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Santiano (live in Mannheim 2018) © Rudi Brand

Das Problem des Konzerts von Santiano in der SAP Arena Mannheim besteht nicht in der Musik, sondern im unpassenden Bühnenaufbau. Am Ende braucht die Band alle Tricks, um das Publikum in Schwung zu bringen.

Die Bilder des Konzerts sind hier.

Das Nachholkonzert von Santiano in der SAP Arena Mannheim findet vor deutlich ausgedünnten Zuschauerrängen statt. Das überrascht nicht, war die Show doch ursprünglich für einen Samstag geplant. Jetzt findet sie an einem Mittwoch statt, was sicherlich einige Zuschauer bewogen hat, ihre Karten zurückzugeben.

In der Zwischenzeit wurden Santiano zudem in eine Kontroverse verwickelt, weil Björn Both sich unmissverständlich von jeder Form rechter Vereinnahmungsversuche distanziert hat. Allerdings will die Band vorerst auf politische Botschaften verzichten – eine demokratische Entscheidung der Band, wie Both betont, aber dennoch bedauerlich. Dieses Thema behandeln wir an dieser Stelle näher.

Große Distanz

Das Opening des neuen Songs "Könnt ihr mich hören" ist ein abgewandeltes Cover von "Das Boot" mit neuem Text. So eine Kulthymne zu verändern ist immer ein Wagnis und kommt nicht bei allen Zuschauern gut an. Die Stimmung ist merkwürdig unterkühlt. Das liegt maßgeblich an dem Bühnenaufbau.

Vor der Bühne ist ein kleiner, in zwei Hälten geteilter Stehplatzbereich mit Mittelgang zur Vorbühne. Weiter befindet sich zwischen Vorbühne und den ersten Sitzreihen noch eine weitere Lücke von rund 5 Metern. Die dadurch erzeugte räumliche Distanz macht sich bemerkbar. Die 6.500 Zuschauer in der Halle reagieren nur langsam auf die rockigen Gitarrenriffs von "Gott muss ein Seemann sein". Auch das rockig-melodische "Liekedeeler" und die dramatische Ballade "Ich bring Dich heim" greifen nicht.  

Schwerer Start

Selbst die stimmungsvollen Lieder "Sail Away" und "Hooray For Whiskey" zünden nicht denselben Funken, den Santiano 2017 bei ihrer Akustiktour in Ludwigshafen entfacht haben. Santiano bieten alle Animationstricks auf, um endlich den Stimmungspegel auf Normalniveau zu heben. So sollen die Zuschauer bei "Land Of Green" mitschunkeln, was sie zwar tun, aber nicht besonders enthusiastisch.

Danach dreht sich jedoch langsam der Wind. Die Atmosphäre wird besser, bei "Der Alte und das Meer" klatschen die Zuschauer hörbar mit. Zu "Salz auf unserer Haut" stehen auch deutlich mehr Zuschauer von den Sitzen auf und machen mit. Als die Band dann endlich auf die Vorbühne nach vorne kommt und die Distanz zum Publikum stark verkürzt, sind sie mittendrin. Plötzlich ist die Energie spürbar, auf die man vorher vergeblich gewartet hat.

Die Stimmung steigt

Der Titel "Ihr sollt nicht trauern" deutet einen eher schwermütigen Song an, das Gegenteil ist aber der Fall. Denn das Lied ist eine fröhliche Tanzmelodie, die vom Publikum sehr gut angenommen wird. Davon angefeuert drücken Santiano vorne an der Bühne endlich aufs Gas und so klatschen die Fans zu "Irish Rover" laut im Rhythmus mit, getragen vom Uptempo Rock der Gitarren. Auch das fröhliche Trinklied "Blow Boys Blow" wird abgefeiert, getragen von einem Zusammenspiel aus Fidel und Gitarre. Den ersten kleinen Höhepunkt setzt schließlich der Stimmungshit "Johnny Boy".

In dieser Stimmung funktionieren auch die Balladen. Zuerst singt Björn Both alleine im Spotlight "Weh mir". Anschließend kommt als Duettpartnerin Gaststar Anna Brunner, die Sängerin von Exit Eden, mit auf die Bühne und schraubt bei "Im Auge des Sturms" ihre Stimme in gewaltige Höhen.

Die Stimmung steigert sich von Song zu Song bis hin zu "Lieder der Freiheit", als sich endlich sogar Zuschauer erheben, die vorher fest mit dem Sitz verwachsen schienen. Als Dank an die Fans für die Unterstützung der letzten sechs Jahre endet der Hauptblock mit der neuen Santiano-Hymne "Wir für euch und ihr für uns".

Das erleuchtete Finale

Mit der Zugabe "Santiano" stürmen viele Zuschauer nach vorne zur Bühne. Endlich wird diese unnötige Lücke auch optisch geschlossen – vor allem, weil sich dankenswerterweise die Ordner nicht mehr einmischen. Über "Auf nach Californio" und "Diggi Liggi Lo" steigert sich das Finale zum großen Mitsinghit "Es gibt nur Wasser". Diese Songs funktionieren und lassen die Stimmung ansteigen, um schließlich der Ballade "Die Sehnsucht ist mein Steuermann" bei voll durch Smartphones illuminierter Halle den Raum für ein entspanntes Finale zu geben.

Das alles kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Santiano an diesem Abend nicht so zur Geltung gekommen sind, wie sie es bei vielen Auftritten vorher schon geschafft haben. Das fängt bei dem einfallslosen Bühnenbild an, das wie die Brücke eines aufgetauchten U-Boots wirkt. Kein Vergleich zu dem detailverliebten, viel ansprechenderen Hafenszenario der Akustiktour. Auch die Nähe zum Publikum konnten Santiano im Vergleich zu 2017 zunächst nicht in ähnlicher Weise aufbauen. Erst mit dem Gang auf die Vorbühne sind Energie und Präsenz so da, wie sie es von Anfang hätten sein können. Das kann die Band definitiv besser.

Setlist

Könnt ihr mich hören / Gott muss ein Seemann sein / Liekedeeler / Ich bring Dich heim / Sail Away / Hooray For Whiskey / Land Of Green / Der Alte und das Meer / Salz auf unserer Haut / Ihr sollt nicht trauern / The Irish Rover / Blow Boys Blow / Johnny Boy / Weh mir / Im Auge des Sturms / Alle die mit uns auf Kaperfahrt fahren / Joho und ne Buddel voll Rum / Frei wie der Wind / Lieder der Freiheit / Bis in alle Ewigkeit (Walhalla) / Seine Heimat war die See / Wir für Euch und Ihr für uns // Santiano / Auf nach Californio / Diggi Liggi Lo / Es gibt nur Wasser / Die Sehnsucht ist mein Steuermann  

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