Wenn Carlos Santana seine Gitarre ergreift und zu spielen beginnt, entstehen immer besondere Momente. In Köln wird er vom ersten bis zum letzten Song abgefeiert. Dennoch ist der Abend nicht ganz sorgenfrei.

Als Carlos Santana mit seiner Band die Bühne betritt, hält er sich zunächst sehr zurück. Er überlasst das Opening in weiten Teilen seiner Rhythmus-Gruppe.

Seine Frau Cindy Blackman am Schlagzeug und die beiden Percussion-Spieler Karl Perazzo und Paoli Mejías feuern zu "Aurora Borealis", einem Stück des Percussionspielers Louis "Sabu" Martinez, ein krachendes Klanggewitter ab.

Berechtigte Sorge

Sehr auffällig ist schon zu Beginn, dass Carlos Santana während des Konzerts größtenteils sitzt. Wenn er aufsteht und sich bewegt, wirkt er beim Laufen unsicher und er geht auffallend langsam. Es gibt durchaus Gründe, sich Sorgen um seine Gesundheit angesichts der Strapazen einer solchen Tour zu machen. 

Seinem grandiosen Gitarrenspiel steht das allerdings nicht im Weg. Auch sitzend zelebriert Carlos Santana mit seiner Band "Soul Sacrifice" und lässt dabei seine Gitarre wie gewohnt kraftvoll und durchdringend erklingen.

Wer braucht Sitzplätze?

Beim rhythmischen Feuerwerk von "Jin-Go-Lo-Ba" erklingen dann erstmals zu den Latin-Klängen die Stimmen der Sänger Andy Vargas und Ray Greene. Hier steht auch Santana kurz auf und spielt ein Rhythmusinstrument, bevor er dem Song wieder mit seinen Gitarrenklängen befeuert. Das Publikum rastet schon jetzt aus. Viele Zuschauer tanzen direkt vor der Bühne, springen und klatschen im Rhythmus. 

Mit "Evil Ways" wird der Sound unter dem Gesang von Ray Greene etwas souliger und auch Keyboarder David K Mathews spielt seinen ersten Solopart des Abends. Die fantastischen Soloeinlagen von Santana stehen natürlich im Mittelpunkt des Konzerts. Dennoch lässt er auch seine Sänger und Musiker immer wieder glänzen.

Spotlight

Ohne Unterbrechung mit fließendem Übergang wie schon seit Beginn des Konzerts wird es plötzlich dunkel in der Arena. Nur Carlos Santana sitzt im Spotlight und es erklingen die ersten Töne von "Black Magic Woman". Das reicht schon, innerhalb von Sekunden stehen fast alle Zuschauer in der Arena auf. Die elektrisierenden Klänge der Gitarre von Santana sorgen für Gänsehaut im Saal.

Mit "Gypsy Queen" geht es ebenso elektrisiernd weiter. Um die Gitarre von Santana herum feuern die Percussions und auch jetzt gibt es begeisterte Standing Ovations. Ausgelassen getanzt wird in den ersten Reihen zu "Oye Cómo Va", während Santana und David K Mathews mit Gitarre und Keyboard im Duett glänzen.

Superhit

Von einem Superhit unter all den fantastischen Liedern von Santana zu sprechen, ist fast unfair. Dennoch ragt "Maria, Maria" mit seinen Verkaufszahlen und Chartplatzierungen noch über alle anderen hinaus. Außerdem ist es ein Song, den wohl fast jeder Musikfan mitsingen kann. Auch in Köln wird dieser Song lauthals mitgesungen und abgefeiert.

Das stimmungsgeladene "Foo Foo" mit seinen energetischen Rhythmen sorgt ebenso für beste Stimmung und auch hier springen viele Fans in den ersten Reihen auf und ab. Nach "Everybody's Everything" sorgt Bassist Benny Rietveld mit seinem Bass-Solo und Unterstützung von Cindy Blackman für das nächste Highlight. Eingebettet ist darin ein Snippet von "Iron Man" zu Ehren des kürzlich verstorbenen Ozzy Osbourne. 

Die einsame Gitarre

Nach dem Bass-Solo wendet sich Carlos Santana erstmals ans Publikum. Er spricht von "Happiness, Unity and Joy All Over The World". Später sendet er noch eine stärkere Botschaft. Zunächst folgt aber mit "Samba Pa Ti" der nächste Gänsehautmoment.

Santana sitzt ganz vorne neben dem Keyboarder am Bühnenrand im Spotlight. Die magischen Klänge der einsamen Gitarre, die förmlich die Luft durchschneiden, sind einfach jedesmal ein Erlebnis. Dazu passt im Anschluss auch "Europa (Earth's Cry, Heavens Smile), an dessen Ende nun bildlich zur Botschaft auf der Videowand die Friedenstaube fliegt.

Der Gast-Gitarrist

Zur Abwechslung gibt es mit "Me Retiro" wieder heiße, spanische Rhythmen. Für die zwei folgenden Songs kommt zusätzlich ein Gast-Gitarrist auf die Bühne. Micki Free ist ein Native American, der unter anderem 1986 gemeinsam mit Harold Faltermeyer und anderen Musikern einen Grammy für den Soundtrack von Beverly Hills Cop gewann.

Während "Hope You're Feeling Better" spielen Micki Free und Carlos Santana ein krachend heulendes Gitarrenduett, welches die Zuschauer lautstark abfeiern. Ebenso lassen sie Gitarren zu der Hitmelodie von Michael Jacksons "Thw Way You Make Me Feel" erklingen. Der ansteckende Rhythmus lässt das Publikum wieder tanzen und viele Zuschauer singen mit.

Drei starke Worte

Heiß abgefeiert wird auch "(De La) Yaleo", während "Put Your Lights On" mit seiner dramatischen Melodie für viele geschwenkte Handylichter im Saal sorgt. Hier hat Gitarrist Tommy Anthony als Sänger seinen Solomoment. Zu den Klängen und dem Gesang von "Corazòn Espinado" singen und tanzen wieder alle Zuschauer in der Halle.

Vor der Zugabe spricht Carlos Santana noch einige sehr deutliche Worte. Mit nur drei Worten: "War is weak" richtet er sich direkt an Russland, China und Nordkorea und spricht weiter, zeigt dabei seine Haltung gegen Atomwaffen und für Frieden.

Grandioses Finale

Dann lässt er wieder die Musik sprechen. Seine Finger fliegen über die Saiten seiner Gitarre, lassen "Touissant L'Ouverture" als mächtiges Spektakel erklingen. Der letzte Solomoment gehört Cindy Blackman bei ihrem Drum Solo, bevor Carlos Santana seinen letzten Song des Abends spielt.

Mit "Smooth" lässt Carlos Santana seine Gitarre nochmal durch die Halle heulen, während das Publikum den Song klatschend und singend abfeiert. Mit begeistertem Applaus wird Carlos Santana am Ende vom Publikum verabschiedet. Die letzten Worte des Sängers: "See you next time" lassen hoffen. Die Sorge bleibt dennoch.

Setlist:

Aurora Borealis (Intro) / Soul Sacrifice /  Jin-Go-Lo-Ba / Evil Ways / Black Magic Woman / Gypsy Queen / Oye C'ómo Va / Maria Maria / Foo Foo / Everybody's Everything / Bass Solo / Samba Pa Ti / Europa (Earth's Cry, Heavens Smile) / Me Retiro / Hope Your Feeling Better / The Way You Make Me Feel / (Da Le) Yaleo / Put Your Lights On / Corazón Espinado // Touissant L'Ouverture / Drum Solo / Smooth