Das Konzert von Santiano startet mit einem echten Knalleffekt. Zunächst wabert nur blaues Licht durch die dunkle SAP Arena. Dann gehen die Spotlights an, die Musiker von Santiano stehen einzeln im Licht. Wieder kurz dunkel explodiert die Bühne mit Rauch und Explosion.
Mit opulentem Rocksound eröffnen Santiano das Konzert mit "Es klingt nach Freiheit". Im Innenraum steht bereits das komplette Publikum. Weiter geht das energetische Opening mit "Gott muss ein Seemann sein". Der mit Feuersäulen untermalte Up-Tempo Rock erhält besondere Akzente durch ein erstes Solo von Pete Sage an der Geige, bevor die drei Gitarristen zu einem zweiten, heulenden Gitarrensolo ansetzen. Das Publikum klatscht den mitreißenden Rhythmus mit.
Die kleinen Schwachpunkte
Mit Akkordeon und ganz viel Seemannscharme spielen sie "Salz auf unserer Haut". Die eingängige Melodie reißt das begeisterte Melodie mit. Ebenso energetisch ist das schwungvoll gespielte "Doggerland", der Titelsong des neuen Albums und der ganzen Tour. Der Songtext gibt zwar etwas Einblick in die Geschichte des Doggerlands mit seinen Zeilen: "Ich war in Doggerland, und ich sah seinen Untergang ... tief versunken im Nordseeschlamm".
Eine genaue Erklärung, was das Doggerland ist, bleiben sie aber schuldig. Das heute in der Nordsee versunkene Doggerland bildete vor langer Zeit eine Landbrücke von der Ostküste Großbritanniens nach Jütland zum europäischen Festland. Ebenso wenig wird klar, warum das Doggerland der Ausgangspunkt dieser musikalischen Seereise ist. Eben das ist der zweite Schwachpunkt im Vergleich zur letzten Tour 2022.
Vor zwei Jahren hatte das Konzert einen roten Faden, eine Geschichte, die Santiano mit ihren Songs erzählt haben. Das ist ihnen diesmal nicht so gut gelungen. Musikalisch ist das Konzert trotzdem erstklassig, gerade weil viele Songs stilistisch gut zueinander passen.
Schunkelmusik
Das mitreißende "Zu alt um jung zu sterben" könnte in jeder Seemannskneipe laut gesungen werden und passt daher perfekt zum irischen Schunkelsong "Land Of Green". Wieder auf See dominiert die Seemannsromantik mit der wunderschönen Melodie von "Nichts als Horizonte". Dazu passt die nächste Ballade "Kinder des Kolumbus", bei der nicht wenige Zuschauer ganz eng miteinander schunkeln.
Björn greift das Thema Meere auf und verweist auf ihre Leuchtfeuer-Projekte. Santiano selbst sind seit diesem Jahr Botschafter der Deutschen UN Ozeandekade. Das dramatische "Wenn die Kälte kommt" steht für diese Ernsthaftigkeit, wird dann aber abgelöst von der romantisch, zarten Ballade "Wenn ich dich je vergess". Es ist ein gemeinsam gesungenes Lied mit dem Duo Lina Bó, zwei jungen Straßenmusikern, die zuvor den Abend musikalisch eröffnet haben.
Klare Ansage
Verbunden mit dem kraftvollen "Lieder der Freiheit" werden Santiano wieder einmal deutlich. Die letzten Wahlergebnisse mit "30 Prozent" und die immer härter werdende Rhetorik in Politik und Gesellschaft nehmen sie zum Anlass zu sagen, wie sehr sie sich um die Zukunft des Landes sorgen. Sie sehen in der aktuellen Lage die Fundamente unserer Demokratie in Gefahr, vor allem, weil die demokratische Mitte bröckelt. Kurz gesagt: "Dieses Land braucht so viel mehr Mut und weniger Wut, dann wird alles gut".
Zurück zur Musik entfesseln Santiano wieder krachenden Rock. Mit heulenden Gitarren feuern sie "Am Ende des Tages" ab und im roten Licht liefern sie zum energetischen "Könnt ihr mich hören" ein visuelles Spektakel.
Ganz neu und herausstechend ist die Akustik-Ballade "Seine Geschichte". Axel Stosberg, nur von einer Akustik-Gitarre begleitet, erzählt von einem alten Mann, dessen Geschichte man hören sollte. Im Saal gehen die Handylichter an, bevor Pete mit der Geige einsteigt und die Band am Ende komplett mit den Akustikgitarren spielt.
Stimmungslieder
Das stimmungsvolle "Hooray For Whiskey" und das von Feuersäulen begleitete "Sieben Jahre" wird ohne Pause abgelöst vom schwungvollen Temposong "Wo schläfst du heute Nacht". Direkt weiter geht es mit einem Stimmungsgarant. Das temporeiche "Auf nach Californio" peitscht die Fans im Saal hoch und "Angekommen" mit seiner mitreißenden Melodie und der rockigen Energie der Gitarren hält die Stimmung hoch.
Als Botschafter der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) haben Santiano ihnen zur Ehre das Lied "Retter in der Not" geschrieben. Die dramatische Rock-Ballade wird abgelöst vom nächsten Temposong "Lange her", bei dem Timmi wie wild über die Bühne tanzt. Mitgesungen wie kein anderes Lied wird wie immer "Es gibt nur Wasser". Endlich stehen auch viele Zuschauer auf den Tribünen auf und feiern mit.
Highlights im Finale
Mit dröhnenden Schlägen leitet Santiano die Zugabe ein. Ähnlich dem Opening des Queen-Klassikers "We Will Rock You" spielen sie mit "Bully In The Alley" ein kraftvolles Trinklied. Das nächste heiter energetische Lied zum Singen und Mitklatschen ist "Mädchen von Haithabu", bevor sie ihren ersten Hit "Santiano" erklingen lassen. Das ganze Publikum feiert und singt.
Ein musikalische Highlight des Konzerts ist "Diggy Liggy Lo". Auf der Videowand sehen die Zuschauer die für den Missisippi typischen Schaufelraddampfer. Die Band spielt den rockig energetischen Song mit hohem Tempo und heulenden Gitarren, gewürzt mit typischen Stilelementen des Southern Blues.
Der letzte Song ist dann wieder ruhig und emotional. Björn bittet wieder um die Handylichter als stimmliche Untermalung für "Hoch im Norden". Die Zuschauer singen mit und so findet das Konzert ein stimmungsvolles Ende.
Setlist:
Es klingt nach Freiheit / Gott muss ein Seemann sein / Salz auf unserer Haut / Doggerland / Zu alt um jung zu sterben / Land Of Green / Nichts als Horizonte / Kinder des Kolumbus / Wenn die Kälte kommt / Wenn ich dich je vergess / Lieder der Freiheit / Am Ende des Tages / Könnt ihr mich hören / Seine Geschichte / Hooray For Whiskey / Sieben Jahre / Wo schläfst du heute Nacht / Auf nach Californio / Angekommen / Retter in der Not / Lange her / Es gibt nur Wasser // Bully In The Alley / Mädchen von Haithabu / Santiano / Diggy Liggy Lo / Hoch im Norden









