Prominente Namen haben sich für Jazz & Joy angekündigt, allen voran natürlich der deutsch-spanische Sänger und Songwriter Alvaro Soler, der am Freitag das Sonderkonzert spielt.
Soler gibt den charmanten Strahlemann und sorgt mit seiner lässigen, sommerlichen Musik für viel Begeisterung gerade beim weiblichen Teil des Publikums, das den Marktplatz dicht gepackt bevölkert.
Spannende Acts am Freitag
Wer keine Karten für das Sonderkonzert erworben hat, kann dennoch viel spannende Musik erleben, allen voran den Marko Mebus, den Träger des Wormser Jazzpreises und die polnische Bassistin Kinga Glyk, die mit ihrem Fusion-Jazz den Zuschauern auf dem Schlossplatz einheitzt.
Einen spannenden Auftritt liefert auch das Duo Eypa vor der Jugendherberge, das aus elektrisch verstärkter Oud und Schlagzeug besteht – einer wirklich seltenen, vielleicht sogar einzigartigen Kombination. Ihr Konzert bietet eine große Abwechslung an Sounds und musikalischen Ideen aus Jazz, Rock und Elektronica und trifft beim Publikum auf große Resonanz.
Techno & Sax
Am Samstag geht es auf der Bühne an der Jugendherberge weiter mit einem guten Auftritt von Diana Ezerex und ihrer sehr persönlichen, leidenschaftlichen Musik.
Anschließend lockt die belgische Techno-Band NAFT mit ihrer Mischung aus elektronischen Sounds und Blechbläsern wie Basssaxofon (!), Baritonsax, Tenorsax, Trompeter und Schlagzeug eine so große Masse von Zuschauern vor die Jugendherberge, dass kaum ein Durchkommen ist.
Großer Sound
Die Bühne auf dem Weckerlingplatz ist stets der Ort für die Big Bands wie das Moka Efti Orchester, das die Zuschauer in die 1920er Jahre entführt oder den etwas allzu abgedrehten Showman Philip Lassiter.
Wirklich eindrucksvoll ist aber wie das Jakob Manz Project es schafft, den großen Platz als Quartett mit einem so dichten Sound zu beschallen, dass man denkt, es stehe eine weitaus größere Band auf der Bühne.
Reise in die Vergangenheit
Auf dem Marktplatz spielen derweil Il Civetto – und beweisen, warum sie aktuell zu den angesagtesten Newcomer-Bands des Landes zählen. Mit mitreißenden Songs, die mit ganz unterschiedlichen Einflüssen punkten und viel Energie reißen sie die Zuschauer mit. Dass sie auch berührende Lieder zu schreiben vermögen, zeigt ein Song, den Leadsänger Leon Keiditsch über den Tod seines Vaters geschrieben hat.
Für die größte Überraschung des Festivals sorgen dann möglicherweise Juli. Die deutsche Pop/Rockband stürmte vor zwanzig Jahren mit "Die perfekte Welle" und "Geile Zeit" an die Spitze der deutschen Zeit.
Nachdem die Band gefühlt lange in der Versenkung verschwunden war, sorgte ihr energiegeladener, ja jugendlicher Auftritt am Samstag für große Euphorie auf dem prall gefüllten Marktplatz. Die Zuschauer singen und tanzen mit – kein Wunder bei einer Band, die so viel Lebensfreude ausstrahlt.
Rückkehr nach Worms
Nachdem Gringo Mayer letztes Jahr vor der vollkommen überfüllten Bühne an der Jugendherberge auftrat, kehrt er dieses Jahr für ein Konzert auf der großen Bühne auf dem Marktplatz zurück.
Diesmal ist genug Platz, damit alle mitfeiern können. Gringo und seine Band treten ganz edel mit weißen Hemden und Sakko auf und bieten musikalisch einen Querschnitt ihrer Musik, die den Witz und Charme versprüht, die ihn über die Rhein-Neckar-Region hinaus zu einem Phänomen gemacht hat.
Dass der Ludwigshafener auch noch erklärt, dass er am liebsten in Worms geboren wäre, setzt allem die Krone auf. Als er das Konzert mit einer sehr schönen Version von "Ahjoo" beendet, hat er die Zuschauer längst für sich gewonnen.
Endspurt am Sonntag
Noch jemand trägt Anzug am Sonntag und das ist Ex-Spandau Ballet-Sänger Tony Hadley. In seiner Bühnenpersönlichkeit schwankt Hadley zwischen unerträglichem Perfektionist und charmantem Ladies' Man. So viele Einsätze von Bühnenpersonal und so viel Herumfummeln am In-Ear-Monitoring gab es vermutlich bei keinem anderen Auftritt.
Trotz aller eingebildeten und realen Schwierigkeiten zeigt Hadley, warum er mit Spandau Ballet in den 80ern große Erfolge feierte. Begleitet von einer wirklich ausgezeichneten Band singt er sich mit großer Routine durch Hits wie "To Cut a Long Story Short", "Highly Strung", sein Lieblingslied "Through The Barricades" und natürlich "True" und "Gold".
Dass er das Konzert mit Queens "We Are The Champions" beendet, kann man entweder als Geniailität oder Wahnsinn deuten, aber Hadley schafft es trotz des großen Vorbilds Freddy Mercury eine vernünftige Version dieses durchaus problematischen Songs abzuliefern.
Drei gelungene Tage
Damit endet Jazz & Joy 2024. Es bot jede Menge bekannte Namen, musikalische Entdeckungen, unerwartete Eindrücke und stilistische Vielfalt.
Dass das Publikum auch in Massen strömte (der Veranstalter spricht von 17.500 Besuchern an drei Tagen) und leidenschaftlich mitfeierte, zeigt die Bedeutung dieses sommerlichen Festivals für die Stadt und das Umland. Wo sonst bekommt man so viel gute Musik zu diesem Preis geboten?













