Als die Band rund um Joe Bonamassa die Bühne der SAP Arena in Mannheim betritt, fallen den langjährigen Besuchern seiner Konzerte viele neue Gesichter auf. Übrig geblieben sind aktuell nur die beiden Backgroundsängerinnen Jade Macrae und Danielle DeAndrea.
Neben den beiden Gitarristen Josh Smith an der Gitarre und Calvin Turner am Bass ersetzt Lemar Carter den langjährigen Schlagzeuger Anton Fig. Leider auch nicht mehr dabei ist der legendäre Keyboarder Reese Wynans, der die Band Ende 2025 verlassen hat. Seit Februar 2026 gehört nun der Australier Lachy Doley am Keyboard fest zur Stammbesetzung.
Das neue Album
Die ersten zwei Songs des Abends sind auch die ersten beiden Songs seines aktuellen Albums. Der Titelsong "Breakthrough" ist ein elektrisierendes Feuerwerk an Gitarrenriffs, garniert mit funkigem Groove und in der Mitte einem mitreißenden Solo von Lachy Doley an der Hammond-Orgel.
Dagegen ist "Trigger Finger" mehr der klassische Blues-Rock, bei dem Joe Bonamassa mit seinen typisch langen Soloparts total im Zentrum steht und seine Spielkunst an der Gitarre zelebriert.
Verehrung großer Künstler
Joe Bonamassa zeichnet sich seit Jahren dadurch aus, dass er immer wieder große Musiker vergangener Tage bei seinen Konzerten interpretiert. Mit "Twenty Four Hour Blues" aus dem Jahr 1974 greift er einen Klassiker des berühmten Soul- und Bluesmusikers Bobby Bland auf.
Die elektrisierenden Gitarrenriffs durchschneiden den wieder sehr souligen Groove, während Jade Macrae und Danielle DeAndrea dem Song mit ihren Stimmen den emotionalen Soultouch verleihen.
Fingerspiele
Der nächste Song "Well, I Done Got Over It" aus dem Jahr 1953 stammt von Eddie Jones, besser bekannt als Guitar Slim. Hier wechselt er wie schon so oft in sein bekanntes Wechselspiel zwischen laut und leise. Nach einem furiosen Gitarrensolo samt kurzem Zwischenapplaus des Publikums entlockt er seiner Gitarre zart gezupfte, aber dennoch rhythmisch mitreißende Klänge.
Voller Inbrunst versinkt Joe Bonamassa in seinem Fingerspiel und erzeugt in höchstem Tempo ein kleines, gedämpftes Temposolo, bevor er den Song mit wieder höchster Energie zu Ende bringt.
Sanfte Ballade
Zur Abwechslung spielt Joe Bonamassa einen seiner eigenen Klassiker. Die sanfte Rock-Ballade "Happier Times" ist am Anfang schwingender Groove, bei dem er dennoch seine Gitarre immer wieder aufheulen lässt. In der Mitte und am Ende bricht der Song zu einem gewaltigen Rock-Gewitter aus.
Der groovig soulige Touch des neuen Albums "Breakthrough" zeigt sich auch beim dritten Song "Drive By The Exit Sign". Durch den Gitarrensound hindurch erklingen die Stimmen der Backgroundsängerinnen, deren Stimmen jetzt voll zur Geltung kommen und die im Hintergrund auch kleine Tanzeinlagen abliefern.
Ein Meisterwerk des ätherischen Blues ist "The Last Matador Of Bayonne". Die Besucher können vollständig in die einsamen Klänge der Gitarre versinken, während die Musik der Band um diese Klänge herum schwebt.
Soloeinlagen
Bei "Pack It Up", einem Klassiker von Freddie King, dürfen die Bandmitglieder nun mit ihren Soloparts glänzen. Lachy Doley bringt die Hammond-Orgel zum Glühen und Josh Smith fliegt mit den Fingern gekonnt über die Gitarrensaiten. Wieder explodiert der Song mit dem an diesem Abend sehr präsenten funkigen Groove.
Weiter geht der soulige Funk mit dem Klassiker "Well, Well". Auch hier gibt es diverse Einlagen zu hören von der Hammond-Orgel über ein energetisches Schlagzeug-Solo von Lemar Carter bis hin zum kraftvollen Soulgesang der beiden Ladies im Hintergrund.
Auch der Texas Blues von "I Want To Shout About It", ein Hit von Ronnie Flex And The Broadcasters, ist eine soulige Explosion, bei dem die Ladies mit ihren Stimmen brillieren.
Tausendfach gespielt
Dem dynamischen "It's Hard But It's Fair" von Bobby Parker folgt mit "A Million Miles Away" von Rory Gallagher ein weiterer Blues-Rock Powersong. Am Ende lässt sich Joe Bonamassa vom Publikum gebührend abfeiern.
Die Zugabe ist dann ein alter Klassiker. Die Zuschauer springen von ihren Sitzen auf und stürmen zur Bühne. Laut seiner Aussage schon tausendfach gespielt ist "Mountain Time" einfach nur purer Genuss. Joe Bonamassa entlockt seiner Gitarre wieder so grandiose Töne, fast eine Art sanft heulendes Winseln.
Es ist der perfekte Abschluss eines wieder einmal grandiosen Konzerts, bei dem sich Joe Bonamassa doch das eine oder andere Mal gerne abfeiern lässt. Die Geste, wenn er die Sonnenbrille abnimmt und die Arme ausbreitet, lädt jedenfalls sehr zum Applaus ein.
Setlist:
Breakthrough / Trigger Finger / Twenty Four Hour Blues / Well, I Done Got Over It / Happier Times / Drive By The Exit Sign / The Last Matador Of Bayonne / Pack It Up / Well, Well / I Want To Shout About It / It's Hard But It's Fair / A Million Miles Away // Mountain Time









