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The Hooters (live in Karlsruhe, 2017) © Beatrix Mutschler

Das US-amerikanische Quintett The Hooters operiert im Karlsruher Substage fernab von Zeitgeist und schlägt sich zwischen Theatralik und einigen Fehltritten vor allem auf die Seite der Radio-Nostalgiker.

Es gibt diese Bands, die vor Jahrzehnten ihren Höhepunkt hatten, zwischenzeitlich in Vergessenheit gerieten und bei der hippen Jugend heute wieder so angesagt sind, als wären sie gerade aus dem Ei gesprungen. Fleetwood Mac oder die Pixies gehören in diese Kategorie – The Hooters definitiv nicht.

Der Sound der Band aus Philadelphia lässt sich anno 2017 regelrecht als uncool bezeichnen. Stellvertretend hängt ein Backdrop mit ausgefranster Stempel-Schrift hinter der Bühne, auf dem in großen Lettern der Bandname prangt. Designer werden an die ersten Versionen von Photoshop zurück denken.

Am Zeitgeist vorbei

Davor schmeißen sich die fünf Beach Boys der 80er in Possen, die dem schütteren Haar ein Schnippchen schlagen wollen. Kurzum: Das Gesamtpaket, das sich hier auf der Bühne präsentiert, ist so weit am Zeitgeist vorbei arrangiert, dass das schon fast wieder seinen ganz eigenen Charme hat.

Das lässt sich wiederum auch am hohen Altersdurchschnitt des Publikums ablesen. Bei der kommenden The Rolling Stones-Tour wird dieser – jede Wette – niedriger ausfallen, obwohl Mick Jagger & Co. bereits 20 Jahre vor The Hooters ins Rock'n'Roll Geschäft eingestiegen sind.

Um auch die Jugend zu begeistern, ist der Fußabdruck, den The Hooters in der Popmusikgeschichte hinterlassen haben, wohl einfach nicht groß genug. Dafür können Sie dann umso gelassener aufspielen.

Von Unsicherheit und Aufmerksamkeit

Vereinzelte Unsicherheiten beim Rhythmus, die inzwischen doch recht dünne Stimme von Frontmann Eric Bazilian und das wiederkehrende Suchen nach dem richtigen Sound sind zwar allgegenwärtig, werden von den Besuchern aber nie negativ aufgenommen. Im Gegenteil. Die Höhepunkte genießen beim Publikum dadurch nochmals gesonderte Aufmerksamkeit.

Nach dem etwas holprigen Anfang aus "I'm Alive" von ihrem 2007er Album "Time Stand Still" und "Hanging On A Heartbeat" von ihrem Durchbruchsalbum "Nervous Night" aus 1985, folgt schon recht früh einer dieser Höhepunkte. Ihr bis heute bester Song "All You Zombies" untermauert erstmals an diesem Abend die Songschreibefähigkeiten des Zweier-Gespanns Eric Bazilian und Rob Hyman, die sie im Laufe ihrer Karriere nicht immer voll abrufen konnten.

Theatralisch, obsolet

Als ähnlich gelungen lassen sich dafür etwa die weiter hinten im Set angesiedelten "And We Danced" und "Satellite" hervorheben. Diese Momente trösten über die ein ums andere Mal viel zu theatralisch aufgezogenen Cover hinweg, die insgesamt fast alle obsolet klingen.

Da sind einerseits die Stücke, die sie für andere Interpreten (mit-)geschrieben haben. Für Cindy Lauper etwa "Time After Time" und für Joan Osbourne "One Of Us" . Beide Songs spielt die Band im zweiten Zugabenblock mindestens so pathetisch wie die bekannten Hit-Versionen der beiden Sängerinnen.

Bereits im regulären Set arbeiten sie sich unglücklich am Beatles-Song "Lucy In The Sky With Diamonds" ab, den sie schon seit vielen Jahren covern, der in ihrer Version aber auch als Live-Aufnahmen auf der Best-Of-Compilation "500 Miles" nie so richtig zu überzeugen wusste.

Selbiges gilt für die Schunkelversion von Don Henleys "The Boys Of Summer". Danach muss "Karla With A K" erst die Stimmung wieder hochziehen, um zu verdeutlichen, was diese Band auszeichnet.

Gut gealtert

Das ist erstens ihr Mix aus US-amerikanischem Middle-Of-The-Road-Rock, gepaart mit irischer Folklore. Und zweitens die neben dem klassischen Rock-Instrumentarium vielfach eingesetzten Banjos, Akkordeons, Mandolinen und Blockflöten.

Letztere gibt den Auftakt zu ihrem größten Hit "Johnny B", der wegen seiner zeitweiligen Omnipräsenz im Radio zwar an Glanz verloren hat, live aber erstaunlich gut gealtert ist. Das gleiche gilt für den melodramatischen Abschluss und Tour-Namensgeber "Give The Music Back".

Mehr Dorffest als Stadion

Auch wenn einige ihrer Hits inzwischen totgespielt scheinen, zeigen gerade diese Songs, dass Radiomusik nicht immer jener effekthascherische Einheitsbrei von heute war.

Das Publikum im Substage lässt sich deshalb gerne in diese Vergangenheit entführen, trotz, oder vielleicht auch gerade weil Musik und Gebaren auf der Bühne dem familiären Dorffest häufig näher stehen als dem Stadionrock.

Setlist

Eve of Destruction / I'm Alive / Hanging on a Heartbeat / Day by Day / All You Zombies / Morning Buzz / Private Emotion / South Ferry Road / The Boys of Summer / Graveyard Waltz / 500 Miles / Lucy in the Sky With Diamonds / Where Do the Children Go / Karla With a K / Twenty-Five Hours a Day / Jigs N Reels / Satellite / Johnny B / And We Danced  // Zig Zag / Time Stand Still / Give the Music Back / One of Us / Time After Time / Pissing in the Rhine / Major Tom (Völlig losgelöst)

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