© Massimo Mantovani

Am 21.10.2014 spielten Omar Sosa, Paolo Fresu und Trilok Gurtu im Rahmen des Enjoy Jazz Festival in der ausverkauften Alten Feuerwache. Die drei Ausnahmemusiker zeigten eine unglaubliche Bandbreite und begeisterten das Publikum über eineinhalb Stunden.

Zunächst war die Laune der Gäste von Enjoy Jazz nicht sonderlich hochfliegend. Pünktlich zum ersten richtigen Herbstabend in Mannheim standen die Besucher noch eine halbe Stunde nach angekündigtem Einlass vor den verschlossenen Türen der Alten Feuerwache.

Geselliges Beisammensein

Als die Türen dann geöffnet wurden und die Besucher nach und nach Einlass fanden, erfuhr man den Grund für die unfreiwillige Frischluftkur. Aufgrund des Lufthansa-Streiks musste eine Alternativ-Route für die drei Jazz-Musiker gefunden werden, die am Vorabend noch in Budapest gespielt hatten.

Als die Gäste erst einmal mit einem Getränk in der Hand Platz genommen haben, hielt eine gesellige Atmosphäre Einzug in der Alten Feuerwache, gepaart mit einer leichten Spannung auf das kommende Konzert.

Mehr als die Summe ihrer Teile

Um 20:15 Uhr, also nur eine Viertelstunde nach geplantem Konzertbeginn, betraten die Musiker dann die Bühne. Omar Sosa nahm an seinem linker Hand positioniertem Flügel Platz, Trilok Gurtu besetzte sein gutbestücktes Schlagzeug auf der rechten Bühnenseite und Paolo Fresu saß mittig, nur mit Flügelhorn und Trompete bewaffnet.

Das Trio begann den Abend mit einem an die Film Noir-Ära erinnernden Stück, sehr atmosphärisch und minimalistisch. Den drei Musikern gelang es, mit ihren Instrumenten viel mehr Klänge zu erzeugen, als man das für möglich halten würde.

Niemals bemüht oder aufgesetzt

Das Zusammenspiel der Musiker ließ keine Wünschen offen. Jeder stellte unter Beweis, dass er die Bühne auch ohne Probleme alleine füllen könnte. Dennoch ließ sich niemand zu einem Egotrip hinreißen. Sosa, Fresu und Gurtu bildeten stets eine gut geölte und groovende Einheit.

Die gespielten Stücke zeugten von dem tiefen musikalischen Verständnis der Musiker. Die Bandbreite reichte von klassischem Jazz, über lateinamerikanische bis hin zu afrikanischen Klängen. Die verschiedenen kulturellen Hintergründe verschmolzen zwanglos zu einer harmonischen Einheit.

Keine mangelnde Begeisterungsfähigkeit

Im Gegenteil strahlten die drei eine unglaubliche Bühnenpräsenz aus. Sosa beschwor seinen Flügel wie ein Hexenmeister, Fresu wand sich in eigentlich menschenunmöglichen Positionen auf seinem Stuhl und Gurtu malträtierte sein Schlagzeug unbarmherzig. Alles gleichzeitig, wohlgemerkt. Die Musiker fanden aber immer zum Thema des jeweiligen Stücks zurück, die nonverbale Kommunikation war bemerkenswert.

Das Publikum goutierte das Geschehen mit frenetischem Applaus nach jedem Stück und jedem längeren Solo. Man mag den Jazzfreunden vieles vorwerfen können, mangelnde Begeisterungsfähigkeit zählt nicht dazu. Allerorts sah man Kopfnicken und Mitwippen, bei ruhigeren Stücken auch mal verliebte Zweisamkeit.

Ein unterhaltsamer Abend

Den Höhepunkt des Auftritts bildete eine dreiminütige Scatgesang-Einlage zwischen Sosa und Gurtu, die einer leidenschaftlichen Diskussion glich, nur eben ohne Inhalt. Das interkontinentale Trio nahm sich selbst nicht immer ernst, und auch das Publikum konnte sich an vielen Stellen ein Lachen nicht verkneifen.

Mit einer etwa zehnminütigen Zugabe, während der das nicht müde werden wollende Publikum zum Mitsingen, -klatschen und -schnipsen angehalten wurde, klang der Abend dann nach gut anderthalb Stunden aus. Die Zuschauer hatten erhalten, wofür sie bekommen waren – und noch mehr. Diese Musik muss man einfach live erleben.

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