Das Jugendkulturzentrum Forum in Mannheim bot dem Winteraward Unterschlupf.

Das Jugendkulturzentrum Forum in Mannheim bot dem Winteraward Unterschlupf. © Markus Biedermann

2011 war das Jugendkulturzentrum Forum noch ein Notquartier für den 2. Mannheimer Brückenaward. Weil das Wetter damals nicht mitspielen wollte, musste unser liebstes Mannheimer Minifestival kurzfristig umziehen. Die Organisatoren machten 2012 aus der Not eine Tugend und so fand die Nachfolgeveranstaltung, der 1. Mannheimer Winteraward, wieder im Forum statt. Mit gleichem Konzept wie zuvor, nicht-kommerziell und kostenlos. Das überzeugte auch 400 Zuschauer.

{image}Die trudelten aber erst mit einiger Verspätung ein. So musste die erste Band des Abends, die Ripples, vor einem halb leeren Saal auftreten. Dadurch fehlte der Band auch die nötige Publikumsreaktion, um aus ihrem Auftritt alles herauszuholen. Etwas kraftlos und gezwungen ging das dann auch über die Bühne. Dass die Mannheimer es besser können, zeigten sie erst vor wenigen Tagen in der Vorrunde des Emergenza-Wettbewerbs in Heidelberg: Hier sicherten sie sich den ersten Platz.

Die danach auftretende Backa Soul Formation holte da bereits mehr aus ihrem Auftritt heraus. Die Reggae-Band war aber auch die einzige Combo des Abends, die keinen Rock spielte. Schon allein deswegen musste der musikalische Außenseiter zeigen, was man so alles mit Bläsern anstellen kann. Das George Dorn Quintet, dritte Band des Abends, klang, als wär es gerade aus der Garage gekommen und hätte sich den Sound von dort konserviert.

{image}The Aliçka Problem schwebten mit dem Publikum im Forum in andere Sphären. Ein sehr dichter und ruhiger Sound, Shoegaze eben, paarte sich mit den Bühnen-Projektionen von Projektor Pearson. Letztere sah man zwar den ganzen Abend, aber erst beim Auftritt von The Aliçka Problem konnten die psychedelischen Muster ihre Wirkung entfalten. Diese "zauberte" er, wie auch im letzten Jahr, mit Folien, gefärbtem Wasser und anderen handgemachten Effekten hervor. So richtig wollte daher auch niemand auf seine Füße starren, auch wenn der Sound der Band es eigentlich verlangte. Dieser erinnerte sofort an alte Krautrock-Heroen, kam aber ohne deren hippieske Züge aus – was die Band noch angenehmer macht.

{image}Das Ende des Abends läuteten Monopeople ein. Die Band aus Trier verheimlichte ihr musikalisches Vorbild nicht: Lightning Bolt. Wie das Duo aus Neuengland besteht Monopeople aus Bassist und Schlagzeuger und macht damit Musik, für die andere Bands mindestens fünf weitere Mitglieder brauchen würden. Als Außenstehender kann man diese Musik einfach nur als lauten Krach abtun. Die Ursprünge dieses Krachs gehen aber, über japanische Umwege, bis zur französischen Progrock-Formation Magma zurück. Monopeople verdichteten diesen Sound der 70er auf der Bühne bis zur Unkenntlichkeit. Das Publikum beim 1. Mannheimer Winteraward war davon, so wie vom restlichen Abend, begeistert.

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