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Eagles of Death Metal live auf dem Highfield Festival 2016 © Christian Grube

Unter erhöhter Polizeipräsenz und sehr viel strikteren Sicherheitsmaßnahmen als sonst spielen die Eagles Of Death Metal in der Frankfurter Batschkapp. Ihrer Feierlaune tut dies jedoch keinen Abbruch, auch wenn sie dabei manchmal zu profan zur Sache gehen.

Es ist noch kein Jahr her, seitdem die Eagles Of Death Metal durch eine Tragödie traurige Berühmtheit erlangten, waren sie doch die Band, deren Konzert im Pariser Etablissement Le Bataclan von islamistischen Terroristen angegriffen wurde, wobei knapp 90 Zuschauer zu Tode kamen.

Wer aber geglaubt hat, dass sich Frontmann Jesse Hughes und seine Crew dadurch einschüchtern lassen würden, wird eines Besseren belehrt. Vielleicht rotziger und trotziger denn je tauchen die kalifornischen Rocker an einem lauen Spätsommerabend im Rahmen ihrer "Nos Amis"-Tour in der Frankfurter Batschkapp auf.

Erhöhte Sicherheitsmaßnahmen

Obwohl sich die Eagles Of Death Metal von den traurigen Geschehnissen in der französischen Hauptstadt wenig schockiert zeigen, herrscht rund um ihr Konzert in der Mainmetropole dennoch erhöhte Polizeipräsenz und ein etwas anderer Sicherheitsstandard als sonst.

So dürfen an diesem Abend beispielsweise keinerlei Taschen, seien sie noch so klein, in die Batschkapp mitgenommen werden. Sonstige Coolness hin oder her – ein zweites Bataclan möchte selbstverständlich keines der fünf Bandmitglieder erleben.

Tiroler Alpendröhnen

Auch die Vorband vom tragischen Pariser Novemberabend haben die Eagles Of Death Metal wieder mit auf Tour genommen. Die Österreicher von White Miles, die sich als Stoner Blues Rock definieren, bestehen aus gerade einmal zwei Personen: Zum einen ist das die kurzhaarige Sängerin und Gitarristin Medina Rekic, deren Bühnenoutfit dieses Mal aus einer hautengen Hose und, abgesehen von einem BH, aus jeder Menge Nichts unter der geöffneten Lederjacke besteht. Das zweite Mitglied ist Schlagzeuger Hansjörg Loferer, der wie ein Gestörter auf sein spartanisches Drumkit eindrischt.

Überhaupt scheint sich das Duo aus der Alpenrepublik als österreichische White Stripes zu betrachten, allerdings mit umgekehrten Vorzeichen. Es ist bemerkenswert, was die beiden zu zweit aus ihren Instrumenten herausholen. Ein wirkliches Showgefühl entsteht bei ihrem Auftritt in der Batschkapp dennoch erst beim vorletzten Song "Crazy Horse", bei dem sich Rekic vor Loferer niederkniet und später von der Bühne springt. Ansonsten wirken die White Miles über weite Strecken soundtechnisch zu dröhnend und undifferenziert, um restlos zu überzeugen.

Rock 'n' Roll im Hillbilly-Look

Als die Eagles Of Death Metal mit etwa zwanzigminütiger Verspätung auf der Bühne auftauchen, demonstriert Sänger Jesse Hughes mit seinem Outift, worum es der Gruppe primär geht – um eine Rock 'n' Roll Party. Mit seinem indianischen Federschmuck auf dem Kopf, der so gar nicht zum Rest passen will, präsentiert er sich der wartenden und mittlerweile schon etwas unruhigen Batschkapp. Bevor die Eagles Of Death Metal mit ihrem Set beginnen, lassen sie sich bei schummrigen Licht aber zunächst vom Publikum eine Runde lang ausgiebig feiern.

Dann geht mit "I Only Want You" die eigentliche Show los, die ab dem dritten Song, "Complexity" vom aktuellen Album "Zipper Down", auch so langsam richtig Fahrt aufnimmt. Mittlerweile hat der stark tätowierte Hughes auch längst seinen Kopfschmuck abgelegt und präsentiert sich den Zuschauern in schwarz-weiß gestreiftem Muskelshirt mit Hosenträgern – ein echter amerikanischer Rock 'n' Roller eben. Ebenso interessant gekleidet ist auch Gitarrist Dave Spalding, der mit Glatze, langem weißen Bart, Stirnband, Sonnenbrille und Holzfällerhemd den Hillbilly-Look geradezu verkörpert.

Die Feiermesse wird gelesen

Ein Hauch von Marihuana weht durch die Batschkapp, als sich die Eagles Of Death Metal durch ihr Set arbeiten, immer wieder unterbrochen durch Anekdoten ihres Frontmannes. So erzählt Hughes zum Beispiel von seiner Wurzelkanalbehandlung nur wenige Stunden vor dem Frankfurt-Konzert oder kokettiert mit seinen vielen Frauen und Drogenexzessen. Bei seinen Aufforderungen an das Publikum geht er schon beinahe mit der Vehemenz eines amerikanischen Südstaatenpredigers vor. Seine Interaktion mit den Zuschauern besitzt dadurch quasireligiöse Züge, bleibt aber dabei zu oft profan.

Den Fans in der Batschkapp macht diese Tatsache allerdings wenig aus, denn sie sind zum Feiern da. Inzwischen ist die Halle auch, inklusive Empore, gut gefüllt. Es gibt doch einige, die sich für Hughes interessieren und eher weniger für den Rest seiner Tourmitglieder. Das zeigt sich auch alleine schon dadurch, dass der Fokus klar auf dem Sänger liegt. Bis auf ihn und Spalding halten sich die übrigen drei Musiker sehr stark im Hintergrund. Gitarrist Eden Galindo und Bassist Matt McJunkins wirken in ihren schwarzen Hosen und Shirts farblos im doppelten Sinne. Gleiches gilt für den unauffälligen Drummer Jorma Vik.

Live ganz anders

Sie sind sowieso eine interessante wie seltsame Konstruktion, diese Eagles Of Death Metal. Wie einst bei Trent Reznor und seinen Nine Inch Nails gibt es – momentan zumindest – eine strikte Trennung zwischen dem Live-Lineup und der Studiobesetzung, die lediglich aus Hughes und Queens Of The Stone Age-Mastermind Josh Homme besteht. Auf der Bühne sind diese Eagles also ein ganz anderes Biest als bei Aufnahmen. Hier steht der Frontmann klar im Mittelpunkt. Er alleine hat das Publikum in der Hand, so auch an diesem Abend in Frankfurt.

Daher ist es dann auch wenig verwunderlich, dass Hughes nach Abschluss des gerade einmal knapp einstündigen regulären Sets und einer ausgiebigen Pause zunächst alleine auf die Bühne zurückkehrt, um, mit Gitarre bewaffnet, gleich vier Solonummern zum Besten zu geben. Dass der Zugabenteil dabei zeitlich fast an den ersten Teil der Show herankommt, ist eine weitere Eigenheit der Eagles Of Death Metal. Hughes bittet nämlich den Rest seiner Truppe nach diesem Soloexkurs wieder zurück auf die Bühne. Ab diesem Moment kann man dann auch von den eigentlichen Zugaben sprechen.

Wie von einem anderen Stern

Das Highlight und die musikalisch wohl deutlich beste Nummer des Abends ist das folgende Cover von David Bowies "Moonage Daydream", zu dem der Frontmann in knallroter Jacke mit schwarzem Bowie-Aufdruck erscheint. Es entbehrt allerdings nicht einer gewissen Ironie, dass gerade der so maskuline Hughes völlig in diesem Stück aufzugehen scheint, war Ziggy Stardust doch die personifizierte Androgynität. Bei dem Song dürfen sich dann auch endlich die beiden Gitarristen austoben, die auch direkt zeigen, dass sie womöglich mit den sonstigen Eagles Of Death Metal-Nummern leicht unterfordert sind.

Gleich danach macht Hughes seinem Ruf erneut alle Ehre. Er zieht ein Bier auf Ex ab und verrät dem belustigten Publikum seinen deutschen Lieblingsausdruck, "meine Dame Muschikatze." Den Abschluss der Show in der Batschkapp bilden dann die von den Fans sehnsüchtig erwarteten Hits der Band. Anhand von "I Want You So Hard (Boy’s Bad News)" und "Speaking In Tongues" beweisen sie, dass auch ihr alternativer Garagenrock tanzbar sein kann und werden dafür von ihren Fans zum Dank am Ende der etwa anderthalbstündigen Show ausgiebig gefeiert.

Setlist

I Only Want You / The Reverend / Complexity / Whorehoppin’ (Shit, Goddamn) / Silverlake (K.S.O.F.M.) / Oh Girl / Save A Prayer / Now I’m A Fool / Skin-Tight Boogie / Wannabe In L.A. / I Love You All The Time // Midnight Creeper / Miss Alissa / Cherry Cola / I’ll Blow You A Kiss In The Wind / Moonage Daydream / I Want You So Hard (Boy’s Bad News) / Speaking In Tongues

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