoch genug Hände frei zu haben, um das Publikum anzufeuern und daraufhin mit mehreren nach oben schnellenden Armen belohnt zu werden. 

Als es dann kurz darauf im Song "Next is the E" heißt "Nobody listens to Techno anymore", widerspricht das Publikum mit wippenden Köpfen und sich hin und her bewegenden Körpern.

Das nimmt sich Moby anschließend zum Anlass, um noch einmal auf die Genrefrage zurückzukehren und offenbart den Gästen, dass sein musikalischer Lebensweg ursprünglich einmal an der Jazzgitarre begonnen hatte – damals mit neun. Das ist zwar schon eine ganze Weile lang her, dennoch macht er sich gut auf dem Jazzfestival.

Starke Zusammensetzung 

Unterstützung erhält Moby dabei an diesem Abend durch die Sängerinnen Nadia Duggin und India Carney, Bassist und Musical Director Jonathan Nesvadba, William Beam III am Schlagzeug, Andrea Whitt an der Viola und Maya Paredes an einem futuristisch anmutendem Cello. 

Gerade Songs wie "In This World" und "In My Heart", die Nadia Duggin zum Besten gibt, sorgen für besonders große Begeisterung seitens des Publikums. Aber auch sonst kommt das Set gut an. Kein Wunder, schließlich hat Moby auch "den besten Song, der je geschrieben wurde" mit im Gepäck. Als dann kurze Zeit später ein Cover von David Bowies "Heroes" über den Stuttgarter Schlossplatz hallt, lassen dessen Besucher*innen nicht lange auf sich warten und stimmen mit ein. Vielleicht also, ist an Mobys Theorie tatsächlich etwas dran.

Alles in Bewegung

Bevor Moby dann zu den besonders energetischen Songs aus seinem Repertoire übergeht, verlässt er erst noch einmal die Bühne. Es ertönt der Song "Memory Gospel", dazu läuft ein Video, das die im letzten Jahr verstorbene britische Verhaltensforscherin und Tierschützerin Jane Goodall zeigt. Goodall richtet sich mit ein paar Worten an Moby und das Publikum. Es ist ein Appell für den Einsatz für Tierrechte und eine Ermutigung zur pflanzenbasierte Ernährung, auf den das Publikum mit viel Zuspruch reagiert. 

Nach diesem etwas andächtigeren Moment folgen Songs wie "Raining Again", "Disco Lies" und "Extreme Ways Armin", die schließlich auch die hinterste Reihe auf der Tribüne in Bewegung versetzen. Statt gesessen wird gehüpft, mit den Armen gewunken und mindestens ein wenig geschunkelt. Still hält jetzt niemand mehr. Auch Moby ist lange noch nicht müde, läuft immer wieder hüpfend von einer Bühnenseite zur anderen und heizt das Publikum an. 

Rührender Abschluss

In diesem Teil des Abends folgt nun auch "Flower / Find My Baby", der sich als einer der Songs entpuppt, auf die sich Moby selbst am meisten zu freuen scheint. "Das ist der einzige Song, bei dem mich meine Band ein Gitarrensolo spielen lässt", erklärt er, "da kann ich so tun, als sei ich ein wirklicher Rockstar". Das Publikum versteht sofort und feuert Moby extra ein bisschen mehr mit an.

"Natural Blues" wird dann der letzte Song vor der Zugabe. Hier beweisen sich die Besucher*innen als besonders textsicher und singen unaufgefordert von Anfang an mit. Moby zeigt sich danach sichtlich gerührt. "Ich würde gerade sehr gerne zu euch herunterkommen und euch umarmen", verkündet der Künstler. Leider habe er vergessen, sich dafür eine Treppe von der Bühne zu wünschen. "Ich habe mal wieder versagt", scherzt er und versendet dann stattdessen einen "virtual hug" an seine Fans. 

Die Zugabe selbst startet dann mit einem der ganz großen Moby-Songs "Porcelain". "Wenn ihr den Song mögt, dann haltet euer Smartphone mit eingeschalteter Taschenlampe nach oben", versucht es Moby jetzt noch einmal mit dem Wünschen und fügt dann hinzu: "Wenn ihr es nicht mögt, spielt Angry Birds oder so."

Das Publikum scheint dem Song jedoch sehr zugetan. Darauf deuten nicht nur die vielen nun auftauchenden Lichter, sondern auch das Raunen hin, das sich über die ersten paar Takte von "Porcelain" legt.

Auf den Fanliebling folgen die ebenfalls glücklich entgegen genommenen Songs "Lift me up" und "Feeling so real". Letzterer stellt laut Moby eine Ode an die deutsche Techno-Kultur dar. Seit 1995 steht dem Song nun bereits der letzte Slot einer jeden Moby-Setlist zu. Das sei Tradition.

Überraschende Zugabe

Der allerletzte Song bleibt "Feeling so real" an diesem Abend jedoch nicht. Denn nachdem der Song unter tosendem Applaus und Standing Ovations endet und Moby nach einem kaum enden wollenden "Danke, danke, danke, danke, thank you, thank you, thank you, thank you..." die Bühne verlässt, erscheint kurze Zeit später überraschend ein geheimnisvolles Trio auf der Bühne. 

Die mysteriösen Gäste stellen sich schnell als begabte Tenöre heraus, die ebenfalls noch eine Ode im Petto haben. Kaum beginnen sie zu singen, hält das Publikum noch einmal Inne. Es folgt eine besonders imposante Version von "An die Freude", die noch einmal daran erinnert, wie wichtig es ist, für Gleichberechtigung einzustehen.

Ein schönes und passendes Ende für einen Abend mit Moby. Das Publikum verlässt das Gelände anschließend nur langsam und sichtbar sehr zufrieden. Der Abschluss ist den Jazzopen in Stuttgart wirklich sehr gelungen.

Setlist

Bodyrock // Go // Next Is The E // In this World // In my heart // Heroes // We are all made of stars // Jane Godall memory gospel // Why does my heart // Raining again // Disco Lies // Flower/ Find my baby // Honey // Extreme ways Armin // Natural blues // Zugabe: Porcelain // Lift me up // Feeling so real