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Nik Bärtsch's Ronin (live in Mannheim, 2018) © Daniel Wetzel

Nik Bärtsch's Ronin und Vijay Iyer mit seinem Sextett - diese Kombination bei Enjoy Jazz zeigt die ganze Bandbreite des Münchner Labels ECM und lockt die Zuschauer scharenweise in die Alte Feuerwache nach Mannheim.

Die Sitzplätze in der Alten Feuerwache in Mannheim sind bis fast ganz hinten gefüllt – kein Wunder, haben sich doch zwei hochkarätige Bands im Rahmen der ECM Jazznight angekündigt: Nik Bärtsch's Ronin und das Vijay Iyer Sextett werden Enjoy Jazz beehren.

Das Konzert stand wohl kurz vor der Absage, so Festivalleiter Rainer Kern. Zwei anwesende Physiotherapeuten konnten aber einem der Protagonisten – um wen es sich handelt verrät Kern nicht – kurzfristig Linderung verschaffen.

Wiederholende Muster

Der Abend beginnt mit Nik Bärtsch, dessen Band Ronin seit mehr als 15 Jahren eine feste Größe ist. Bärtsch bezeichnet Ronin als Zen-Funk-Quartett, eine durchaus treffende Beschreibung.

Die Musik basiert auf eingängigen Mustern, die mantra-artig wiederholt und auf die Spitze getrieben werden. Das Publikum ist begeistert von der Lebendigkeit und den starken Rhythmen. Zudem wirkt die Musik von Ronin gar nicht übermäßig exotisch, sondern eminent nachvollziehbar und schlüssig. Man bewegt sich ständig im Kreis und gelangt dennoch nach oben.

Naives Licht

Ronin zeichnet aus, dass es keine andere Band gibt, die so ähnlich klingt. Zudem sind die vier Musiker mit echter Leidenschaft am Werk und reißen die Zuschauer nach aller Kunst mit. Der Applaus am Ende ihrer 75-minütigen Performance ist jedenfalls groß.

Das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass mindestens ein Aspekt der Performance Verbesserungsbedarf hat. Wer in den letzten 30 Jahren auf einem Popkonzert war, muss fast zwangsläufig über die naiven holzhammerartigen Lichteffekte schmunzeln. 

Ein anderer Ansatz

Vijay Iyer verfolgt einen ganz anderen Ansatz. Er macht keinen Hehl daraus, dass die Musik seines Sextetts eminent politisch ist: "The struggle is far from over", so erklärt er zu Beginn den Namen des Albums.

Gleichzeitig stellt er fest, dass die Band über eine ganz andere Energie verfüge als im Vorjahr an gleicher Stelle. Tatsächlich ist das Konzert völlig anders – und es ist gar nicht so leicht zu beschreiben, worin der Unterschied besteht.

Neue Akzente

Besonders zu Beginn treten die im letzten Jahr sehr viel spärlicher eingesetzten elektronischen Elemente stärker in den Vordergrund. Gerade Graham Haynes (Flügelhorn, Cornet) verfremdet seine Sounds sehr stark in eine harte, metallische Richtung.

Zudem drängt sich der Eindruck auf, dass die Band radikaler, aber gleichzeitig weniger exakt ausblanciert ist als im Vorjahr. Das bedeutet nicht, dass das Konzert schlechter wäre als im Vorjahr. Es strahlt nicht die gleiche Geschlossenheit und Harmonie aus, verfügt aber über mehr Energie. 

Geradezu genial sind aber die Momente, in denen die Band sich bruchlos von einem Sextett in ein Klavier-Trio verwendelt. Dadurch gewinnt die Musik einen völlig anderen Charakter – und lässt den Wunsch aufkommen, Iyer im nächsten Jahr mit einem Trio zu erleben.

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