Auf die Frage, was der Brückenaward eigentlich sei, hat Mitorganisator Martin einen KI-Chatbot befragt. Dieser liefert die lustige, aber falsche Antwort, dass der Brückenaward ein von der Stadt Mannheim verliehener Preis sei.
Besser als ein Preis
Tatsächlich bietet das Underground-Festival in seiner dreizehnten Ausgabe jede Menge musikalische Überraschungen und Entdeckungen. Dafür sorgt schon die erste Band Bizeps aus Worms, deren energetischer Instrumental-Rock mit psychedelischen Elementen die Besucher aus ihrer sommerlichen Lethargie reißt.
Danach folgt bissiger Garagenrock der Mannheimer Band Zyph, die aus alten Bekannten der lokalen Musikszene besteht. Währenddessen strömen immer mehr Besucher zum Brückenaward, so dass bei den späteren Gigs der Raum vor der Bühne dicht gepackt ist. Hunderte weitere Besucher machen es sich auf der Wiese oder dem Deichhang gemütlich, von wo aus sich das Geschehen gut beobachten lässt.
Mächtiger Groove
Das nimmt jetzt weiter an Fahrt auf mit der wirklich multikulturellen Band El Khat. Eyal el Wahab, der Frontmann der nach einer im Nahen Osten weit verbreiteten Droge benannten Band hat jemenitische Wurzeln, ist in Tel Aviv aufgewachsen und jetzt in Berlin ansässig.
Dementsprechend kombiniert das Trio jemenitische, orientalische und westliche Elemente - und das auf teilweise selbstgebauten Instrumenten. Der einladende, heftige Groove der Musik reißt die Besucher vollauf mit. Der Höhepunkt ist erreicht, als ein Bandmitglied von der Bühne steigt und die Besucher zum Gruppentanz animiert, während die übrigen Bandmitglieder weiterspielen.
Elektronischer Ausklang
Wem das zu viel Aufregung ist, kann anschließend bei Doc Wenz and the Melancholics runterkommen, denn der ehemalige Sänger von Mardi Gras BB. und seine Mitstreiter bieten entspannten, souligen Rock & Roll.
Zum Ausklang am Freitag gibt es danach Live-Elektronik von Welt im Dunkel aus Münster: Die beiden Musiker schaffen ganz ohne Computer sphärische Song-Welten, die die perfekte Balance zwischen ausladenden Ambient-Klangteppichen und tanzbären Beats halten.
Sommerliche Klänge
Auch am Samstag lockt der Brückenaward das Publikum mit sommerlichen Temperaturen und lässigen Sounds bereits früh unter die Brücke: Die Multi-Instrumentalistin Missy Canis bietet Live-Looping mit einem ausladenden Instrumentarium – von Gitarre über Saxophon bis Digeridoo – und schafft so den perfekten Soundtrack zum entspannten Ankommen und Abhängen.
Auch danach bleibt es sommerlich: Die Mannheimer Band Wave Off liefert gitarrenlastigen Indie-Rock mit einem deutlichen Hang zum Shoegaze, der mit seiner deutlichen melancholischen Note perfekt die wehmütige Stimmung lauer Spätsommernächte in so kompakte wie mitreißende Songs übersetzt.
Heftig und lässig
Mit Saraksh betritt als Drittes die wohl heftigste Band des Wochenendes die Bühne: Die wüste Mischung aus Sludge, Doom und Post-Rock, garniert mit allerlei vertrackten progressiven Elementen, ziehen das Publikum für die Länge ihres Auftritts in einen schwarzen Malstrom hinab, mit dem wohl nicht alle Besuchenden gerechnet haben.
Doch der Brückenaward wäre nicht der Brückenaward, wenn er diese Düsternis mit seinem abwechslungsreichen Genre-Mix nicht lässig wieder kontern könnte: Auf Saraksh folgt das Leipziger Duo Die Quittung, deren Stil trotz – oder gerade wegen – seiner disparaten Fixpunkte schwer zu fixieren ist, und sich in einem eigenartigen Spannungsfeld zwischen (Art-)Pop, Indie und Spoken Word bewegt.
Auch Hall, die vorletzte Band des Abends, bieten einmal mehr einen deutlichen stilistischen Kontrast: Die Berliner spielen einigermaßen geradlinigen Horrorpunk, der zwar stimmlich seine Nähe zu den Misfits kaum verleugnen kann, sich dafür aber instrumental deutlich von dem Einheitsbrei dieses sonst doch eher wenig innovativen Genres absetzen kann.
Abschluss mit Shoegaze
Als letzte Band an diesem Abend steht die Shoegaze-Band Newmoon auf der Bühne. Dem ein oder anderen dürften die Belgier noch von ihrem Auftritt im Brückenaward-Zelt auf dem Maifeld Derby 2016 bekannt sein.
Der Sound der Band hat sich seitdem wenig verändert, doch ob im Zelt oder Open-Air - Newmoon demonstrieren auch unter der Eisenbahnbrücke, dass sie die laut/leise-Dynamik – zwischen ruhigen, Dreampop-Passagen und krachigen Shoegaze-Breaks – ihres Songmaterials live mit beeindruckender Intensität und mitreißender Spielfreude umsetzen können.
Damit endet ein abwechslungsreicher Brückenaward, der auch in seiner 13. Ausgabe eine Fülle hochkarätiger Musik bot und zudem mit einer friedlichen Stimmung ein perfektes Sommererlebnis bot.









