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Steven Wilson (live in Hamburg, 2013) © Falk Simon

Seit 2009 ist der Porcupine Tree-Frontmann Steven Wilson solo unterwegs. In Berlin stellte der Rock-Virtuose am 21.3.2013 sein neues Soloalbum "The Raven That Refused To Sing (And Other Stories)" bei einer mehr als zweistündigen Show, die unter die Haut ging, vor.

Bekannt wurde er bisher eigentlich nur mit Porcupine Tree, dabei nennt Steven Wilson doch mehrere faszinierende Projekte sein Eigen. Während er mit Blackfield eine eher düstere Schiene fährt, sind die unter seinem eigenen Namen veröffentlichten Songs den bekannten Porcupine Tree-Klassikern schon viel ähnlicher.

Seinen neuesten Clou, das Album The RavenThat Refused To Sing (And Other Stories), stellte Steven Wilson bei seinem Auftritt im wunderschönen Huxley’s in Berlin am 21. März vor.

Episch-orchestrale Musik

Statt von einer Vorband wurde das Publikum von einem Intro begrüßt, das die richtige Stimmung für Steven Wilsons episch-orchestrale Musik bot. Den einströmenden Fans hallten düstere, atmosphärische Klänge entgegen, begleitet von unverständlichem, jedoch unheilvoll klingendem Gemurmel.

Als dann pünktlich um 20 Uhr Steven Wilson mit seiner fünfköpfigen Tourband die Bühne betrat, war der restlos ausverkaufte Saal längst nicht gefüllt und so war es während der ersten fünfzehn Minuten noch sehr unruhig im Zuschauerraum. Sobald alle Besucher ihren zugewiesenen Sitzplatz eingenommen hatten, herrschte jedoch andächtige Stille, die Raum für Steven Wilsons überwältigende und endlos erscheinende Songs schuf. 

Gespielt wurde dann eine bunte Mischung aus all seinen Soloalben, so dass auch ältere Lieder wie Postcard und No Part Of Me ihren Platz fanden und von den Fans begeistert begrüßt wurden. Wie gewohnt bot das Huxleys dabei einen astreinen Sound, die Klänge waren glockenklar und schienen von allen Seiten auf den Zuhörer einzutreffen, was den hypnotischen Effekt, den Wilsons Lieder besitzen, nur noch verstärkte. 

Humorvolle Anekdoten zwischen den Titeln

Steven Wilson, der übrigens wie so häufig barfuß die Bühne betrat, hatte blendende Laune und erzählte fröhlich zwischen den einzelnen Songs Anekdoten. Auch betonte er, dass die Idee, den Saal zu bestuhlen, keinesfalls von ihm stamme. Da seine Agentur aber davon ausgehe, dass seine Fans wohl eher zum alten Eisen gehören, habe man sich wohl gedacht, man solle die älteren Leutchen lieber nicht zu lange stehen lassen.

Tatsächlich war der Altersdurchschnitt im Publikum zwar überraschend hoch, dennoch ließ sich natürlich anschließend niemand zwei Mal bitten, als Steven Wilson bei Harmony Korine alle aufforderte, von ihren Plätzen aufzustehen. Während dann auf einer Leinwand hinter der Bühne das dazugehörige düstere Video abgespielt wurde, schwelgten alle im raumfüllenden Sound und genossen die atemberaubende Stimmung.

Beim zunächst vorletzten Song des Abends, dem 23-minütigen Raider II, war aus dem Zuschauerraum kein Laut zu hören; selten gibt es über eine so lange Zeitspanne eine derart andächtige Stille.

Steven Wilson verzauberte sein Publikum

Als sich die Band dann nach dem Titelsong des aktuellen Albums, The Raven That Refused To Sing, zunächst verabschiedete, schienen alle noch völlig verzaubert und keiner konnte wohl wirklich glauben, dass ganze zwei Stunden vergangen waren. Die Musik hätte noch ewig weitergehen können und so war der Saal am Beben, als Steven Wilson samt seiner Musiker die Bühne erneut betrat.

Wie oft ist es doch so, dass man sich beim Solokonzert eines Künstlers wünscht, er möge einen Song seiner ehemaligen oder anderen Band zum Besten geben. Selten wird dies leider erfüllt. Steven Wilson kündigte seine Zugabe dann aber wortreich an und bemerkte, dass er selbst ja noch keinen wirklichen Hit habe, die Zugabe doch aber meist genau aus solchen bestehe.

Weshalb er ja einfach einen Porcupine Tree-Song anbieten könne, das würde sicherlich auch den einen oder anderen freuen. Als dann die ersten Klänge von Radioactive Toy erklangen, konnte man den Fans die Euphorie ansehen und anhören; hier und da flossen sogar vereinzelt Freudentränen. 

Als gelungener Abschluss eines überwältigenden Konzerts war dieser Titel perfekt gewählt. Nachdem die Band sich unter tosendem Applaus verabschiedet hatte, war das Glück, das so viele der Anwesenden noch immer durchströmte, fast greifbar.

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