"One More Time" lautet das Motto, mit dem Rod Stewart seit 2024 um die Welt tourt. Wie sich in Mannheim zeigt, hat er es immer noch drauf eine zweistündige Party zu schmeißen, die all das enthält, was die Fans seit Jahrzehnten mit dem schottischen Rabauken verbinden. Dabei stellt er sogar einen Tour-Rekord auf, was die Anzahl der gespielten Stücke angeht.

Ein großer roter Vorhang verhüllt die riesige Bühne in der SAP-Arena. Um kurz nach 8 erklingen die Bagpipes mit dem legendären "Scottland The Brave"-Thema, das Licht geht aus, der Vorhang fällt und die Zuschauer finden sich in Robert Palmers ikonischem Videoclip aus den 80s wieder.

Ein großes Foto von Palmer, die fettgedruckten Buchstaben nennen den Songtitel "Addicted To Love" und fünf weibliche Schönheiten halten Instrumente, die sie jedoch offensichtlich nicht spielen und mittendrin grinst und singt Rod Stewart das Lied als offensichtliche Hommage an den 2003 früh verstorbenen Palmer. 

Look und Stimme

Unmittelbar nach dem Schlussakkord kommen die Musiker seiner Begleitband, die zuvor hinter der Bühne gespielt hatten, dann auch auf die Bühne und die Damen verwandeln sich in Backgroundsängerinnen und Streicherinnen.

Optisch dominiert das Leopardenfellmuster die Bühnengarderoben, bei Rod glitzert es sogar. Er sieht gut aus, die 80 Jahre sieht man ihm nicht an, dabei ist die volle Frisur mit den Stachelhaaren aber schon mal die halbe Miete.

Seine Stimme hat natürlich nicht mehr die Power der frühen Jahre, aber hat sich in den letzen 20 Jahren auch nicht verschlechtert – er ist immer noch der beste Interpret für Rod Stewart-Songs – von denen die meisten ja Lieder sind, die er auch nur gecovert, ihnen aber seinen Stempel aufgedrückt hat, so dass man sie seit Jahrzehnten mit ihm verbindet.

Hommage an die Faces

Vor allem aber ist er ein hervorragender Entertainer, der seinem Publikum einfach die Rod Stewart-Show gibt, auf die sie sich gefreut haben und die sie auch ohne Abstriche bekommen. Als dritten Song spielt er das wunderbare "Ooh La La" aus der Feder von Ronnie Lane, seinem alten Bandkollegen aus Faces-Zeiten.

Dazu wird das Cover des gleichnamigen letzten Album der Faces in die Projektionswände integriert – eine feine Würdigung seiner alten Band, von der ja angeblich ein Reunionalbum in der Pipeline steht.

Ich muss mal kurz weg

Früh wird deutlich, dass er an diesem Abend von der regulären Setlist seiner "One more time"-Tour abweicht und das Programm deutlich umstellt. Nach dem schunkeligen "It’s a Heartache" erwähnt er, wie die alten amerikanischen Bluesrecken ihn in seiner musikalischen Entwicklung geprägt haben und schickt als Tribute an Muddy Waters dessen "Rollin’ And Tumblin’" in einer starken Fassung hinterher.

Bei "Forever Young" gibt es dann eine schottische Tanz- und Folkloreeinlage während der er von der Bühne verschwindet und die Garderobe wechselt – was er später noch bei den von seinen Sängerinnen dargebotenen Liedern "I’m Every Woman" und "Proud Mary" wiederholen wird.

Diese Momente sind kleine Einbrüche, denn man ist ja eigentlich gekommen um Rod zu sehen, aber anders als Mick Jagger hat er keine langen Gitarrensoli oder Songs, die Keith singt um zwischendurch mal die Klamotten zu wechseln und baut das so in seine Show ein, von daher kein Problem.

Mehr Songs für Mannheim

Was allerdings ein kleines bisschen nervt, ist dass die Gitarrenroadies schon während das Lied noch läuft mit den Instrumenten für den folgenden Song auf die Bühne kommen und optisch einfach den Moment zerstören in dem das Lied zu Ende geht. So sind die Unterbrechungen zwischen den Lieder zwar nur kurz, aber da könnte man gern auch einen Moment draufgeben.

Egal, denn auf der anderen Seite muss man auch feststellen, dass Rod und seine Band an diesem Abend insgesamt 25 Songs und damit mehr als üblich spielen – eine Ehre, der sich das Mannheimer Publikum in diesem Moment vielleicht gar nicht bewusst wird, die aber in der Nachbetrachtung bemerkenswert ist.

Die Stimme ist da

Die Stimmung in der Halle ist prächtig und Rod ist einfach gut drauf. Bei "Maggie May" muss er zwischen den Strophen sichtlich pusten um dann zu singen "The morning sun when it’s in your face really shows MY age!" – köstlich!

Aber wenn es darauf ankommt, wie bei der großartigen Version von Etta James‘ "I'd Rather Go Blind" ist die Stimme voll da und die Interpretation beeindruckend. Ansonsten lässt er wie zum Beispiel bei "I Don't Want To Talk About It" das Publikum ausgiebig singen.

Hoher Unterhaltungswert

Ein Ritual, das bei einem Rod Stewart-Konzert nicht fehlen darf, ist der Moment in dem er Fußbälle ins Publikum schießt bzw. wirft – das ist diesmal bei "Da Ya Think I'm Sexy?" der Fall. Ein starkes "Hot Legs" mit Bass-Solo und das unvermeidbare "Sailing" mit Kapitänsmütze, dann fällt der Vorhang wieder.

Aber natürlich gibt es noch eine Zugabe, die Motownnummer "Love Train" dazu fallen Luftballons von der Hallendecke und die Party endet furios. "One More Time" ist ja noch kein definitives "Last Time", aber alle, die ihn an diesem Abend gesehen haben, konnten einen würdigen, äußerst unterhaltsamen Eindruck eines Mannes mit nach Hause nehmen, der auch mit 80 noch eine rauschende Party schmeißen kann!

Setlist

Addicted To Love / You Wear It Well / Ooh La La / Having A Party / It’s A Heartache / Rollin’ And Tumblin’ / Forever Young / The First Cut Is the Deepest / Tonight's the Night / Maggie May / I'd Rather Go Blind / Young Turks / Downtown Train / I’m Every Woman / Reason To Believe / I Don't Want to Talk About  It / Have I Told You Lately / Proud Mary / Baby Jane / It Takes Two / Some Guys Have All the Luck / Da Ya Think I'm Sexy? / Hot Legs / Sailing  // Love Train