Bob Dylan (Pressebild, 2016)

Bob Dylan (Pressebild, 2016) © Livenation

Gibt es eine deutsche Stadt ähnlicher Größe in der Bob Dylan in diesem Jahrzehnt häufiger aufgetreten ist als in Mainz? Sein drittes Konzert seit 2011 führt ihn wieder in den Volkspark und erweist sich als ordentliches Konzert mit einigen echten Highlights.

Im Mainzer Volkspark herrscht Volksfeststimmung. Wie immer bei großen Konzerten haben sich außerhalb des Veranstaltungsgeländes hunderte Zuhörer versammelt, die der Musik von draußen lauschen. 

Als Bob Dylan 2015 das letzte Mal in Mainz war, erlebten die Zuschauer ein denkwürdiges Konzert, das mit ungewöhnlicher Verspätung begann, weil der Meister die Setlist komplett umwarf. Die Zuschauer konnten die dazugehörige Diskussion mit der Band sogar mitansehen.

Wird der Meister berechenbar?

Diesmal ist davon keine Rede. Bob Dylan beginnt pünktlich um 19 Uhr und von einer durcheinandergewürfelten Setlist kann keine Rede sein. Tatsächlich spielt der Nobelpreisträger seit mehr als einem Jahr in seinen Konzerten meistens die gleichen Lieder mit nur einer oder zwei Variationen. 

Das bedeutet aber nicht, dass seine Fans erwarten müssen, dass Dylan seine großen Hits nur nachspielt. Schon der fast schnippische Ton, in dem er "but things have changed" singt, macht klar, dass er nicht damit aufgehört hat, sich immer neu zu erfinden.

Gelegentliche Genialität

Die größte Überraschung (jedenfalls für Fans, die ihn seit 2017 nicht mehr live gehört haben), sind mehrere Breaks in "Like A Rolling Stone", indem die Band fast aufhört zu spielen, bevor sie mit voller Wucht einsetzt. Einige Zuschauer springen begeistert auf, andere jubeln. 

Wirklich gut funktionieren auch die sehr dynamischen Versionen von "Can't Wait" und "Highway 61 Revisited", das auch Jahrzehnte später nichts von seinem surrealen Charme verloren hat. 

Musikalisch bietet Dylan weiterhin eine Mischung aus bluesigem Rock und stark country-esken Arrangements. Diese passen nicht immer, aber sehr wohl bei der versonnenen Interpretation von "Simple Twist of Fate".

Blasser Mittelteil

Daneben gibt es aber auch einen längeren Teil, in dem sich das Konzert sehr routiniert und auch etwas langweilig wirkt. Wie eigentlich immer gelingt "Pay In Blood" nicht gut, obwohl es fraglos das Potential eines genialen Live-Songs hat.

"Honest With Me" und "Tryin' To Get To Heaven" plätschern etwas dahin und so schön es ist "When I Paint My Masterpiece" zu hören – das Arrangement überzeugt nicht wirklich. Es bleibt eben ein Abend mit Aufs und Abs.

Wer das Glück hat...

Für Highlights sorgen dann die entspannte Resignation von "Don’t Think Twice, It’s Alright" und das immer verlässliche "Thunder On the Mountain" Mit einer dynamischen Version von "Gotta Serve Somebody" beendet Dylan das reguläre Set.

Das hundertfach gehörte "Blowin' In The Wind" erklingt an diesem Abend in einer wirklich schön gesungenen Version, während "It Takes a Lot to Laugh, It Takes a Train to Cry", eines seiner ganz großen Meisterwerke, nicht wirklich zu überzeugen vermag. Dylan Stimme ist grundsätzlich klar und relativ verständlich, aber gerade dieses Lied benötigt etwas mehr gesangliche Dynamik, als er zu geben vermag.

Man ist versucht, solche Dylan-Konzerte als mittelmäßig abzutun, aber natürlich ist es ein fast unverschämtes Glück, dass er im Alter von 78 Jahren immer noch dutzende Konzerte jedes Jahr spielen kann. Die Neverending Tour geht weiter.

Setlist

Things Have Changed / It Ain't Me, Babe / Highway 61 Revisited / Simple Twist of Fate / Can't Wait / When I Paint My Masterpiece / Honest With Me / Tryin' to Get to Heaven / Scarlet Town / Make You Feel My Love / Pay in Blood / Like A Rolling Stone / Early Roman Kings / Don’t Think Twice, It’s Alright / Love Sick / Thunder on the Mountain / Soon After Midnight / Gotta Serve Somebody // Blowin' in the Wind / It Takes a Lot to Laugh, It Takes a Train to Cry

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