Rod Stewart (SAP Arena)
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Rod Stewart (SAP Arena) Fotos: Jonathan Kloß © regioactive.de

Auf dem Tourneeplakat war eine Greatest Hits-Tournee ausgeschrieben, allerdings auch mit der konkreten Angabe von 16 Klassikern von "His Rodness". Von diesen wurden aber leider 5 großartige Lieder gar nicht gespielt. Stattdessen gab es eine musikalisch ansprechende, perfekte Show mit einem gutgelaunten, aber leider nicht mehr so stimmgewaltigen Rod Stewart, der als Sänger nur bei den Balladen noch punkten konnte.

Eins kann man Rod Stewart nicht absprechen: Dass er keinen Humor hätte. Und sich selbst auch nicht so ernst nimmt. Und damit hat er im Grunde genommen schon gewonnen. Noch dazu kommt, dass der 62-jährige zwar etwas bauchiger, aber noch mit vollem und echt blond wirkendem Haupthaar daherkommt und immer noch den Lausbubencharme verströmt, der ihn die ganze Karriere lang immer als den good ol’ lad darstellen lies und nie als den abgehobenen Superstar. Anders als z.B. Mick Jagger, der im gleichen Alter immer noch versucht ernsthaft den Titel des besten Rockfrontmanns der Welt zu verteidigen (und das auch an den meisten Abenden schafft), will Rod Stewart Spaß haben und diesen auch verbreiten. Das funktioniert und wird vom Publikum dankbar aufgenommen. Und so gesehen wird man nur zur Spaßbremse, wenn man feststellt, dass seine Stimme einfach die natürliche Entwicklung des Alters genommen hat und damit an Power gewaltig verloren hat. Kein Wunder, dass seine letzen vier Alben Coverversionen von amerikanischen Songwritern aus der prä-Rock’n’Roll-Ära enthielten – als Crooner oder Balladeninterpret kann er immer noch mit einer durchaus charmanten Patina punkten.

25 Songs verspricht Rod in seiner ersten Ansage für den Abend – am Ende sollen es 23 sein und der Janis Joplin-Klassiker Piece of my heart wird gar nicht von ihm, sondern von seinen Backgroundsängerinnen gesungen. Das Tour-Plakat kündigte zudem vollmundig Songs wie Handbags and gladrags, Mandolin wind, Every picture tells a story, Stay with me oder You wear it well an; allesamt Songs aus der Zeit, bevor er zum Superstar wurde und einfach nur mit den Faces oder solo ein toller Sänger war. Leider wurden sie alle nicht gespielt, was für viele im Publikum sicherlich nebensächlich war. Für jemanden, der sich wirklich auf diese Songs gefreut hat, ist das jedoch eine Enttäuschung. Wenn stattdessen so belanglose Interpretationen von It’s a heartache (Bonnie Tyler) oder Father and son (Cat Stevens) gespielt werden, ist das kein adäquater Ersatz.

Die Band war souverän. Auffallend, dass an Saxophon, Geige/Mandoline und Pedalsteel-Guitar drei bildhübsche Damen agierten, die zwar musikalisch mithalten konnten, jedoch wohl in erster Linie durch ihr Aussehen mit in die Band kamen. Er umgibt sich halt immer noch gern mit hübschen, jungen Frauen. Sound, Licht und eine gigantische Leinwand erfüllten höchste Ansprüche, auch wurden wieder eine Menge Fußbälle ins Publikum geschossen. All das konnte das zentrale Manko – die flache Stimme – jedoch nicht ausgleichen. Alles in allem ein Konzert, das so wie eine gedehnte Showeinlage bei Wetten Dass? wirkt, nur dass Thomas Gottschalk den Hauptact weder anmoderierte, noch ihm danach die Flosse schüttelte. Rock’n’Roll geht anders.

Setlist

Some guys have all the luck – This old heart of mine – Reason to believe – It’s a heartache – The rhythm of my heart – Downtown train (incl. Drumsolo) – Father and son – Having a party – Have you ever seen the rain – Have I told you lately that I love you – Piece of my heart (ohne Rod!) – Hot legs – I don’t wanna talk about it – Dirty old town – The first cut is the deepest – Tonight’s the night – You’re in my heart – Young turks – Do ya’ think I’m sexy – Maggie Mae – Sailing – Baby Jane

Zugabe: Twisting the night away

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