"More Blood, More Tracks" bietet die kompletten Sessions zu "Blood On The Tracks".

"More Blood, More Tracks" bietet die kompletten Sessions zu "Blood On The Tracks". © Sony Music

Am 2. November erscheint ein neuer Teil von Bob Dylans Bootleg Series. Diesmal widmet sich die Reihe seinem Meisterwerk "Blood On The Tracks" von 1975. "More Blood, More Tracks" enthält die kompletten Sessions, aus denen das Album entstand.

Alle Bob Dylan-Fans kennen die Geschichte seines Albums "Blood On The Tracks" aus dem Jahr 1975. Dylan nahm zunächst alle Songs in New York City mit sehr zurückgenommener Begleitung auf, teilweise spielte er die Lieder in Soloversionen ein.

Sein Bruder befand das Ergebnis für zu "karg" und regte an, die Songs ein weiteres Mal mit Band in dynamischeren Versionen aufzunehmen. Dylan stoppte daraufhin die Veröffentlichung des Albums, für das bereits eine Testpressung existierte. 

Neu eingespielt

Im Dezember ging Dylan mit einer neu zusammengestellten Band zwei Tage in ein Studio in Minneapolis und spielte komplette neue Versionen von fünf Stücken ein: "Idiot Wind", "You’re a Big Girl Now", "Tangled Up in Blue", "Lily, Rosemary and the Jack of Hearts" und "If You See Her, Say Hello".

Das schließlich im Januar 1975 veröffentlichte Album "Blood On The Tracks" besteht jeweils zur Hälfte aus Einspielungen aus New York und Minneapolis. Der Eindruck einer ausgewogenen Zusammenstellung täuscht aber, da die Songs aus Minneapolis allesamt sehr viel länger sind als die New Yorker Songs. Anders gesagt: Dylan hat fast 2/3 des Albums neu eingespielt.

Anerkanntes Meisterwerk

Die ersten Kritiken beurteilten das Album eher kritisch, aber inzwischen zählt "BOTT" zu Dylans allgemein anerkannten Meisterwerken. Zudem war das Album ein kommerzieller Erfolg und produzierte mit "Tangled Up In Blue" einen von Bob Dylans bekanntesten Songs.

Damit endete die Geschichte aber nicht: Kopien der Testpressung des ursprünglichen Albums gelangten bald in Sammlerkreise und wurden unter Titeln wie "Blood On The Tapes" oder "Blood On The Tracks – New York Sessions" veröffentlicht. 

Die kompletten Sessions

Am 2. November erscheinen nun alle Aufnahmen der "Blood On The Tracks Sessions" aus New York und Minneapolis in einer 6 CD-Box unter dem Titel: "The Bootleg Series Vol. 14: More Blood, More Tracks". Nicht alle Takes sind komplett und wie zu erwarten war, sind fast alle Songs in zahlreichen Versionen enthalten.

Ebenfalls enthalten sind verschiedene Versionen von "Up To Me", das bereits 1985 auf "Biograph" veröffentlicht wurde sowie eine bisher unbekannte Version von "Spanish Is The Loving Tounge". Die 1CD/2LP-Version enthält eine Zusammenstellung der besten Aufnahmen der Box, entspricht aber nicht dem ursprünglich geplanten Album.

Stimmungsunterschiede

Für Dylan-Fans, die die Entstehung von "Blood On The Tracks" nachvollziehen möchten, ist die neue Bootleg Series unverzichtbar. Die Stimmung und Atmosphäre der Aufnahmen aus New York und Minnesota sind vollkommen unterschiedlich, zumal sich auch die Songs textlich weiterentwickelten.

Die ursprünglich als zu "karg" befundenen Aufnahmen sind genau das, faszinieren aber gerade durch ihre ungewohnte emotionale Offenheit. Selten hat Dylan sich dermaßen verletztlich gezeigt wie beispielsweise in "If You See Her, Say Hello". In Minneapolis hatte Dylan diesen Tiefpunkt wieder überwunden und zeigt sich wesentlich kämpferischer, wie die unterschiedlichen Versionen von "Idiot Wind" zeigen. 

Autobiographisch?

Obwohl Dylan die Ansicht zurückwies, "Blood On The Tracks" sei ein autobiographisches Album, kann man als gesichert annehmen, dass das bevorstehende Ende seiner Ehe mit Sara Dylan einen wichtigen Einfluss auf die Entstehung des Albums ausübte. Ihr Sohn Jakob Dylan kommentierte, das Album erinnere ihn an "my parents talking".

Bei nur wenigen Künstlern ist es derart lohnenswert, den Schaffensprozess nachzuspüren wie bei Bob Dylan. Da er nur sehr wenig Zeit im Studio verbrachte, musste er dort effizient arbeiten. Die Produkte dieser Tätigkeit sind eine große Zahl verschiedener Varianten, die sich stets so sehr unterscheiden, dass die nähere Beschäftigung lohnenswert ist.

Ein Lyric-Video der ersten Aufnahme von "If You See Her Say Hello" aus New York verdeutlicht das.

Das komplette Tracklisting gibt es hier.

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