Stammgäste wissen: Beim Hurricane erwartet einen fast immer ein großartiges Wochenende – mit starkem Line-Up, toller Stimmung und reibungsloser Organisation. Zur 29. Ausgabe wurde sogar noch eine Schippe draufgelegt: Stimmung und Konzertqualität passen - und selbst die Notfallpläne bei schlechtem Wetter werden hervorragend umgesetzt.

Das Bild rund um Scheeßel am Donnerstagmorgen ist immer dasselbe: Die Straßen sind voll, die Autos stehen sich die Reifen in den Bauch, und alle warten nur darauf, endlich aufs Campinggelände zu dürfen. Wenn es dann um 11 Uhr so weit ist, gibt es kein Halten mehr. Das Hurricane 2025 startet.

Menschen schmücken die Pavillons in den Farben ihrer Fußballclubs, man sieht abenteuerliche Outfits in Form von Bananen, Mönchen oder Dinosauriern übers Gelände laufen, und überall wird Musik gehört und Bier getrunken. Zusammengefasst: Über 70.000 Menschen wollen eine gigantische Party feiern und es sich einfach nur gut gehen lassen.

Es beginnt

Die Grills sind an, die Zelte aufgebaut, und die Vorfreude ist riesig. Und direkt fällt auf, dass das Team des Hurricanes einfach weiß, wie man einen guten Campingground organisiert. Bei den sich bereits jetzt andeutenden Mega-Temperaturen sorgt die Orga dafür, dass man schnell an Wasser kommt und auch bei den Gruppenduschen nur selten Schlangen entstehen. Gerade die Sanitärsituation ist sehr gut, und es gibt kaum Grund zur Klage.

Zeitgleich machen sich die ersten Fans am Abend für die ersten Konzerte bereit. Traditionell geht es auf der Wild Coast Stage im Zelt los, wo u. a. Hi! Spencer, 100 Kilo Herz und Raum27 die ersten Menschen zum Tanzen bringen.

Ein besonderes Highlight ist die Show von Fatoni, Juse Ju und Edgar Wasser. Die drei Rapper haben vor Kurzem ein Album mit dem symbolischen Titel "Barws" rausgebracht, auf dem sie einfach nur Rap-Punchline nach Rap-Punchline bringen. Wer hier im Publikum ist, bekommt 75 Minuten lang einen Lachanfall nach dem nächsten, da die Zeilen in der Tat höchstes Entertainment bieten.

Die Hitze wächst

Nach einer langen Partynacht geht es am Freitag richtig los. Traditionell eröffnet das Hurricaneswimmteam die große Forest Stage, ehe mit Querbeat eine rheinländische Party startet und bei Lagwagon die ersten Punkrock-Circle Pits entstehen. Schon jetzt zeigt sich wieder, wie breit das Hurricane sein Line-Up jedes Jahr aufstellt, ohne dabei die musikalische Linie zu verlieren.

Kate Nash, Olli Schulz, Hot Water Music oder Von Wegen Lisbeth: an sich total unterschiedlich, insgesamt jedoch absolut klasse als Live-Acts. Es fällt fast schwer, sich zu entscheiden – zum Glück sind die Wege bekanntlich kurz, sodass man viele Acts auf einmal erleben kann.

Rise Against – Hochkaräter am Abend

Auf der Hauptbühne machen Biffy Clyro als Co-Headliner eine tolle Figur. Die richtig große Party zum Sonnenuntergang steigt jedoch bei Rise Against auf der River Stage. Die Band aus Chicago bringt im August ein neues Album raus, spielt an diesem Abend jedoch ein klassisches Best-of-Set. Und Junge Junge, haben Rise Against Hits.

Am Ende sind es zwar "nur" 14 Lieder, aber bis in die letzten Reihen des riesigen Feldes wird getanzt und gefeiert, als gäbe es kein Morgen mehr. Egal ob "Give It All", "Satellite" oder natürlich "Savior" zum Finale – zusammen mit der Feuershow und den riesigen Moshpits liefert die Band einen ihrer besten Auftritte auf deutschen Festivals seit Langem.

Ein großes Lob geht an dieser Stelle an die Tontechnik. Gerade für die, die bei den zwei großen Bühnen weiter hinten stehen und dementsprechend nicht so viel sehen, wird das Konzerterlebnis keineswegs geschmälert. Der Sound ist nicht nur schön laut, sondern auch hervorragend abgemischt.

AnnenMayKantereit – Auftritt für die Ewigkeit

Der Award für die beste Show des Freitags geht aber an den Headliner: Egal ob man AnnenMayKantereit mag oder nicht – was die Kölner bei ihrem ersten Konzert als Main-Act abliefern, ist einfach nur klasse. 2016, als der Hype gerade richtig losgeht, spielt die Band noch am frühen Abend auf der vollgepackten River Stage. 2019 folgt ein starkes Co-Headliner-Set auf der Forest Stage – und dieses Jahr steigt sie endgültig als Headliner in die Champions League der Festivallandschaft auf.

Das Konzert wird von einer starken Live-Band begleitet, die jedes Lied wunderschön arrangiert. Bis in die letzten Reihen werden Hits wie "Pocahontas", "Oft gefragt" und "21, 22, 23" mitgesungen – eine Zeitreise durch die AnnenMayKantereit-Geschichte. Die Zugabe mit "Barfuß am Klavier", "Tommi" und "Ausgehen" setzt dem Ganzen die Krone auf und beendet ein Konzert, das vermutlich auch für die Band selbst ein ganz besonderes ist.

Sonne, Sonne, Sonne

Als am Samstagmorgen der Campingplatz langsam wieder zum Leben erwacht, wundern sich viele, dass es immer noch nicht das typische norddeutsche Regenwetter gibt. Das bleibt sogar bis Sonntag so – beste Laune ist garantiert.

Normalerweise ist der Samstag in Sachen Party und Eskalation der Höhepunkt – und auch dieses Mal ist früh klar: Das Publikum will nur eines – feiern! Während die einen auf dem Zeltplatz Vollgas geben, zieht es andere früh aufs Gelände. Hier warten Acts wie Rapper Bibiza oder die zurückgekehrten Irie Révoltés auf das Publikum.

Hohe Qualität

Ein frühes Highlight ist Blond auf der River Stage – Moshpits und Euphorie bei praller Sonne. Zartmann bringt die Mountain Stage zum Überquellen, kein Wunder bei seinem aktuellen Hype rund um "Tau mich auf". Mehnersmoos liefern dann Rap zum Durchdrehen, der jedem K.I.Z.-Auftritt Konkurrenz macht.

Die Antilopen Gang spielt ein grandioses Set mit Songs wie "Verliebt", "Oberbürgermeister" und "Anti Alles Aktion". Diese Mischung aus Punk und Rap ist fast schon eine perfekte Zusammenfassung des Hurricane-Line-Ups. Auch Electric Callboy, Sam Fender und 01099 zeigen am Abend, wie vielseitig das Festival ist – und trotzdem wirkt alles wie aus einem Guss.

Es hört nicht auf

Die Headliner des Abends liefern: The Prodigy müssen niemandem mehr erklärt werden. Mit einer riesigen Lasershow, Klassikern wie "Take Me to the Hospital" und "Smack My Bitch Up" bringen sie das Gelände zum Beben. Auch ohne den verstorbenen Keith Flint bleibt die Band eine absolute Live-Wucht.

Und dann kommt Apache 207. Der Rapper aus Mannheim, der die deutsche Musikszene in den letzten Jahren dominiert, liefert eine durchinszenierte, energiegeladene Show mit Pyro, Licht und Power. Ein würdiger Headliner.

Durchziehen

Am Sonntag machen sich die Strapazen von drei Tagen Sonne bemerkbar. Es ist der heißeste Tag des Wochenendes mit über 30 Grad. Während manche schon ihr Gepäck zu den Autos bringen, geht es auf dem Infield nochmal richtig rund.

An der Mountain Stage gibt es um 14:30 Uhr kein Durchkommen mehr – die Menschenmenge reicht bis zur benachbarten River Stage. Der Grund: Ikkimel. Mit Songs wie "Böser Junge", "Keta & Krawall" und "Bikini Grell" bringt sie das Gelände an seine Belastungsgrenze. Moshpits bei dieser Hitze? Respekt!

Schade nur, dass die Forest Stage soundtechnisch schwächelt – hinten ist es zu leise und teilweise überlagert von der Mountain Stage. Trotzdem: Ikkimel reißt ab und wird künftig sicher auf einer größeren Bühne stehen.

Alles gut, oder?

Der Sonntagabend neigt sich dem Ende zu. Nina Chuba begeistert mit einem großen Konzert. Danach betritt Jan Böhmermann mit dem Rundfunktanzorchester Ehrenfeld die Hauptbühne. Seine Ansagen ziehen sich zwar, aber das Publikum scheint es zu mögen – bis plötzlich der Schock kommt.

Unwetter, natürlich!

Aus dem Nichts erscheinen auf allen Leinwänden Hinweise: Gelände sofort verlassen, Schutz im Auto suchen. Die Hurricane-Fans sind wettererprobt – spätestens seit dem Chaosjahr 2016. Freude kommt bei so einer Situation aber trotzdem nicht auf.

Doch die Orga meistert auch das. Frühzeitige Infos über alle Kanäle, ständige Updates via App, Radio und Social Media. Dank gutem Empfang bleibt jeder auf dem Laufenden. Viele Fans zeigen Solidarität und schalten Warnblinker ein, um Plätze im Auto anzubieten – große Geste!

Ein letztes, letztes Finale

Nach etwa einer Stunde gibt es Entwarnung – und dazu die beste Nachricht des Wochenendes: Green Day spielen! Die Fans strömen erleichtert zurück aufs Gelände.

Die wohl größte Band des Wochenendes liefert ein energiegeladenes Set mit Klassikern wie "American Idiot", "Holiday" und "Good Riddance". Zwei Stunden später, mit großem Feuerwerk, endet ein weiterer Festivalmoment für die Ewigkeit.

Besser geht nicht

Ein riesiges Lob an das gesamte Hurricane-Team! Nicht nur für die souveräne Unwetter-Kommunikation, sondern auch für die gesamte Organisation. Kaum ein Festival dieser Größenordnung läuft so rund – ob Sanitäranlagen, Zeltplatz oder Anreise.

Und auch ein großes Lob ans Publikum: für eine friedliche, ausgelassene Stimmung und das Miteinander mit dem Orga-Team. So werden Zeltplatzparty und Konzerte zu legendären Erlebnissen – auch bei Unwetter.

Bleibt als Fazit: Das Hurricane 2025 ist auf ganzer Linie ein fantastisches Event!

2026 steht der 30. Geburtstag an – also Pflichttermin! Wer schon mal da war, kommt sowieso. Alle anderen: Kommt vorbei. Es lohnt sich.