Bei seinem Konzert im Kulturzentrum dasHaus in Ludwigshafen zeigt David Murray am Tenor-Sax und an der Bass-Klarinette die ganze Bandbreite seines Spiels und wirkt in Begleitung seiner jungen Band geradezu verjüngt.

Festivalleiter Rainer Kern berichtet in seiner kurzen Ansprache davon, dass er ein Solokonzert von David Murray in New York erlebt habe – woraufhin er ihn direkt für Enjoy Jazz verpflichtete. Der inzwischen 69-jährige Murray habe nämlich jüngere Musiker in den Schatten gestellt.

Auch mit seinem jungen Quartett, mit dem er kürzlich das Album "Francesca" auf Intakt veröffentlichte, präsentiert sich Murray als ausdrucksstarker Musiker, der insbesondere am Tenor Sax die Stücke des neuen Albums in geradezu halsbrecherischer Geschwindigkeit performt.

Dichter, voller Ton

Im Auftaktstück "Ninno", geschrieben für eine Hund, stellt die Band gleich ihre unglaubliche Energie unter Beweis, die allerdings auch eine Schattenseite hat – dazu später mehr. Murrays voller, dichter Ton ist jedenfalls intakt und begeistert die Zuschauer im fast ausverkauften Kulturzentrum dasHaus.

Wenn Murray an die Bass-Klarinette wechselt, ist der Zeitpunkt für ein etwas langsameres Tempo gekommen, wohl auch weil das Instrument sich nicht für hohe Geschwindigkeiten eignet (außer vielleicht für Eric Dolphy). 

Murray nimmt sich auch ausgiebige Auszeiten, in denen er seinen jungen Begleitmusikern die Bühne überlässt. Bassist Luke Stewart verleiht der Musik ein dichtes Fundament und Marta Sanchez deutet nicht nur mit einigen Turbo-Einlagen an, dass sie eine famose Pianistin ist.

Verbesserungswürdige Abstimmung

Bedauerlich ist allerdings, dass die Musiker live nicht so gut aufeinander abgestimmt sind, wie man es aufgrund der sehr gut ausbalancierten Studioaufnahme erhoffen konnte. Schlagzeuger Russell Carter agiert bisweilen zu aktiv – und vor allem zu einseitig aktiv. Mit seinem nie zurückhaltenden Spiel übertönt er insbesondere Pianistin Marta Sanchez, die mehr Raum für Soli verdient hätte.

Möglicherweise hat auch die nicht ideale Aussteuerung im Haus zu diesem Eindruck beigetragen. Allerdings bleibt die Tatsache, dass es allein Sanchez ist, die nicht ein einziges Mal unbegleitet von einem anderen Instrument solieren darf.

Eine gute Wahl

Das ändert allerdings nichts am Gesamteindruck, dass Murray mit den sehr viel jüngeren Musikern eine gute Wahl getroffen hat. Sie spornen ihn an, seine Comfort Zone zu verlassen und ausgetretene Pfade zu verlassen.

Es hilft auch, dass Murray nach Jahrzehnte als Livemusiker weiß, wie man das Publikum mit kleinen (oder großen) Effekten auf seine Seite ziehen kann. Er ist eben auch ein Showman und als solcher weiß er, wie man die Zuschauer von den Sitzen reißt. Bei Enjoy Jazz 2024 ist ihm das gelungen.