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Joe Bonamassa (live in Frankfurt, 2016) © Saron Duchardt

Es ist unglaublich, auf welch hohem Niveau Joe Bonamassa jeden Abend auf der Bühne steht und mit seiner Band sein Publikum begeistert. In der Jahrhunderthalle Frankfurt spielt er sich selbst in einen Rausch und nimmt die Zuschauer komplett mit.

Mit einem eingespielten Bandintro des Johnny Cash-Klassikers "Ring Of Fire" betreten die Musiker rund um Joe Bonamassa die Bühne. Dann ertönen die ersten Liveklänge des Jethro Tull-Klassikers "Locomotive Breath", während die Bühne noch komplett dunkel ist. Das erste Spotlight gehört Reese Wynans am Keyboard, der leise die Melodie vorgibt.

Gute Voraussetzungen

Plötzlich explodiert die Bühne förmlich, als das volle Licht angeht und die Band mit krachendem Gitarrensound das Gaspedal direkt durchdrückt. Joe Bonamassa und sein Bassist Michael Rhodes stehen sich gegenüber und schaukeln sich gegenseitig hoch. Nach rund acht Minuten Vollgas gibt es Riesenapplaus vom Publikum und direkt das erste "Thank You" von Joe Bonamassa.

Ein gutes Zeichen. Wenn Bonamassa gleich zu Beginn zum Publikum spricht, zeigt das seine gute Laune. Im Gegensatz zum Auftritt in Stuttgart 2015, als er seine Bestform erst im Verlauf des Konzerts erreicht, spielt er in Frankfurt direkt auf höchstem Level. Auch wenn diesmal nur fünf statt sieben Musiker auf der Bühne stehen, bietet er von Anfang an eine Show der Extraklasse.

Die Lokomotive

Der Song "Locomotive Breath" liefert den perfekten Einstieg in ein komplettes musikalisches Thema. Denn die nächsten zwei Songs "This Train" und "Mountain Climbing" verschmelzen zu einem Gesamtkunstwerk. Mit den Gitarren und den Beats von Drummer Anton Fig ergibt sich daraus das akustische Erlebnis einer alten, tonnenschweren Dampflok. Man kann es fast visualisieren, wie das gusseiserne Monstrum, deren Kolbenschlag von den Musikern perfekt vertont wird, durch die Berge der Rocky Mountains zieht. Als dann Reese Wynans gleichzeitig mit der linken Hand am Piano spielt und mit der rechten Hand seine alte Hammond-Orgel ertönen lässt, rastet das Publikum endgültig aus.

Beide Songs wie auch die zwei folgenden Titel sind Vorboten des neuen Albums, das Ende März erscheinen wird. Der Titelsong "Blues Of Desperation" ist das nächste große Stück des Abends. Joe Bonamassa beginnt mit voll aufgedrehtem Sound, der aber phasenweise sehr leise wird. Aus diesen kunstvoll inszenierten Ruhephasen heraus jagt er seine Gitarre immer wieder gnadenlos hoch. Auch "No Good Place For The Lonely" wird zur brillanten Darbietung, als Joe Bonamassa am Bühnenrand steht und sich so in den Song reinsteigert, dass sein Gesicht sich mit den Gitarrensaiten mitzubewegen scheint. Das Publikum belohnt die Performance mit dem bis dato größten Applaus des Abends.

Die Könige des Blues   

Joe Bonamassa liebt es, bei seinen Shows immer wieder die Klassiker der alten Blueslegenden zu spielen. Bei seiner Tour 2016 stehen die drei Könige des elektrischen Blues im Mittelpunkt. Zuerst spielt er "See See Baby" von Freddie King. Der stilistische Unterschied zum ersten Teil ist offensichtlich. Während dort einzelne Musiker in den Vordergrund traten, steht jetzt die Bandharmonie im Mittelpunkt. Joe Bonamassa dominiert immer noch, aber er steht nicht allein, sondern hebt sich aus der Gesamtharmonie heraus.

Noch deutlicher wird das bei "Never Make Your Move Too Soon" der 2015 verstorbenen Blueslegende B.B. King. Der dritte König ist Albert King, bei dessen Song "Angel Of Mercy" die Band das Gaspedal wieder voll durchdrückt. Sie feuern ein gewaltiges Gitarren-Gewitter an Gitarrensound und gehen direkt über in das Jimi Hendrix-Cover "Hey Baby". Zum Abschluss legt Drummer Anton Fig noch ein gefeiertes Up-Tempo-Solo hin, während Joe Bonamassa am Ende beim Schlussakkord auf einer flachen Box am Bühnenrand steht.

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Musik ist Schmerz

Nun mit mintgrüner Gitarre bewaffnet steht Joe Bonamassa einsam im Scheinwerferlicht, während seine Stimme wie Donnerhall ertönt mit den Worten: "Oh Beautiful!". Jetzt folgen die Songs seines Erfolgsalbums "Different Shades Of Blue". Dieser Song ist inzwischen ein echter Klassiker unter den vielen großen Bonamassasongs. Wie immer singt er zuerst, dann lässt er die Gitarre aufheulen und legt ein grandioses Solo hin, bevor er am Ende wieder singt. Am Ende erheben sich die ersten Zuschauer für Standing Ovations.

Nach diesem Song fängt Joe Bonamassa tatsächlich an zu sprechen. Er bedankt sich für zwei tolle Konzertabende in Frankfurt mit zusammen rund 6.000 Besuchern. Am Ende spricht er aus, was viele Zuschauer schon vermutet haben: "My hands have exploded tonight, but music is pain".

Alter Song in neuem Stil

Zunächst spielt er "Love Ain't A Love Song", wobei er im Verlauf des Songs die Lautstärke immer weiter drosselt, bis fast nur noch das Schlagzeug im Hintergrund zu hören ist. Voll konzentriert gleiten seine Finger virtuos über die Gitarrensaiten. Das Publikum saugt fasziniert jeden zarten Ton auf, den Joe Bonamassa erklingen lässt, um dann wieder plötzlich mit voller Wucht einzusetzen.

Dann greift er zu einer schwarzen Gitarre – ganz wie früher B.B. King mit seiner Lucille – und setzt zu einem weiteren Song der Bluesikone an. Er spielt aber "Nobody Loves Me But My Mother" nicht einfach nur, sondern interpretiert diesen Song im eigenen Stil als modernen Blues-Rock und verwandelt ihn so in seinen eigenen Song.

Der letzte Song aus "Different Shades of Blue" ist dann "I Gave Everything For You, 'Cept The Blues". Wieder setzt Joe Bonamassa zu einem genialen Solo an, dann setzt er ab und spielt immer wieder kurze Sequenzen an, die von einem Tusch der Band beendet werden. Das wiederholt sich etwa 25 bis 30mal. 

Pure Gänsehaut 

War das Konzert bis hierhin schon großartig, folgt jetzt der Höhepunkt. Mit dem Tim Curry Cover "Sloe Gin" setzt er seine durchdringende Stimme ein. Der Sound ist so intensiv, dass man die pure Gänsehaut am ganzen Körper spürt. Joe Bonamassa holt immer grandiosere Sequenzen aus seiner Gitarre heraus und alles endet mit Standing Ovations gefolgt von einem Sturm zur Bühne. Das Publikum strömt nach vorne zum Bühnenrand, es wird geklatscht und getrampelt, als "The Ballad Of John Henry" ertönt. Zwei junge Fans klettern sogar auf die Stühle und machen auf Bühnenhöhe ein Selfie mit Joe Bonamassa im Hintergrund.

Dem kurzen Bühnenabgang zur Zugabe folgt "All Aboard", ein Cover von Muddy Waters. Ihm und Howlin Wolf widmete Joe Bonamassa kürzlich ein besonderes Konzert auf der berühmten Open Air Bühne in Red Rocks nahe Denver. Jetzt wird dieser Song zum Duell der Giganten. Joe Bonamassa an der Gitarre und Reese Wynans am Keyboard spielen abwechselnd und pushen sich gegenseitig ein letztes Mal hoch. Damit endet die Show nach über 2 Stunden mit Standing Ovations des begeisterten Publikums. Wenn Weltklasse auf Spielfreude trifft, dann entstehen großartige Konzerte wie das von Joe Bonamassa in Frankfurt.      

Setlist

Intro: Ring Of Fire / Locomotive Breath / This Train / Mountain Climbing / Blues Of Desperation / No Good Place For The Lonely / See See Baby / Never Make Your Move Too Soon / Angel Of Mercy / Hey Baby / Oh Beautiful! / Love Ain't A Love Song / Nobody Loves Me But My Mother / I Gave Everythng For You, 'Cept The Blues / Going Down / Sloe Gin / The Ballad Of John Henry // All Aboard

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