P!NK (live in Berlin, 2017) Fotostrecke starten

P!NK (live in Berlin, 2017) © Manuel Berger

Pünktlich mit der Veröffentlichung ihrer neuen Single "What About Us" kommt P!NK nach Berlin und liefert eine emotionsgeladene Show ab. Dabei dominiert im Gegensatz zu ihren akrobatischen Hallenshows diesmal eher die pure Musik und die Nähe zu ihren Fans.

Der wichtigste Satz des Abends ist am Ende des Konzerts gleich mehrfach zu hören: "Gott sei Dank ist es trocken geblieben." Denn die Wettervorhersage mit Sturm und Gewitterwarnung hatte Schlimmes erahnen lassen. So sind ein paar nasse Sitzbänke von etwas Regen vor dem Konzert leicht zu verschmerzen. Denn gesessen haben an diesem Abend nur sehr wenige Fans.

Die Party beginnt

Schon der Konzertbeginn gleicht eher dem Einmarsch einer Gladiatorin. Denn während die Band schon versammelt ist, kommt P!nk nicht von hinten auf die Bühne, sondern marschiert von außen quer durch die ausflippende Menge rein ins Stadion der Waldbühne. Sie klatscht ab und geht wie immer völlig enthemmt auf Tuchfühlung zu ihren Fans.

Mit "Get The Party Started" hat sie auch den richtigen Song am Start. Denn genau diese Party startet bereits ab dem ersten Moment des Openings mit einem fulminanten Feuerwerk. P!nk tanzt mit ihrer Tänzergruppe über die Bühne und alles endet mit knallharten Beats. Das Publikum schreit begeistert und gefühlt steht die ganze Arena.

Auf Händen getragen

Weiter geht die Show mit "U + Ur Hand". P!nk wird liegend von ihren Tänzern getragen, springt runter und rockt los. Die Fans feiern ihr Idol und anschließend sagt sie nur: "Danke, Danke, Danke" und "You have no idea how happy we are". Die große Liveshow auf der Bühne scheint ihr wirklich gefehlt zu haben. P!nk sprüht nur so vor Energie und man spürt die Lust, wieder die Bühnen der Welt rocken zu wollen.

So kniet sie bei "Just Like A Pill" vor ihrem Gitarristen, während die Band gewaltig abrockt. P!nk lässt keine Zweifel, dass ihre Stimme an diesem Abend in Topform ist. Bei "Trouble" dreht sie stimmlich endgültig maximal auf. Die körperliche Action überlässt sie dagegen einem Tanzpaar aus ihrer Tänzertruppe. Den Actiontanz von "Try" macht sie normalerweise selbst. Aber nach der Geburt ihres Sohns im Dezember 2016 ist sie verständlicherweise körperlich noch nicht wieder in absoluter Höchstform.   

Das energetische Highlight

Auf der Videowand steigen Wasserblasen auf. P!nk singt "Just Give Me A Reason" und die Zuschauer dazu das "Oh-Oh". Die emotionale Nähe nimmt weiter zu, als sie zu ihren Fans hinabsteigt und dazu sämtliche Geschenke, die ihr zufliegen, fleißig einsammelt. Bei "How Come You're Not Here" tragen ihre Tänzer übergroße P!nk-Masken und tanzen um sie herum, während ihre Band mit knallharter Rockpower von Gitarre und Schlagzeug das Publikum antreiben. 

Das große Highlight der Show ist aber "Funhouse". Kein Song erzeugt an diesem Abend so viel geballte Energie. P!nk hat sichtlich Spaß und treibt die Show immer weiter und am Ende mixen sie auch noch "Just A Girl" von No Doubt in den Song mit ein. Dieser kraftvolle Powersong lässt sogar die durchtrainierte P!nk am Ende laut durchatmen.

Gefühlvolle Akustikballaden

Nach so viel Powerrock werden die nächsten Songs eher gefühlvoll. Zuerst holt P!nk James Gillespie auf die Bühne, der zuvor als Support den Abend eröffnet hat. Mit ihm gemeinsam singt sie ein Akustikduett von ihrem alten Hit "Don't Let Me Get Me". Das Publikum lauscht den starken Stimmen beider Künstler und klatscht am Ende begeistert los. Die nächsten Songs begleitet sie ihr Gitarrist Justin Derrico. Gemeinsam mit ihm sitzt sie vorne an der Bühnenrampe und singt "Who Knew". Ihre pure Stimmpräsenz ist so durchdringend, es ist ein echter Gänsehautsong. Zu "F**kin' Perfect" klatschen die Zuschauer im Rhythmus mit. Die Emotionen wabern nur so durch die Arena. Der im Countrystil gehaltene Song "Me And Bobby McGee" ist ein Cover von Country-Sänger Kris Kristofferson. Stimmgewaltig drückt P!nk ihre Kopfstimme hoch und begeistert damit das Publikum.

Effektvoll in Szene gesetzt wird "Babe, I'm Gonna Leave You". Die Bühne hinten bleibt dunkel. P!nk fängt vorne im Spotlight ganz ruhig an zu singen. Plötzlich dreht die Band hinten hoch, die Lichter gehen an. Dann wird es plötzlich wieder ruhig und dunkel. P!nk singt ruhig weiter, aber wieder folgt darauf eine Powereinlage. Dieser wechselnde Kontrast elektrisiert die Fans und alles steigert sich, als P!nk am rechten Bühnenrand in einen durchsichtigen Riesenball klettert und damit über die Köpfe und Hände der ausrastenden Zuschauer läuft. Von rechts geht es um die Bühnenrampe herum nach links. P!nk wird buchstäblich auf Händen getragen und verschwindet am Ende links hinter der Bühne.

Partypower 

Eine nette, aber nicht ganz neue Idee, ist die Darbietung eines englischsingenden Popstars von "99 Luftballons", dessen englische Version "99 Red Ballons" von Nenas Song in den 1980er Jahren große Charterfolge in den USA feierte. P!nk ist jedoch nicht die erste Künstlerin, die diesen Song live präsentiert. So hat Kylie Minogue beim Melt! 2015 dies auch schon getan. Dennoch kommt der Song, den ihre Keyboarderin deutsch ansingt, beim Publikum gut an. Besser ist jedoch der kraftvolle Song "Sober". P!nk singt leidenschaftlich, während sie die Bühnenaction wieder ihren Tänzern überlässt. Dem Bishop Briggs-Cover von "River" folgt "Just Like Fire". Die aufsteigenden Flammen heizen auch visuell ein, dazu feuern die Gitarren fette Riffs in die Arena.

Zu einer Sommernacht passen auch ohne entsprechende Temperaturen stets karibische Klänge. So verwandeln P!nk und ihre Band den Song "Blow Me (One Last Kiss)" in eine rhythmische Tanzeinlage mit viel Hüftschwung und erst am Ende gibt es die richtig harten Beats. Um die Party zum Höhepunkt zu treiben, springt P!nk am Kopf der Bühnenrampe hoch und feiert mit ihren Fans zu "Raise Your Glass". Die Gitarren drehen hoch, Feuerwerk explodiert und P!nk verschwindet zur Zugabe.

Die Perfektionistin

Wie sehr P!nk daran gelegen ist, den nächsten Song perfekt in Szene zu setzen, zeigt die Tatsache, dass sie die Darbietung ihrer neuen Single "What About Us" kurz nach Beginn abbricht. Mit den Worten: "Too important for me" macht sie einen Soundcheck auf der Bühne und stellt das Piano, das nicht richtig klingt, nochmal komplett neu ein. Das ist ihr wichtig, denn das Piano untermalt das komplette Intro der Melodie. Als sie zufrieden ist, startet sie den Song nochmal. Es ist eine Weltpremiere, denn der Song wurde erst einen Tag zuvor veröffentlicht und zwei Tage zuvor beim Sziget Festival hat sie den Song nicht präsentiert.  Die Melodie geht sofort ins Ohr, ein echter Hitgarant.

Zum Abschluss feiert P!nk noch einmal mit ihren Fans. Zu "So What" steigen Nebelsäulen hoch. P!nk zeigt ihre Freude, springt und tanzt hin und her. Schließlich gibt es noch ein großes Feuerwerk und damit endet die große Partynacht. Eine Show, die zwar nicht die große Akrobatik der letzten Hallentour bietet, dafür entsteht mit einigen schönen Akustikversionen und ganz viel Nähe zu den Fans eine größere musikalische Vielfalt und Dynamik.

Ausblick

Der Termin der Sommerkonzerte in Berlin wurde nicht zufällig gewählt. Denn so perfekt wie P!nk diese Show und die Präsentation ihrer neuen Single vorbereitet hat, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Daten der kommenden Tour angekündigt werden. Das Cover des neuen Albums "Beautiful Trauma" leuchtet auf der Videowand nach der Show. Veröffentlicht wird es im Oktober 2017.

Spätestens dann werden vermutlich die Tourdaten für 2018 da sein, pünktlich zum Weihnachtsgeschäft. Dann dürfen sich Fans mit großer Sicherheit wieder auf spektakuläre Action freuen. Denn bis dahin wird P!nk körperlich sicher wieder bei 100 Prozent sein und alle Stunts und Tänze mit vollem Körpereinsatz zum Besten geben.

Setlist

Get The Party Started / U + Ur Hand / Just Like A Pill / Trouble / Leave Me Alone (I'm Lonely) / Try / Just Give Me A Reason / How Come You're Not Here / Funhouse (mit Just A Girl) / Don't Let Me Get Me / Who Knew / F**kin' Perfect / Me And Bobby McGee / Babe, I'm Gonna Leave You / 99 Luftballons / Sober / River / Just Like Fire / Blow Me (One Last Kiss) / Raise Your Glass // What About Us / So What

Alles zum Thema:

p!nk

Kommentare