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The Casey Jr. Ride (live in Mannheim, 2015) © Johannes Rehorst

Fernab von Popakademie und Co. zeigte der Mannheimer Brückenaward mal wieder, was der Underground so alles kann. Dieses Mal fand das Event nicht nur an zwei Tagen statt, sondern verzeichnete auch einen Wandel hin zu mehr Vielfalt.

Bereits zum sechsten Mal lud der Mannheimer Brückenaward unter die Eisenbahnbrücke am Neckar ein und führte fort, was bereits im letzten Jahr mit Dagobert seinen Anfang nahm: Nicht mehr nur laute Gitarren sind hier zu hören, sondern ein breitgemischtes Spektrum verschiedener Genres.

Straßenmusik oder doch eher Krötencomedy?

So machen am Freitag die Mannheimer Kroethe den Anfang, die weiter entfernt von Rock oder Metal nicht sein könnten. Vor noch wenig Publikum spielen sie ihre Songs, die eigentlich gar nicht so schlecht wären, wäre da nicht das komische Zwischengelaber über irgendwelche Kröten in irgendwelchen Teichen mit irgendwelchen Problemen, die Amphibien nun mal so haben. Nächstes Mal das Gequatsche vielleicht zu Hause im Teich lassen.

Und auch danach ist noch kein Noise-Rock oder sonstiges in Sicht, denn mit De Fazanten (Kapelle) ist nun Blasmusik angesagt. Aber nicht die langweilige, schlecht gespielte Blasmusik, die man auf irgendwelchen Dorffesten hört, sondern Blasmusik, die tatsächlich Spaß macht. Das mag nicht jedermanns Sache sein, aber De Fazanten lassen erstmals Stimmung aufkommen, und das ist doch was.

Der Ruf der Sirene

Kurz bevor Laura Carbone die Zuschauer mit ihrem Debütalbum "Sirens" anlockt, machen The Casey Jr. Ride noch mal ordentlich Krach. Die Band erinnert manche an Psychedelic Rock der 1960er, andere an Post-Rock oder Shoegazer. Einig sind sich aber alle, dass The Casey Jr. Ride einen soliden Auftritt abliefern. Inmitten der lauten Gitarren droht der Gesang zwar gelegentlich ein wenig zu sehr unterzugehen, aber das ist für diese Genre ja nicht ungewöhnlich. Und den richtigen Look und das sichere Auftreten als Band scheinen sie auch schon perfektioniert zu haben.

Den Abschluss des ersten Tages macht dann schließlich Laura Carbone. Mit ihrem Mix aus New Wave, Pop und Alternative sorgt sie bei den mittlerweile zahlreich erschienenen Zuschauern für gute Stimmung, die absolut fantastische Lichtshow beziehungsweise Brückenillumination tut ihr übriges. Da kann man sich direkt auf den nächsten Tag freuen!

Mehr vom 6. Mannheimer Brückenaward: der Samstag mit NIHM, Clayd, Dirty Age, BLCKWVS, Heads. und Tarentatec.

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Der zweite Tag: Es wird heiß!

Was musikalisch nicht ganz so heiß anfängt, macht die Sonne wieder wett. Um vier Uhr geht es mit NIHM los, dessen Auftritt die Frage aufwirft, ob das Treiben auf der Bühne ernst gemeint ist oder vielleicht doch Comedy sein soll. Aber egal, es sind sowieso erst vereinzelt Zuschauer auf ihren Picknickdecken da und es ist wahnsinnig heiß. Zum Glück spendet die Brücke aber noch etwas Schatten. 

Die Mannheimer Band Clayd schlägt danach ganz andere Töne an. Mit einem guten Mix aus Alternative und Indie-Pop ziehen sie das Publikum auf ihre Seite, auch wenn Letzteres sich aufgrund des wandernden Schattens immer weiter von der Bühne entfernt. Und während die Zuschauer vor sich hin schwitzen, steht die Band bis zum Schluss energiegeladen auf der Bühne und liefert ab. An alle die so früh noch nicht da waren: unbedingt reinhören!

Back to the Roots

Die beiden Bands, die danach folgen, lassen die Herzen alteingesessener Brückenaward-Fans höher schlagen. Dirty Age machen Rockmusik vom Feinsten, AC/DC und Led Zeppelin lassen grüßen. Und während das Publikum noch etwas träge vor der Bühne steht beziehungsweise sitzt, geht es auf der Bühne so richtig ab. Mit der klassisch-rauen Rockerstimme des Sängers und den astreinen Gitarrensounds werden die Zuschauer dann doch so langsam wachgeschrieen, spätestens beim Ausflug der Gitarristen ins Publikum sind alle voll dabei.

Die geballte Ladung Doom-Metal, die in Form von BLCKWVS folgt, lässt dann Headbanging-Träume wahr werden. Kein Gesang, kein Schnickschnack. Laute Gitarren, laute Drums, einfach alles laut. Das Publikum genießt die düstere Wand von Musik sichtlich. Fast wünschte man sich, es wäre schon dunkel.

Kuckuckskinder

Danach geht es mit einem ganz anderen Genre weiter. Elektronische Musik war lange nicht beim Brückenaward zu hören, dieses Jahr ändert sich das mit den Mannheimern von Cucuc. Und das ist auch gut so, denn das keineswegs unbekannte Duo bestehend aus Ziggy Has Ardeur & Donni Schoenemond geht soundtechnisch ordentlich ab auf der Bühne. Mittlerweile ist es auch dunkel, das heißt, die coolste Lichtshow der Welt ist wieder am Start.

Fans der elektronischen Musik sollten sich den Namen Cucuc auf jeden Fall merken, denn ihre Mischung aus vertrackten, sphärischen Beats und dem entrückten Gesang von Ziggy Has Adeur kommt außerordentlich gut. Und auch das Publikum ist beim Auftritt gut drauf, die Zahl der Besucher ist stark gewachsen und es wird ordentlich mitgetanzt. Geht bei den guten Beats und der tollen Stimme auch gar nicht anders. Am Ende fordern die Zuschauer Zugaben – eine Seltenheit bei Festivals. Daumen hoch!

Am Ende muss es laut sein

Heads. bezeichnen ihre musik als NoiseNoir – und tatsächlich brettern die Berliner heftig los. Wie eine Woge stürmt die Musik über die Köpfe der Zuschauer hinweg, die sich von der Musik umspülen lassen. Schließlich ist Noise ein essentieller Bestandteil des Brückenawards. Das wissen auch Tarentatec aus Gotha, die eben diese Urgewalt verkörpern. Die Musik ist aber teilweise reichlich abstrakt und sperrig, besitzt aber auch eine unerwartete Eleganz. Ein durchaus passender Abschluss für den 6. Mannheimer Brückenaward.

Insgesamt hat sich die Ausweitung des Brückenawards auf zwei Tage bewährt. Qualitätsmäßig sind keine Abstriche zu verzeichnen – und die Möglichkeit, das Programm auf zwei Tage zu strecken, entzerrt das Event doch spürbar, ohne die Zuschauer zu überfordern. Der Zuspruch an beiden Tagen war jedenfalls außerordentlich erfreulich, wozu sicher auch das spätsommerliche Wetter beitrug.

 

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