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Santana (live in Stuttgart, 2016) © Dieter Reimprecht

Der Auftritt von Santana sorgt bei den Jazzopen Stuttgart für tanzende Zuschauer und glückliche Gesichter - all das bei idealem Wetter. Was gibt es zu bemängeln? Nicht viel, außer einer sehr wichtigen Sache.

Nach vielen regnerischen und kühlen Abenden hält passend zum Konzert von Santana der Sommer Einzug in Stuttgart. Das ist auch gut so, denn wer mag schon gerne zu feurigem Latin-Rock unter dem Regenschirm erleben?

So ist das Stuttgarter Publikum sehr gut gelaunt, bisweilen euphorisch und sorgt dadurch für eine exzellente Stimmung auf dem mit 6500 Zuschauern ausverkauften Schlossplatz.

Mächtiger Rhythmus

Auch Carlos Santana präsentiert sich in guter Form. Seine Band sorgt mit zwei Drummern (Ehefrau Cindy Blackman und Karl Perazzo) plus Conga-Spieler Paoli Mejias-Ramos für einen mächtigen Rhythmus, der die Zuschauer ständig in Bewegung hält.

Man kann bemängeln, dass der Sound insgesamt sehr einheitlich ist, aber eigentlich war das bei Santana schon immer so. Besser ist es also, diese mächtige Wand aus Musik zu bewundern, die Carlos Santana und Band entfachen und sich davon einfach tragen zu lassen. 

Alte Ideale

Carlos Santana zeigt sich an diesem Abend gelöst, aber stets konzentriert. Er steht an der Spitze einer gut geölten Maschine, die nie ins Stocken gerät. Wenn er dazu seinen charakteristischen Gitarrensound erklingen lässt, ist die Welt in Ordnung. Seine Fingerfertigkeit ist auch in der sechsten Dekade als Musiker ungebrochen und seine Ausdrucksstärke vom Alter bislang kaum beeinträchtigt.

Als unzerstörbar erweisen sich auch die Hippie-Ideale von "love, peace and happiness". Santana ist es wichtig, eine Botschaft des Friedens und der Verständigung zu verkünden, die im Lauf des Abends immer wieder aufs Neue betont wird. 

Ausgewogenes Programm

So verwandelt sich auch "A Love Supreme", das zutiefst persönliche Stück von John Coltrane in eine Hymne der Menschlichkeit. Da es sich bei "A Love Supreme" um ein unantastbares Werk handelt, ist das grenzwertig, auch wenn Opener Dr. Lonnie Smith an der Orgel mitwirken darf und Santana die Komposition gemeinsam mit John McLaughlin auf "Love, Devotion, Surrender" im Jahr 1973 kongenial interpretiert hat.

Das ändert nichts daran, dass Santana ein ausgewogenes Programm bieten, das auf die frühen klassischen Songs der ersten drei Alben ebenso wenig verzichtet wie auf die späten Hits von "Supernatural" und ein Stück vom aktuellen Album "Santana IV". 

Sänger als Animateure

Eigentlich stört an diesem Abend nur eines und das sind die Sänger Andrew Vargas und Ray Greene. Mit ihren dünnen Stimmchen gelingt es ihnen kaum, sich Gehör zu verschaffen und wenn sie durchdringen, klingen sie flach und uninspiriert.

Schlimmer noch, mit ihren ständigen Aufforderungen an das Publikum, wirken sie wie drittklassige Animateure aus einem Beach-Resort. Was hat sich Santana nur gedacht, als er sich diese Sänger ausgesucht hat? 

Positive Stimmung

Zum Glück ist der Gesang bei einem Santana-Konzert meistens zweitrangig. Lieder wie "Evil Ways", "Oye como va" und "Jingo" kommen ohne viel Gesang aus. Aber wenn ein Lied über einen richtigen Text verfügt wie "Maria, Maria" oder "Smooth", dann kann man sich sicher sein, dass die beiden Sänger die Aufgabe gehörig in den Sand setzen. 

Das Publikum scheint sich daran aber gar nicht zu stören, wie überhaupt die positive Stimmung an diesem Abend besticht. Trotz der schwachen Sänger war es ein schöner, warmer Abend mit mitreißender Musik – so kann der Sommer weitergehen.

Setlist

Soul Sacrifice / Love Makes the World Go Round / Freedom in Your Mind / Maria Maria / Foo Foo / Europa (Earth's Cry, Heaven's Smile) / Jingo / Evil Ways / A Love Supreme / Corazón Espinado / Love, Peace and Happiness / Right On->Umi Says / Shine / Black Magic Woman->Gypsy Queen / Oye como va // Smooth / Toussaint L'Ouverture

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