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Sleep Kit (live in Mannheim, 2016) © Alex Schäfer

Der winterliche Bruder des Mannheimer Brückenawards ging am 9. Januar in die fünfte Runde. Sechs Bands wurden von den Organisatoren zum 5. Winteraward eingeladen und lieferten einen Rundumschlag des elektronisch verstärkten Saitenanschlags.

Es bezweifelt wohl niemand, dass der Winteraward fest zur Mannheimer Kulturlandschaft gehört. Und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass zahlreiche Besucher der Einladung des Brückenaward e.V. am 9. Januar folgen, um zum 5. Winteraward im Forum Mannheim zwecks Verköstigung erstklassiger Klänge zusammenzufinden.

Eine Institution

Bereits vor dem Auftritt der ersten Band des Abends wuselt es in und vor den Räumen des Forums. Die Gäste stehen vor Deutschlands womöglich einziger Biergarderobe, um mitgebrachte Flüssigkeiten ordnungsgemäß verstauen zu lassen, um bei Bedarf wieder darauf zurückgreifen zu können. Im Konzertsaal selbst steht das offene Büffet, das über den Abend hinweg wie die Gezeiten anschwillt und abebbt.

Ebenso wie das Büffet darf das Freibier (gespendet von regioactive.de) nicht fehlen. Geldsorgen sollte hier aber niemand haben. Eintritt wird traditionell nicht verlangt und die Bar punktet mit studentenfreundlichen Preisen und nicht minder freundlichen MitarbeiterInnen. Man ist und fühlt sich willkommen.

Brachial

Den Abend eröffnen um 18:00 Uhr Stagwounder aus Heidelberg. Die fünfköpfige Band hat sich dem Doom Metal verschrieben und greift von Anfang an brutal in die Seiten. Die schweren Riffs hallen gemeinsam mit dem vielfach verzerrten Gesang durch den Saal und treffen auf willige Ohren. Denn die Bude ist zwar noch nicht gerappelt voll, viele Kuttenträger glänzen aber bereits durch Anwesenheit. Es werden Köpfe mit daran befindlichen Haaren geschüttelt, langsam aber stetig.

Unterstützung erhalten Stagwounder durch die Lichtshow von Projektor Pearson, der mit einem Sammelsurium einzelner Scheinwerfer, Diaprojektoren, Overhead-Projektoren und anderem Instrumentarium äußerst eindrückliche Visualisierungen auf die Leinwände zaubert. Auch alle folgenden Auftritte erhalten diese bildliche Untermalung.

Man darf auch tanzen

Jedes Set dauert ungefähr 45 Minuten. Stagwounder haben die Instrumente zur Seite gelegt und die Bühne geräumt, nun machen sich Hyenas aus Nürnberg daran, ihren Auftritt vorzubereiten. Nachdem der Soundcheck abgeschlossen ist, liefert die Band erstklassigen Hardcore, der eigentlich zum Tanzen und Pogen animieren sollte. Bis auf vereinzelte Mutige ist das Publikum allerdings noch sehr verhalten, obwohl Hyenas ihr Bestes geben.

Wirklich locker wird das Publikum erst bei Los Bang Bang, die bei Backstage PRO von den Veranstaltern ausgewählt wurden. Das Quartett aus Mannheim und München schafft es, mit handgemachtem Rock’n’Roll die Tanzbeine bis in die hinteren Reihen zu animieren. Besonders hilft die einnehmende Bühnenpräsenz von Sängerin Karin Prokes, die die Nähe zum Publikum nicht scheut und das Set mit Ansagen füllt. Der Funke springt über, Rock’n’Roll geht immer.

Halbzeit

Als vierte Band des Abends gehen Neufundland aus Köln an den Start. Das Turbostaat-Shirt des Sängers gibt eine gute Idee von den Einflüssen der Band, und tatsächlich sind Neufundland die einzigen, die deutschsprachige Lieder aufführen. Mit einer Mischung aus Punk, Indie, aber auch Electronica und Spoken Word können die Kölner das Publikum mehr als nur überzeugen und hinterlassen einen bleibenden Eindruck.

Den Kölnern folgt mit knapp vierzig Minuten die längste Umbaupause des Abends. Diese Verzögerung ist aber schnell vergessen, als Sleep Kit aus Belgien dann zu spielen beginnen. Das Trio spielt intensiv und roh, irgendwo zwischen Grunge, Postpunk und Noise. Ohne große Ansagen rocken die drei Musiker ihr Set herunter, wirken dabei aber nicht gelangweilt, sondern im Einklang mit ihrer Musik. Mit dreißig Minuten spielen sie das kürzeste Set des Abends, das es aber dennoch in sich hat.

Alles, nur kein 4/4

Den Abschluss des Winterawards geben Grimény, bestehend aus Schlagzeug, Bass und Gitarre. Sie haben sich dem Genre des Math Rock verschrieben, nutzen also viele verschiedene Takte nebeneinander, sodass sich ständig neue Klangbilder ergeben. Die Musik ist anspruchsvoll, eröffnet aber auch neue und noch nicht erforschte klangliche Horizonte. Im Gegensatz zu Genrekollegen wie This Town Needs Guns bewegen sich Grimény aber nicht in Richtung Indie, sondern tendieren eher zu Progressive und Psychedelic. An einzelnen Stellen erinnern sie auch an Godspeed You! Black Emperor.

Eine gute Dreiviertelstunde dauert ihr Set, bevor sie die Instrumente ruhen lassen. Damit ist im Forum aber noch lange nicht Schicht im Schacht, denn bei der Aftershowparty kann weiter gefeiert werden. Nach ein weiteren exzellenten Ausgabe des Winterawards gibt es dazu auch allen Grund.

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