Silverstein (live in Wiesbaden, 2018)

Silverstein (live in Wiesbaden, 2018) © Maggie Hogie

Silverstein feiern dieses Jahr 20 Jahre Bandbestehen und präsentieren in der Batschkapp Frankfurt mit drei unterschiedlichen Sets einen druckvollen Querschnitt ihres Schaffens. Fanservice pur!

20 Jahre Silverstein. Wer hätte das gedacht. Die Band sicher nicht: "When we released our album "Discovering The Waterfront" we never thought going to Europe", erzählt Frontshouter Shane Told. Es ist anders gekommen.

Über die Jahre hinweg hat sich auch in Europa, genauer gesagt in Deutschland, eine treue Fangemeinde gebildet. Mit ihren energiegeladenen Shows sind Silverstein eines der Aushängeschilder im Post-Hardcore Genre geworden.

An der Besetzung hat sich ebenso seit der Gründung nicht viel geändert. Ein eindrucksvolles Beispiel für gelebte Leidenschaft – und ums Leiden geht es in den Songs relativ oft.

Free Hugs von Hawthorne Heights

Die Batschkapp Frankfurt ist angenehm befülllt mit erwartungsfreudigen Silverstein-Fans. Als Special Guest stehen langhährige Freunde der Band auf der Bühne: Hawthrone Heights sind kein unbeschriebenes Blatt in der Szene, allerdings trotz ihres Bestehens seit 2004 eher unbekannt.

Die Jungs aus Ohio sind nicht oft in Europa unterwegs und musikalisch recht farblos. Die Songs ähneln sich zu stark, sind nicht einprägsam genug und der Gesang ist vor allem live auch zu monoton. Dazu kommt, dass die Shouts an diesem Abend viel zu leise sind.

Nummern wie "Ohio Is For Lovers" oder "Niki Fm" sind aber ganz nett. Dafür gibt es am Merch auch "Free Hugs" von der Band, die nicht so oft hier ist.

Ein Spiel in drei Akten

Kennt ihr diese Actionfilme, die brachial mit Explosionen beginnen, zwischendrinnen wird nur noch gelabert und dann gibt es ein furioses Finale? Silverstein haben bereits im Vorfeld zur Tour ihr längstes und abwechslungsreichstes Set der Bandgeschichte versprochen, aufgeteilt in drei Untersets.

Im März erscheint das neue Album "A Beautiful Place To Drown". Die Kanadier eröffnen kraftvoll mit "Burn It Down" den Greatest Hits-Teil, gefolgt vom "Dead Reflection"-Brecher "Retrograde". Auch ein "Infinite" knallt trotz des hohen Pop-Appeals ordentlich. Dann beginnt schon der Fanservice.

Kurz und heftig

Bei neun Studioalben bleibt die Qual der Wahl. Deswegen brettern Silverstein ein kurzes, aber heftiges Medley aus "A Shipwreck In The Sand" in die Menge und geben mit "Face Of The Earth" auch einen Einblick in "I Am Alive In Everything I Touch".

Das tonnenschwere Riff von "Stand Amid And Roar" kündigt den musikalischen Ritt durch "This Is How The Wind Shifts" an. Silverstein haben beeindruckend viel Material in die zweistündige Show gepackt. Doch nicht jede Entscheidung trifft auf Anklang.

Ein Spiel mit den Nerven

Bevor im großen Finale das gesamte "Discovering The Waterfront"-Album runtergeschmettert wird, werden die Post-Hardcore-Fans im Raum mit einer viertelstündigen Akustik-Session hart auf die Geduldsprobe gestellt. Wohlgemerkt nach einem ganz passablen One Republic-Cover. Ja, Silverstein covern One Republic. Ja, diese Interpretation beinhaltet am Ende auch Shouts.

Ohne Frage ist Shane Told ein herausragender Sänger und eins, zwei ruhigere Tracks schaden keinem Set. Aber fünf ist schon hart an der Grenze. "Wenn der nochmal seine Akustikgitarre holt, haben die einen Fan weniger auf Facebook", schnaubt es aus den Reihen. Das Publikum ist mittlerweile wieder kalt, die Stimmung gedämpft - aber nicht mehr lange.

Ende gut...

Kaum ertönt "Your Sword Versus My Dagger" entstehen wieder die ersten Pits. Silverstein drehen den Härteregler auf Anschlag. Mit Hits wie "My Heroine", das lauthals von allen mitgesungen wird, oder dem Klassiker "Smile In Your Sleep" und treibenden Nummern wie "Always And Never" ist die Stimmung schnell wieder da, wo sie bei einem Konzert der Kanadier sein sollte: ganz oben.

Silverstein ohne diese Kombination aus Härte und Melodie ist wie ein Nutellabrot ohne Nutella. Die Band ist nach wie vor ein Orkan auf der Bühne. Unbändige Wut und Energie. Live wie auf Platte. Wir werden auch die nächsten 20 Jahre ein Auge drauf haben!

Setlist

Burn It Down / Retrograde / A Great Fire / Vices / Broken Stars / Face of the Earth / Infinite / Stand Amid the Roar / On Brave Mountains We Conquer / A Better Place / In Silent Seas We Drown / California / To Live and To Lose / This Is How The Wind Shifts / Arrivals / Departures / Apologize / The Afterglow / Massachusetts / Still Dreaming / Replace You / Aquamarine / Red Light Pledge / Toronto (Unabridged) / Your Sword Versus My Dagger / Smile in Your Sleep / The Ides of March / Fist Wrapped in Blood / Discovering the Waterfront / Defend You / My Heroine / Always and Never / Already Dead / Three Hours Back / Call It Karma // Bleeds No More

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