Cross Currents von links nach rechts: Chris Potter, Zakir Hussain und Dave Holland

Cross Currents von links nach rechts: Chris Potter, Zakir Hussain und Dave Holland © Paul Joseph

Cross Currents, bestehend aus Zakir Hussain, Dave Holland und Chris Potter, locken bei Enjoy Jazz 2019 in Heidelberg ein außerordentlich diverses Publikum an und beeindrucken dieses mit beeindruckender musikalischer Qualität. Schwächen gibt es dennoch.

Viele Projekte, die sich zum Ziel gesetzt haben, musikalische Grenzen zu überschreiten, ziehen trotz ihrer musikalischen Qualität ein stets sehr ähnliches Publikum an, das man in Ermangelung anderer Begriffe als deutsches Bildungsbürgertum mittleren und fortgeschrittenen Alters bezeichnen könnte.

Beim Konzert von Cross Currents in der bestuhlten und sehr gut gefüllten halle02 in Heidelberg ist das anders. Das hat folgenden Grund: Neben Bassist Dave Holland und Saxophonist Chris Potter auch der in Mumbai geborene, aber in San Francisco lebende Tabla-Spieler Zakir Hussein Teil des Trios.

Der Meister der Tabla

Sein Ruf als weltbester Tabla-Spieler hat zahlreiche Besucher angelockt, deren Wurzeln vermutlich auf dem indischen Subkontinent liegen und die den Altersschnitt nach unten drücken. Solche Konzerterlebnisse, bei denen Orient und Okzident nicht nur auf der Bühne zusammenfinden, wünscht man sich häufiger.

Zakir Hussein enttäuscht natürlich seine Fans nicht. Sein rasantes, virtuoses Tabla-Spiel sorgt mehr als einmal für spontane Begeisterungsstürme. Seine Hände fliegen teilweise mit unglaublicher Geschwindigkeit über die Instrumente, dass man ihnen optisch kaum folgen kann.

Drei Giganten

Das bedeutet freilich nicht, dass Dave Holland und Chris Potter im Schatten Hussains stünden, handelt es sich doch bei ihnen um fast ebenso berühmte Musiker, die den Jazz jahrzehntelang geprägt haben. Ihre muskalischen Qualitäten stehen außer Frage.

Das gilt aber nicht für ihre Fähigkeiten als Komponisten und hier präsentiert sich das Konzert als durchwachsenes Ergebnis. Die Kompositionen stammen sowohl von Holland als auch von Potter und  sind dann am besten, wenn alle Musiker loslassen und die Musik in unerwartete Höhen treiben.

Am wenigsten überzeugen sie dann, wenn die Musik etwas unmotiviert vor sich her plätschert wie beispielsweise beim Opener oder bei der Zugabe.

Symbiose gelungen

In der Regel kommt es aber nicht so weit. Dann verschmelzen die drei individuellen Stimmen zu einem mitreißenden Ganzen, das tatsächlich ganz unterschiedliche musikalische Ansätze kongenial zusammenführt. Das erinnert an Dave Hollands Werk mit Oud-Spieler Anouar Brahem, nur dass diesmal indische Musik und westlicher Jazz verschmelzen.

Das Publikum applaudiert großzügig und ein Teil spendet zum Abschluss sogar Standing Ovations. Es war das erste Konzert der Tour, wie Dave Holland erklärt. Eine Steigerung im Verlauf der Tour ist sehr gut denkbar, denn zu Beginn einer Tour müssen sich die Musiker ja oft erst finden.

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