Bei seinem Auftritt bei den Jazzopen in Stuttgart zeigte Herbie Hancock eine Explosivität und Frische, die man von einem 85-Jährigen nicht erwarten würde - und begeisterte damit die Zuschauer im Alten Schloss.

Wenn Herbie Hancock die Bühne betritt, ist klar: Hier kommt nicht einfach ein Musiker – hier kommt eine lebende Legende. Doch was das Publikum an diesem Abend erlebte, übertraf selbst hohe Erwartungen.

Der Altmeister des Jazz präsentierte sich mit einer Band, die in jeder Hinsicht Weltklasse war. Piano, Gitarre, Trompete, Bass und Drums agierten musikalisch auf höchstem Niveau und nahmen das Publikum auf eine mitreißende Reise durch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Jazz mitnahm.

Musikalische Tiefe

Schon in den ersten Takten spürte man die Wurzeln des Jazz – aus den Clubs von Manhattan, Brooklyn, der Bronx und Los Angeles wehte ein Hauch historischer Tiefe herüber. Doch Hancock und seine Mitstreiter beließen es nicht beim Rückblick. Ihre Musik erhob sich wie ein Raumschiff in einen ganz eigenen, unendlichen Kosmos. Harmonisch reichhaltig, rhythmisch raffiniert und klanglich modern – ein Sound, der sich ständig neu erfand und dennoch stets unverkennbar nach Herbie Hancock klang.

Die Musik war geprägt von vertrackten, groovigen Rhythmen, klassischen Pianosounds, raffinierten Synthesizermelodien und einer siebensaitigen E-Gitarre, die mit Akkorden und Melodien glänzte – oft gewürzt mit witzigen Effektsounds. Dazu Vocoder-Gesang und eine Trompete, die mit Dopplereffekt durch den Raum schwebte. Ein klanglicher Abenteuerspielplatz, auf dem sich die Musiker mit grandiosen Soli austoben durften.

Positive Energie

Ein besonderer Moment des Abends war das lyrische Basssolo: Mit Looper, Flageoletttönen und einer virtuosen Improvisation kreierte der Bassist ein spannungsreiches Klangbild, das sich organisch steigerte und das Publikum in seinen Bann zog.

Hancock selbst bewies nicht nur seine Virtuosität am Piano, sondern auch seine Spielfreude – als er zum Finale mit einem Umhänge-Synthesizer über die Bühne sprang, wirkte er eher wie ein Tänzer als ein über 80-jähriger Musiker. Seine Energie war ansteckend, seine Kreativität ungebremst.

Stetige Weiterentwicklung

Dieses Konzert war mehr als nur Musik – es war ein Statement: Jazz lebt, entwickelt sich weiter, sprengt Grenzen. Und Herbie Hancock gehört noch immer zu den Pionieren, die diesen Weg mitgestalten. Das Publikum feierte ihn und seine Band zu Recht mit stehenden Ovationen.

Ein unvergesslicher Abend – fantastisch!