Wenn Iron Maiden ein Konzert mit drei Songs vom "Killers"-Album beginnen – gefolgt von "Phantom Of The Opera" – ist eines sofort klar: Hier wird nicht bloß in Nostalgie geschwelgt, sondern eine Band feiert mit Wucht ihre rohe, düstere und kompromisslose Frühphase.
Auf der "Run For Your Lives"-Tour, mit der die eisernen Jungfrauen ihr 50-jähriges Bandjubiläum zelebrieren, ergibt das auch absolut Sinn. Wie illuster ihre Geschichte ist, zeigt sich allein schon daran, dass sich rund 50.000 bestens gelaunte Fans zum ersten von zwei Abenden im Frankfurter Deutsche Bank Park eingefunden haben, um diesen 'runden Geburtstag' gebührend zu feiern.
Zurück zu den rohen Wurzeln
Bruce Dickinson kehrt zu Beginn der fulminanten Show mit voller Inbrunst zu Songs zurück, die ursprünglich noch von seinem Vorgänger Paul Di’Anno eingesungen wurden, und macht sie sich mit stimmlicher Wucht und Charisma vollends zu eigen. Die Gitarren duellieren sich wie zu den Hochzeiten der Band, aus deren Frühphase auch die komplette Setlist stammt.
Neuzugang Simon Dawson, sonst bei Steve Harris’ Zweitband British Lion aktiv, sorgt als "britischer Löwe" hinter der Schießbude für ordentlich Druck. Die jubelnde Menge im Waldstadion tut ihr Übriges, um diesen leicht verregneten Sommerabend in einen magischen zu verwandeln.
Ein groß inszeniertes Jubiläum
Bei einer Show dieser Größenordnung und historischen Strahlkraft lassen sich Iron Maiden selbstverständlich auch beim Spektakel nicht lumpen. Bruce Dickinson thront nicht nur stimmlich über dem brachialen Fundament seiner fünf Mitstreiter, sondern gibt sich auch als wandelbarer Theatermann.
Immer wieder schlüpft er in thematisch passende Kostüme, die die Songs visuell untermalen. Auf der riesigen Videowand hinter der wuchtigen Bühne laufen dazu stimmungsvolle Animationen, die den Frontmann teils direkt ins Geschehen einbinden, und der Show das Flair einer rundum stimmigen, metallischen Multimedia-Inszenierung verleihen.
Harte Hits am Fließband
Im Verlauf des Abends arbeiten sich die eisernen Jungfrauen durch ein Best-of ihrer legendären Songs aus den 1980ern. Nach dem beinahe rotzig-punkigen Auftakt aus der Di’Anno-Ära rückt zunehmend das Schaffen mit Stammsänger Bruce Dickinson in den Fokus – und hier machen Iron Maiden keine Gefangenen.
Ohne Umschweife feuern sie eine Hit-Serie ab, die von "The Number Of The Beast" über "2 Minutes To Midnight", "Run To The Hills" und "The Trooper" bis hin zu epischen Longtracks wie "Rime Of The Ancient Mariner", "Seventh Son Of A Seventh Son" und "Hallowed Be Thy Name" reicht.
Fulminante Frischzellenkur
So entsteht ein rundes Jubiläumskonzept, das weder der brillant aufgelegten Band noch dem euphorischen Publikum im an diesem Abend überdachten Deutsche Bank Park nennenswerte Verschnaufpausen gönnt. Die werden bei der brillanten Performance aber auch gar nicht vermisst.
Wer bei einem solchen Konzert erschöpft ist, war vermutlich ohnehin fehl am Platz. Denn Iron Maiden, trotz ihres inzwischen gesetzten Alters, zeigen sich kraftvoll wie eh und je. Auch Bruce Dickinson wirkt stimmlich deutlich frischer als noch beim Auftritt auf dem Zeltfestival Rhein-Neckar in Mannheim im Vorjahr.
Takt(geber)ische Meisterleistung
Generell fühlt sich der Auftritt in Frankfurt wie eine Zeitreise in aus heutiger Sicht ruhigere und unbeschwertere Jahre an. Band und Publikum scheinen für die Dauer des Konzerts gemeinsam in einen Jungbrunnen gefallen zu sein. Anders lassen sich weder die Spielfreude von Iron Maiden noch die euphorischen Reaktionen im Rund des Stadions erklären.
So schmerzlich Nicko McBrains Rückzug nach seinem Schlaganfall auch ist: Der Einstand von Simon Dawson bringt frischen Wind in die Band. Dickinson verglich ihn nicht umsonst im Vorfeld der Tour bereits mit Clive Burr, dem Drummer der ersten Maiden-Alben – und genau so klingt es auch.
Nicht totzukriegende britische Ikonen
Natürlich ist diese Show Fanservice, aber vom Feinsten. Die eisernen Jungfrauen wissen genau, was ihr Publikum hören will, und liefern es zum Jubiläum mit ungebremster Energie. Dass sie selbst dabei sichtbar Spaß haben, ist in jeder Sekunde spürbar. An Rückzug denkt hier niemand. Nach dem finalen Dreier aus "Aces High", "Fear Of The Dark" und "Wasted Years" verabschiedet sich Bruce Dickinson mit den Worten: "Just like James Bond, we will return."
Gut so, denn Iron Maiden sind auch nach fünf Jahrzehnten noch eine der wenigen wirklich generationenübergreifenden Kräfte im Musikgeschäft und sorgen für Eintracht, nicht nur im Deutsche Bank Park. Dass ihre Songs später sogar am Frankfurter Hauptbahnhof bei McDonald’s laufen, unterstreicht ihre ungebrochene Relevanz auf herrlich absurde Weise.
Setlist
Murders In The Rue Morgue / Wrathchild / Killers / Phantom Of The Opera / The Number Of The Beast / The Clairvoyant / Powerslave / 2 Minutes To Midnight / Rime Of The Ancient Mariner / Run To The Hills / Seventh Son Of A Seventh Son / The Trooper / Hallowed Be Thy Name / Iron Maiden // Aces High / Fear Of The Dark / Wasted Years









