Mit einer nahezu perfekten Show, der der zeitweilige Regen nichts anhaben konnte euphorisierten Iron Maiden ihre Fans in Hannover. Die Metal-Heroen stellten eindrucksvoll unter Beweis, warum sie seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Bands des Genres gehören.

Sie haben gerufen, und mehr als 40.000 Fans kamen: Iron Maiden spielten am Mittwochabend im Rahmen ihrer "Run For Your Lives-Welttournee in Hannover ihr einziges Deutschland-Konzert außerhalb der Festivalauftritte bei Rock am Ring und Rock im Park. Das Heinz-von-Heiden-Stadion war dabei nahezu ausverkauft.

Sorgenkinder: Wetter und Verkehr

Vor dem Konzert gab es vor allem zwei große Sorgen: das Wetter und das für Hannover beinahe schon übliche Verkehrschaos. Zumindest das Wetter spielte über weite Strecken mit. Der erste Schauer zog bereits kurz nach Beginn des Einlasses über das Stadion.

Viele Besucher hielten sich zu diesem Zeitpunkt noch in "Eddie’s Dive Bar" auf – einem Pop-up-Biergarten des Iron-Maiden-Fanclubs. Richtig nass wurde es erst während der letzten halben Stunde der Show. Da hatten die 40.000 Zuschauer aber längst genug Rockmusik intus, um sich davon nicht mehr stören zu lassen.

Schlechter Sound beeinträchtigt Megadeth

Eröffnet wurde der Konzertabend von Thrash-Metal-Legende Megadeth. Für viele Fans war der Auftritt von Dave Mustaine (64) und seiner Band ein zusätzlicher Grund für den Besuch. Allerdings machte die Akustik den US-Amerikanern einen Strich durch die Rechnung. Vieles ging in einem Soundbrei unter, Gitarren und Schlagzeug überlagerten sich häufig.

Die technisch anspruchsvollen Songs wirkten dadurch über weite Strecken unpräzise und verloren an Wucht. Mustaine selbst war zwar engagiert, seine Ansagen gingen jedoch teilweise im Klangchaos unter. Nach rund 45 Minuten endete der Auftritt, der hinter den Erwartungen vieler Zuschauer zurückblieb.

Ein wahres Metal-Fest

Lange warten mussten die Fans danach nicht. Ein Intro auf der LED-Leinwand, ein lauter Knall – und Iron Maiden waren da. Im Gepäck hatten die Briten ausschließlich Songs aus den Achtzigern und frühen Neunzigern bis einschließlich "Fear of the Dark". Kurz gesagt: ein Best-of-Programm, das kaum Wünsche offenließ.

Und was soll man sagen? Es wurde ein Fest. Die Band wirkte einerseits hochprofessionell und eingespielt, andererseits keineswegs routiniert oder gelangweilt. Gitarrist Janick Gers (69) tobte über die Bühne, Bruce Dickinson (68) schlüpfte immer wieder in die Rollen der Songfiguren und Bandgründer Steve Harris (70) suchte ständig die Nähe zum Publikum.

Erinnerungswürdige Konzertmomente

Kein Halten gab es bei den großen Klassikern. Ob "The Number of the Beast", "2 Minutes to Midnight" oder "Run to the Hills" – das gesamte Stadion sang mit. Selbst auf den Rängen hielt es viele Besucher nicht mehr auf den Sitzen. Überall reckten sich Pommesgabeln in die Höhe. Als bei "Run to the Hills" 40.000 Menschen den Refrain mitsangen, entstand einer dieser besonderen Konzertmomente, die lange in Erinnerung bleiben.

Besonders beeindruckend: Alle Musiker gehen mittlerweile stramm auf die 70 zu oder haben diese Marke bereits erreicht. Auf der Bühne war davon nichts zu spüren. Mit einer Energie und Spielfreude, die viele deutlich jüngere Bands alt aussehen lässt, lieferten Iron Maiden eine Show der Extraklasse.

Nach dem Konzert ist Geduld gefragt

Als hätte es der Himmel geahnt, setzte kurz nach dem Epos "Rime of the Ancient Mariner" der Regen ein. Thematisch hätte das kaum besser passen können.

Nach gut zwei Stunden war die Show vorbei – und für viele Besucher begann das Warten. Bereits rund 30 Minuten vor Konzertende hatten zahlreiche Getränkestände im Innenraum den Verkauf und die Rücknahme der Becher eingestellt.

Besucher wurden auf einen einzelnen Stand außerhalb des Innenraums verwiesen. Die Folge: lange Schlangen und viel Unmut. "Ich vermute, dass das Kalkül hat. Denn nicht zurückgegebene Becher bedeuten ja auch mehr Einnahmen", kritisierte Besucherin Stefanie aus Hannover.

Eindrucksvoll abgeliefert

Auch vor dem Stadion wurde Geduld benötigt. Während sich die Massen zu den überfüllten Straßenbahnen drängten, mussten Autofahrer teilweise bis zu 45 Minuten warten, um die Parkplätze verlassen zu können.

Abgesehen davon bleibt ein Abend, über den viele Besucher noch lange sprechen werden. Iron Maiden bewiesen eindrucksvoll, warum sie seit Jahrzehnten zur absoluten Weltspitze des Metal gehören. Den Briten muss längst niemand mehr etwas beweisen – sie tun es trotzdem.