Rihanna (2015)

Rihanna (2015) © Universal Music

Nach den letzten Erfahrungen mit Rihanna, als sie ihre Songs häufig als Partymusik mit basslastigem Dauergehämmer präsentierte, ist das Konzert in Hamburg eine positive Überraschung. Dennoch bleibt auch hier am Ende ein großer Kritikpunkt.

Als Konzerteröffnung scheint es immer mehr in Mode zu kommen, die Show mitten unter den Zuschauern zu beginnen. So bricht auch in Hamburg plötzlich Hektik unter den Besuchern im Innenraum aus, als Musik ertönt und eine Gestalt im weißen Kapuzenanzug den Gang zwischen dem Front of Stage-Bereich und den normalen Stehplätzen entlang läuft. Ja, es ist Rihanna.

Während sie (noch verhüllt) "Stay" singt, zeigen sich schon erste erfreuliche Merkmale des Konzerts. Die bei ihren letzten Touren häufig viel zu stark eingesetzten Bässe bleiben diesmal angenehm im Hintergrund. Endlich lässt sie wieder ihre starke Gesangsstimme erklingen. Sie betritt die kleine Vorbühne im Innenraum und nimmt unter dem Jubel des Stadions ihre Kapuze ab. Als von oben dann eine durchsichtige Laufbrücke an Seilen herabfährt, steigt sie drauf.

Tiefe Einblicke

Alle Fans, die im Front of Stage Bereich stehen, können Rihanna nun hautnah erleben. Mit Riesenschritten stampft sie über die Brücke, die jetzt genau über den Fans hängt. Sie singt zuerst "Love The Way You Lie". Dann tanzt sie zu "Woo" über die Brücke und lässt ihren wippenden Body für sich sprechen. Prüde war Rihanna noch nie, sondern sie zeigt selbstbewusst ihren Körper. Das steigert sich passenderweise noch mit "Sex With Me", als sie erst auf die Knie fällt und sich schließlich lasziv auf dem durchsichtigen Boden der Brücke räkelt.

Schließlich fährt aus der Bühne ein großer Würfel hoch. Die Brücke landet, Rihanna steigt ab und der Würfel fährt wieder runter und mit ihren vier Tänzerinnen, die von hinten dazu kommen, tanzen sie gemeinsam zu "Birthday Cake". Rihanna, nun ohne Umhang in ihrem weißen Stoffdress, singt und lacht dabei, streckt die Zunge raus und hat offenbar richtig Spaß, während das Publikum im Rhythmus mitklatscht.  

Pure Energie

Aus dem Boden fährt die Band hoch und mit ihrem Hit "Numb" steigt der Energieleevel im Stadion spürbar an. Auf den Sitztribünen lassen sich vor allem die jungen Mädchen von Rihanna anstecken und tanzen wie wild, auch wenn einige mehr darauf aus sind, sich in Posen zu stellen und Selfies mit Rihanna im Hintergrund zu schießen. Trotzdem rastet jetzt das Stadion erstmals richtig aus, bevor die Sängerin zum ersten Kostümwechsel kurz verschwindet.

Nun im beige-braunen, eng geschnürten Anzug, steigt sie wieder ein mit "Live Your Life", in den auch der Mix des alten Partyhits "Dragosta Din Tei" eingebaut ist. Hier zeigt sich der Trend für den Rest der Show. Oft werden Songs nur teilweise angespielt oder mit anderen Titeln vermischt. Die Show hat viel Tempo, aber wirkt dadurch auch stellenweise etwas gehetzt. So kommt Rihanna schnell über "All Of The Lights" zu ihrem Megahit "Umbrella". Das ganze Stadion singt diesen Song mit und alle schreien frenetisch am Songende.

Die Band rockt

Erst jetzt spricht Rihanna erstmals zu ihrem Publikum: "I missed my German fans". Dann geht es aber schon weiter mit "Desperado". Jetzt darf die Band erstmals richtig aufdrehen. Leadgitarrist und Schlagzeuger feuern los. Das ist richtige Musik und nicht der verzerrte Plastikpop, den Rihanna früher oft gezeigt hat. Nun tanzen drei ihrer Tänzer einen Mix aus Streetdance und Crumping, bis dann Rihanna wieder erscheint. Im braunen Kapuzenmantel sieht sie aus wie ein Yedi-Ritter aus Star Wars. Darunter trägt sie ein fast druchsichtiges Kostüm glitzerndem Oberteil und vielen Fransen. Sie singt "Man Down" und wieder rastet das Stadion aus.

Weiter geht die Party mit "Rude Boy" und "Work". Die Ränge tanzen und Rihanna selbst ruft: "It's party time". Der Mix aus "We Found Love" und "How Deep Is Your Love" ist ein Höhepunkt der Show, so elektrisierend, das kaum jemand noch still sitzen kann. Am Ende tanzt Rihanna sich mit "Where Have You Been" fast in einen Rausch und versinkt mit wackelndem Hintern im Bühnenboden.

Funkelnde Diamanten

Das vierte Kostüm ist eine eng geschnürte Corsage. Damit und mit Riesenbrille erscheint Rihanna wieder. Schließlich fordert sie alle Handylichter als Untermalung für "Diamonds". Ein tolles Bild. Schaum fällt auf die Bühne wie Schnee, Rihanna singt, getragen von ihrer Band, aus vollem Hals und zeigt ihr ganzes stimmliches Repertoire. 

Schließlich krönt sie die Show mit "FourFiveSeconds", als sie am Ende ohne Musik singt, während das Publikum den Rhythmus klatscht. So biegt sie auf die Zielgerade ein und präsentiert als eigene Lieblingssongs aus ihrem neuen Album "Anti" noch "Love On The Brain" und "Kiss It Better". Am Ende läuft sie die Bühne rechts und links ab, winkt und bedankt sich bei den Zuschauern und verlässt nach nur 85 Minuten ohne Zugabe die Bühne.

Gut, aber zu kurz

Als Fazit bleibt eine Show, die qualitativ deutlich besser war als viele Shows der letzten Jahre. Endlich stellt Rihanna ihre Stimme wieder ins Zentrum der Show und präsentiert kein albernes Partygehopse mit alles überhämmerndem Dauerbass. Mit richtiger Band und ihrer tollen Stimme wirkt das alles viel echter.

Dennoch waren die Fans ein wenig enttäuscht, dass sie ohne Zugabe letztlich zu kurz für die teuren Tickets gespielt hat, obwohl sie eigentlich genügend Hits für weitaus längere Shows hat. Andere Musiker verstehen es, Stadionkonzerte in ein einmaliges Erlebnis zu verwandeln. Um auf dieses Level zu kommen, muss Rihanna noch zulegen.

Setlist

Stay / Love the Way You Lie (Part II) / Woo / Sex With Me / Birthday Cake / Pour It Up / Numb / Bitch Better Have My Money / Goodnight Gotham / Consideration / Live Your Life -> Run This Town -> All of the Lights / Umbrella / Desperado / Man Down / Rude Boy / Work / Take Care (Remix) / We Found Love / Where Have You Been / Needed Me / Same Ol' Mistakes / Diamonds / FourFiveSeconds / Love on the Brain / Kiss It Better

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