Mit einem Programm auf durchweg hohem musikalischen Niveau punktet die 14. Ausgabe des Brückenawards in Mannheim. Dabei verlaufen die Tage durchaus unterschiedlich: Während am Freitag die Rockmusik in allen Facetten zu ihrem Recht kommt, bietet der Samstag eine vielseitige Mischung der Stile und Stimmungen.

Am Freitag haben Organisatoren und Besucher des Brückenawards Glück, dass der Regen, der den Mannheimer Süden erwischt, knapp am Festivalgelände vorbeizieht. So bleibt es trocken und die Zuschauer können den Abend entspannt genießen.

(Fast) alles wie früher

Wobei: So entspannt ist die Musik an diesem Abend wahrlich nicht. Mit einer heftigen Dosis Rockmusik erinnert der Freitag an die Frühzeit des Brückenawards. Schon die erste Band Halliwax eröffnet mit noisigem Pop-Punk, der alle Müdigkeit vertreibt. Am besten klingt die Band aber, wenn sie – wie in ihren letzten Liedern – stärker auf Melodien setzt.

Grablichtautomat sind dann echte Hingucker – und Hinhörer! Das in Corona-Zeiten gestartete Projekt spielt mit verrückten Samples durchsetzten Elektro-Avantgarde-Punk. Auch optisch ist die Band mit Masken und schwarzen Kutten so rätselhaft und unberechenbar wie ihre Musik.

Ordentlich auf die Zwölf

Mit Fat Greatls steht dann ein vertrauter Act auf der Bühne, der sich weit weniger rätselhaft gibt und auf die durchdringende Kraft klassischer Rockmusik setzt. Und das funktioniert an diesem etwas rauen Freitagabend wunderbar, die Zuschauer werden von der kontrolliert-wilden Performance geradezu magisch angezogen.

Trainer aus Saarbrücken setzen den Trend fort und zimmern ihrerseits ein ordentlich feedbackdurchsetztes Noise Rock-Brett unter die Brücke. Gefühlt immer mit etwas Wut im Bauch geht es knappe 45 Minuten durch ein energiegeladenes Set. 

Das Beste aus Holland

Und zum Abschluss heißt es dann mal wieder welkom Nederlande! Die alte Tradition, mindestens eine Band aus dem kreativen Hotspot des Nachbarlandes unter die Brücke einzuladen wurde auch dieses Mal erfüllt. 

Mit Collignon, bestehend aus dem namensgebenden Produzenten und Synth-Wizard Jori Collignon, Gino Bombrino am Schlagzeug und Yves Lennertz, ebenfalls ein alter Bekannter von diversen Brückenawards an der Gitarre stand zum Ausklang des Abends nochmal eine große Portion tanzbarer Krautrock auf dem Tisch, in der Kombination mit den wie immer beeindruckenden Visuals von Lisa & Keith eine perfekte psychedelische Kombi. Cool. 

Sommerliches Finale

Der Samstag präsentiert sich insgesamt freundlich und warm und so versammeln sich schon früh Musikfans für das Finale.

Bei Control Poison ist der Name Programm und so blieb bei ihrem Auftritt kein Auge trocken: das bei Backstage PRO ausgewählte Quartett fegte mit einem giftigen Mix aus Punkrock und Hardcore erstmal die letzten Tagträume aus den Gedanken und nach dem letzten ausufernden Solo war dann wohl auch jeder wach. 

Eigenständiger Sound

Der Bandname Adergraben lässt spontan an eine Dark-Metal-Band denken. In Wirklichkeit spielen Adergraben aber komplexen, spannungsreichen Indie-Pop. Der Name erklärt sich dadurch, dass Cellist und Sänger Ferdinand Thormann von Beruf Geigenbauer ist – und aus diesem Feld stammt auch der Begriff Adergraben

Adergraben gelingt es, die elaborierten Kompositionen auch musikalisch gekonnt auf der Bühne zu inszenieren und dabei ausgesprochen eigenständig zu klingen. Die einzige Schwachstelle ist Thormanns Gesang, der in Sachen Ausdrucksstärke nicht mit der Musik mithalten kann. 

Orient und Okzident

Musikalisch ebenso spannend sind Synkope, deren Musik orientalische und psychedelische Elemente kombiniert. Ihr ausgefeiltes Instrumentarium, das beispielsweise Oud und Vibraphon umfasst, und die gesangliche Stärke der beiden Sängerinnen begeistert die Zuschauer, die sich dicht vor der Bühne drängen.

Mit Sloe Noon folgt ein Trio, das schon etwas Aufsehen in der deutschen Musikszene gesorgt hat und in wenigen Wochen beim Reeperbahn Festival auf der Bühne stehen wird. 

Zackige, pointierte Songs irgendwo zwischen Shoegaze und Indie-Rock erinnern an die besten britischen Pop-Traditionen, wie sie aktuell von Bands wie Wolf Alice hochgehalten werden. Live ist die Ähnlichkeit zu den großen Vorbildern sogar noch größer.

Manchmal genügt ein Mann

Für den Abschluss des Brückenawards sorgt die "One-Man-Show" Taroug. Drummer und Elektro-Produzent Tarek Zarroug kombiniert Live-Drumming und Samples zu einer mitreißenden Show, die das Publikum noch einmal richtig fordert und dann in die laue Nacht entlässt.

Damit gehen zwei ereignisreiche Abende zu Ende. Der Mannheimer Brückenaward hat einmal mehr voll abgeliefert.