Das große Ereignis des Freitagabends ist natürlich das Sonderkonzert von Clueso. Der Erfurter zeigt sich auf dem sehr gut gefüllten Marktplatz als charmanter Entertainer, der das Publikum mit einer Auswahl seiner größten Hits und neuen Songs von seinem aktuellen Album "Déjà-vu 1/2" unterhält.
"Hier kommt nichts vom Band", erklärt Clueso – und die Lust an der Musik glaubt man ihm auf jeden Fall. Er lobt das Ambiente, fragt, ob Worms die älteste Stadt Deutschlands sei (natürlich!) und erklärt, seine Redseligkeit zeige, dass er sich wohlfühle.
So viele positive Gefühle zeigen Wirkung: Stimmung und Intensität steigern sich im Verlauf des Abends immer weiter. Am Ende verabschiedet sich Clueso unter euphorischem Jubel von der Bühne.
Während Clueso von seinen Fans gefeiert wird, starten zwei weitere Konzerte des Abends. Auf der Renolit-Bühne vor der Jugendherberge spielt die deutsch-norwegische Sängerin Liv Solveig mit ihrer Band ihren einzigen Festival-Gig des Sommers.
Liv Solveig beeindruckt
Das nicht nur stimmlich herausragende Konzert ist eine elektrisierende Mischung aus treibender Energie und verspielten Melodien. Bei "Warrior And Wolf" dominiert das Cello, während andere Stücke zum Träumen einladen.
Wenn Liv Solveig selbst zur Violine greift, entsteht ein mitreißender Klangteppich. Als sie schließlich das Publikum als Chor in einen Song einbindet, sorgt sie für einen magischen Moment.
Dieses Konzert ist so gut, dass Jazz & Joy Liv Solveig möglichst bald wieder einladen sollte – dann aber mit einem exklusiven Platz im Zeitplan und nicht parallel zum Sonderkonzert, damit mehr Besucher ihre Musik erleben können.
Matt Johnson nimmt langen Anlauf
Das große Finalkonzert des Freitags auf dem Weckerlingplatz spielt Matt Johnson. Der Keyboarder der Band Jamiroquai beginnt mit ruhigen, jazzigen Klängen, die zunächst allerdings etwas blass bleiben.
Erst nach rund 60 Minuten stellt Johnson die entscheidende Frage: "Do you wanna funk?" Die laute Antwort des Publikums ist der Startschuss für einen deutlich energischeren zweiten Teil. Der druckvolle Groove bringt die Zuschauer zum Tanzen – und endlich ist die Energie da, um enthusiastisch bis zum Ende zu feiern.
Gelungene Auswahl am Samstag
Der Samstag bietet auf allen Bühnen viel spannende Musik. Für eine positive Überraschung sorgt die Mannheimer Band Hover, die mit ihrem groovigen Jazzrock vollauf überzeugt. Das Simon Oslender Trio beweist im Anschluss auf dem Weckerlingplatz, dass die Formensprache des Jazztrios keineswegs auserzählt ist.
Parallel verbreiten Kalkyl mit ihrem positiven Indie-Rock gute Stimmung. Wer es nachdenklicher und introspektiver mag, ist bei der kurdischen Sängerin Meral Polat richtig, die den Schlossplatz in einfühlsame Klänge hüllt.
Paul Carrack brilliert
Das große Highlight des Samstags liefert allerdings Paul Carrack auf dem Marktplatz. Wie schon bei seinem ersten Besuch bei Jazz & Joy 2012 begeistert er auch diesmal das enthusiastische Publikum vom ersten Song an.
Carrack mag in der breiten Öffentlichkeit keine Berühmtheit sein, zählt aber seit den 1970er Jahren zu den erfolgreichsten britischen Sängern und Songwritern und verfügt über eine beeindruckende Zahl bekannter Songs. Dazu gehört "Silent Running" von seiner ehemaligen Band Mike & The Mechanics. Das Publikum singt die berühmten Songzeilen ebenso lautstark mit wie beim nächsten Klassiker der Band, "Another Cup Of Coffee".
Mit dem Squeeze-Song "Tempted" bietet Carrack einen lässigen, poppigen Groove, der zugleich die Qualitäten seiner exzellenten und außerordentlich vielseitigen Band illustriert. "Cold Light of the Day" erinnert an den Rock'n'Roll der 1950er Jahre, den Carrack ebenso überzeugend darbietet wie das countryeske "Love Will Keep Us Alive", einen Comeback-Hit der Eagles, an dem er als Co-Songwriter beteiligt war.
Für das nächste Highlight sorgt ein eindrucksvolles Akustik-Set. Von Van Morrisons Klassiker "Into The Mystic" spielt Carrack eine wunderbare Interpretation. Mit "If I Should Fall Behind" von Bruce Springsteen stellt der Engländer anschließend unter Beweis, dass er auch die leisen Töne perfekt beherrscht.
Am Ende setzt Carrack mit zwei weiteren Songs von Mike & The Mechanics den gefeierten Schlusspunkt. Bei "The Living Years" steigt die Energie noch einmal deutlich an, bevor die Stimmung in der Zugabe mit "Over My Shoulder" vollends explodiert. Ein perfekter Abschluss des Samstags bei Jazz & Joy.
Entspannter Abschluss am Sonntag
Der Sonntag bietet erneut große Vielfalt und gute Unterhaltung. Ruhigen, aber spannungsreichen Soul-Pop präsentieren Munday auf dem Marktplatz. Der französische Posaunist Robinson Khoury zeigt mit seinem Projekt MYA die ganze Vielfalt des modernen Jazz.
Ganz anders präsentieren sich Gastone auf der Renolit-Bühne: Die Frankfurter Band ist seit vielen Jahren ein Garant für energiegeladene Live-Shows und stellt auch in Worms unter Beweis, dass sie ihr Publikum jederzeit zum Tanzen bringen kann.
Nach anfänglichen Technikproblemen stellt der norwegische Saxophonist Marius Neset sein aktuelles Album "Cabaret" vor, das von seiner klanglichen Bandbreite und seinem Erfindungsreichtum lebt.
Für den Abschluss auf dem Marktplatz sorgt Thomas D mit seiner Band The KBCS und einer lässigen Mischung aus HipHop und Pop. Gleichzeitig interpretiert die britische Sängerin Emma Smith auf dem Weckerlingplatz Jazzstandards, bekannte Pop-Klassiker wie Van Morrisons "Moondance" und sogar obskure Disney-Songs auf kreative Weise.
Damit geht eine weitere gelungene Ausgabe von Jazz & Joy zu Ende. Die erfreuliche Publikumsresonanz und die vielen gut besuchten Konzerte zeigen einmal mehr, welche Bedeutung das Festival für das kulturelle Leben der Stadt besitzt.









